Bluttat in Blankenrode: Seit Freitag stehen die Witwe und ihr Bekannter unter Mordverdacht vor Gericht Die Leiche liegt im Kofferraum

Blankenrode/Paderborn (WB). Ein gutes Dutzend massiver Schläge mit einem Gummihammer kosteten Darius M. das Leben. Vier Jahre später stehen seit Freitag seine Witwe und ein 51-jähriger Pole vor dem Landgericht Paderborn: Sie sollen M. ermordet haben.

Von Ulrich Pfaff
Prozessauftakt am Freitag  in Paderborn: Die Staatsanwaltschaft wirft der Witwe Beihilfe zum Mord an ihrem Mann vor. Ihr Bekannter aus Polen soll die Bluttat ausgeführt haben. Es sind noch vier Prozesstage vorgesehen.
Prozessauftakt am Freitag in Paderborn: Die Staatsanwaltschaft wirft der Witwe Beihilfe zum Mord an ihrem Mann vor. Ihr Bekannter aus Polen soll die Bluttat ausgeführt haben. Es sind noch vier Prozesstage vorgesehen. Foto: Besim Mazhiqi

Mitte März 2011 meldet seine Frau in Blankenrode ihren Ehemann und Familienvater als vermisst. Er soll mit einem größeren Bargeldbetrag wegen Holzgeschäften unterwegs gewesen sein. Trotz aufwändiger Suche findet sich keine Spur von dem 45-Jährigen.

Ehefau soll Mörder beauftragt haben

Es dauert fast fünf Wochen, bis die Polizei in Essen eine grausige Entdeckung macht: Auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes steht ein Peugeot mit stark beschlagenen Scheiben. Auf der Rückbank, in Teppiche eingewickelt, liegt die Leiche von Darius M. mit völlig zertrümmertem Schädel.

Für die Staatsanwaltschaft Paderborn ist klar: Die heute 39-jährige Ehefrau wollte ihren Mann loswerden und hat den 51-Jährigen engagiert, um Darius M. zu töten. Die Anklage gegen Joanna M. lautet auf Anstiftung zum Mord, gegen den in seinem Heimatland Polen massiv vorbestraften Boguslaw G. auf Mord.

Zum Prozessauftakt haben beide Angeklagte durch ihre Verteidiger Dr. Franz Zacharias und Dr. Dirk Münker einräumen lassen, am gewaltsamen Tod von Darius M. und am Verschwinden seiner Leiche beteiligt gewesen zu sein.

Bekannter suchte angeblich Gespräch mit Opfer

Der 51-Jährige will zwar zugeschlagen haben, aber nur, um sich gegen einen tätlichen Angriff des 47-Jährigen in dessen Garage zu verteidigen. Er habe nicht beabsichtigt, M. zu töten – er habe vielmehr versucht, mit ihm ein Gespräch zu beginnen, sei aber unvermittelt verbal wie körperlich attackiert worden und habe zu dem herumliegenden Gummihammer gegriffen.

M.‘s Witwe ließ erklären, sie habe eine Freundin in Polen gebeten, zwischen ihr und ihrem Ehemann wegen der massiven familiären Probleme zu vermitteln – diese habe ihr Boguslaw G. geschickt. Dass der ihren Mann bei dem Zusammentreffen in der Garage tödlich verletzt habe, hätte sie völlig schockiert.

Hintergrund der Tat sind nach den Darstellungen vor allem von Joanna M. erhebliche Differenzen zwischen den Eheleuten: Der in Blankenrode lebende M. hatte mit der jetzt 39-Jährigen in Polen eine Beziehung begonnen, 2003 waren gemeinsame Zwillinge geboren worden. 2006 zog die Frau nach Deutschland. Die Ehe wurde 2010 geschlossen.

Witwe fühlte sich von Ehemann unterdrückt

Die Angeklagte ließ erklären, sie und ihr Sohn aus erster Ehe seien von Darius M. massiv unterdrückt worden. Zudem habe er wegen seiner hohen Schulden das von der 39-Jährigen mit einem Internethandel eingenommene Geld einbehalten, bis die Familie zum Schluss sogar gehungert habe.

5000 Euro, die für die Staatsanwaltschaft als Entlohnung für den Tötungsauftrag gelten, will sie Boguslaw G. auf dessen Drängen als Reisegeld für den Rückweg nach Polen gegeben haben.

Der Prozess ist auf vier weitere Tage angesetzt, die bis in den September währen.

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