Wohl einzigartiges Projekt: TV-Streaming-Anbieter Zattoo und Westfalenwind sorgen für klimaneutrales Fernsehen
Aus dem Lichtenauer Windrad in die weite Welt

Lichtenau-Asseln -

Dass klimaverträgliches Streaming möglich ist, zeigt jetzt eine Kooperation von Zattoo und Westfalenwind. Durch das Green-IT-Projekt Windcores des Windparkbetreibers betreibt der TV-Streaming-Anbieter Zattoo sein Rechenzentrum direkt in einer Windkraftanlage im Windpark Asseln.

Montag, 01.02.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 11:30 Uhr
In diesem Windrad im Windpark Asseln steht das Rechenzentrum, über das die Inhalte des TV-Streaming-Anbieters Zattoo laufen. Foto: Westfalenwind IT/Zattoo Europa AG

Seit vergangenem Donnerstag laufen erste Inhalte des TV-Streaming-Anbieters über dieses innovative Rechenzentrum. Zattoo und Westfalenwind übernehmen im Zuge ihrer Zusammenarbeit eine Vorreiter-Rolle. Soweit bekannt, ist dieses Projekt weltweit einzigartig.

Der weltweite CO-Ausstoß steigt kontinuierlich und auch die Internetnutzung trägt mehr und mehr dazu bei. Auch Streaming-Dienste, Cloud-Anwendungen und Videokonferenzen werden immer häufiger genutzt. Das wird nicht zuletzt durch die aktuelle Corona-Lage deutlich. Auch wenn viele Rechenzentren schon heute energieeffizient betrieben werden, entstehen immer noch jede Menge CO-Emissionen durch den laufenden Betrieb.

Bei Zattoo, einem der größten TV-Streaming-Anbieter Europas, werden im Monat mehr als 80 Millionen Stunden TV-Inhalte gestreamt. Dabei werden täglich zwischen Nutzern und Rechenzentrum mehr als fünf Millionen Gigabyte an Daten ausgetauscht. Das verbraucht allein bei Zattoo rund eine Million Kilowattstunden Strom pro Jahr, bei deren Produktion in der Regel CO anfällt. Bei Zattoo arbeitet man deshalb bereits an einer Lösung.

Fiete Dubberke, Geschäftsführer Westfalenwind IT, und Stefan Lietsch, Chief Technology Officer bei Zattoo (von links), freuen sich über den Start des klimaneutralen Fernsehens.

Fiete Dubberke, Geschäftsführer Westfalenwind IT, und Stefan Lietsch, Chief Technology Officer bei Zattoo (von links), freuen sich über den Start des klimaneutralen Fernsehens. Foto: WestfalenWIND IT/Zattoo Europa AG

Mit dem Windcores-Projekt des Windparkbetreibers Westfalenwind aus Paderborn plant Zattoo das eigene Rechenzentrum zukünftig direkt in einer Windkraftanlage im Windpark Atteln zu betreiben. Nach einer Testphase laufen seit Donnerstag erste Inhalte des TV-Streaming-Anbieters über dieses innovative Rechenzentrum. Damit nutzt Zattoo nicht nur Ökostrom aus Windenergie für die Verbreitung von TV-Inhalten, sondern platziert das eigene Rechenzentrum direkt in das Windrad, also dorthin, wo der Strom entsteht.

„Mit Windcores werden die Windenergieanlagen einer weiteren nachhaltigen Nutzung zugeführt. So können wir den steigenden Energiebedarf durch die zunehmende Digitalisierung mit der Energiewende in Einklang bringen“, sagt Fiete Dubberke, Geschäftsführer IT bei Westfalenwind.

Stefan Lietsch, Chief Technology Officer bei Zattoo und Verantwortlicher für das Projekt, fügt hinzu: „Die Idee, Rechenkapazität näher zur sauberen Energieerzeugung zu bringen und dabei noch ungenutzte Raumkapazitäten zu erschließen, ist so einfach und naheliegend und aus unserer Sicht ein Projekt, das hoffentlich Schule macht. Wir wollen konsequent zum nachhaltigen Unternehmen werden und andere dazu bewegen, mitzumachen.“

Ende 2020 fand der Einzug der ersten Server von Zattoo in das Windrad von Westfalenwind statt. In dieser ersten Phase wurden zunächst einige wichtige Tests an den Systemen und Prozessen von Zattoo durchgeführt.

Inhalte von Zattoo werden seit vergangenem Donnerstag über ein Rechenzentrum direkt aus einem Windrad im Windpark Asseln gestreamt – mit Windstrom.

Inhalte von Zattoo werden seit vergangenem Donnerstag über ein Rechenzentrum direkt aus einem Windrad im Windpark Asseln gestreamt – mit Windstrom. Foto: WestfalenWIND IT/Zattoo Europa AG

Am vergangenen Donnerstagmorgen wurden dann die ersten Server in Betrieb genommen. In einer nächsten Phase will Zattoo herausfinden, ob Windcores den Ansprüchen an Stabilität und Zuverlässigkeit gerecht werden kann. Das sei für Zattoo, als Anbieter von Live-Fernsehen äußerst wichtig, um sicherzustellen, dass der eigene Service rund um die Uhr genutzt werden kann. Nach und nach plant Zattoo dann immer mehr Inhalte über das Rechenzentrum im Windrad im Windpark Asseln laufen zu lassen.

Als erster Streaming-Anbieter weltweit, der mit seinen Servern in ein Windrad zieht, betritt das Unternehmen mit diesem Projekt absolutes Neuland. Sollten sich die Erwartungen an das Projekt erfüllen, plant Zattoo das Windrad zukünftig zum Hauptstandort für das eigene Rechenzentrum machen.

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