Josef Hartmann blickt auf seine Zeit als Lichtenauer Bürgermeister zurück
Der Kapitän verlässt die Brücke

Lichtenau (WB/han). Seine Wahl war in der CDU-Hochburg Lichtenau für viele eine Überraschung: Gut sechs Jahre lang stand SPD-Bürgermeister Josef Hartmann an der Spitze der Stadt Lichtenau. Aus Alters- und Gesundheitsgründen verzichtete er auf eine erneute Kandidatur bei der Kommunalwahl im September und machte damit den Weg frei für seine Nachfolgerin Ute Dülfer.

Samstag, 10.10.2020, 03:00 Uhr
Der Liebesweg in der Lichtenauer Kernstadt ist ausgebaut worden, so dass die Kinder auf dem Schulweg keine nassen Füße mehr bekommen, die Brücke ist erneuert und eine Beleuchtung installiert worden. Auch auf dieses erfolgreich umgesetzte Projekt schaut Lichtenaus Bürgermeister Josef Hartmann zum Ende seiner mehr als sechsjährigen Amtszeit zurück. Foto: Hanne Hagelgans

Haus gut bestellt

Im Gespräch mit dem WV schaut Josef Hartmann auf seine Zeit als Bürgermeister zurück – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn er lässt keinen Zweifel daran: Wenn er etwas jünger wäre und im vergangenen Jahr nicht mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt hätte, hätte er gerne noch weitergemacht. Andererseits ist Hartmann überzeugt, ein gut bestelltes Haus zu hinterlassen. Er schaue auf viele positive Ergebnisse zurück, betont er.

Thema Windkraft

So freue er sich darüber, dass es gelungen sei, den Begriff „Energiestadt Lichtenau“ zu verankern und mit Leben zu füllen. Begonnen habe das gleich zu Anfang seiner Amtszeit mit der Ausweisung des Flächennutzungsplanes zur Windenergie, der 2015 verabschiedet und seitdem (anders als in vielen Nachbarkommunen) auch nicht beklagt wurde.

„Es war für mich persönlich schon eine harte Zeit, in der ich auch persönlich in der Kritik gestanden habe“, schaut Hartmann auf die Ausgestaltung des Planes in Rat und Verwaltung zurück. In der Politik habe jedoch zum Glück Konsens bestanden, den Plan so zu verabschieden. „Wir haben es irgendwie geschafft, die Betreiber mit den Bürgern und der Politik und auch der Rechtssprechung in Einklang zu bringen“, so Hartmann.

Entscheidend für die Akzeptanz der Windkraft sei aber auch, dass die Bürger davon profitieren könnten. In Lichtenau gelinge das durch die Energiestiftung und durch genossenschaftliche Beteiligungen, die mehrere hundert Bürger nutzten. Weil die Lichtenauer Stadtwerke selbst sechs Windkraftanlagen betreiben, könne zudem der Wasserpreis günstig gehalten werden. Die Gewerbesteuer aus der Windkraft habe sehr zur Konsolidierung des Haushaltes auch in Corona-Zeiten beigetragen und andere Projekte ermöglicht.

Klima-Campus

Dazu, so Hartmann, zähle auch der Klima-Campus an der Realschule, der ebenfalls wichtiger Baustein des Gesamtpakets „Energiestadt Lichtenau“ sei. „Wir werden dann ein Schulzentrum haben, das absolut klimaneutral ist“, freut sich Hartmann, dass der politisch zunächst umstrittene Beschluss pro Klima-Campus schließlich doch noch gefasst wurde.

Herausforderungen

Geprägt sieht Hartmann seine Amtszeit auch vom Zustrom der Flüchtlinge: „Das war eine große Herausforderung, die wir als Verwaltung und mit den vielen Ehrenamtlichen ausgesprochen gut bewältigt haben.“ Die Stadt habe 2015 dezentral Wohnraum geschaffen, indem Wohnungen gemietet und erworben wurden. Die Immobilien im Eigentum der Stadt würden auch heute noch von Migranten bewohnt, von denen viele mittlerweile allerdings Miete zahlten und so zur Refinanzierung beitrügen.

Ebenfalls gut gemeistert habe die Stadt die Corona-Krise. Schulen und Kitas hätten gute Arbeit geleistet und seien gerüstet. Und auch die Senioreneinrichtungen in Ebbinghausen und der Kernstadt seien von Corona-Ausbrüchen verschont geblieben. Durch die gute Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern sei es gelungen, in den Dörfern eine Vielzahl von Projekten zu verwirklichen.

Großveranstaltungen

Auf eine Reihe von Großveranstaltungen schaut Hartmann zurück und nennt Dorfjubiläen in Asseln, Holtheim, Henglarn und Husen, die DLG-Waldtage und – sein persönliches Highlight – den Besuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im vergangenen Jahr im Kloster Dalheim zur Eröffnung der Ausstellung über Verschwörungstheorien.

Aufgaben für Nachfolgerin

Dass seine Nachfolgerin Ute Dülfer Bau-Fachfrau sei, werde ihr zugute kommen, schätzt Hartmann. Schließlich stünden mit Neubau oder Erweiterung der Kilian-Grundschule und der Fortsetzung des Klima-Campus große Bauprojekte auf dem Programm. Außerdem werde es gelten, private Baugrundstücke in den Orten zu schaffen und den Ausbau des Gewerbegebietes Leihbühl weiter voran zu bringen.

Laut Brandschutzbedarfsplan stünden außerdem Bau oder Erweiterung mehrerer Feurwehrgebäude an. Weitere wichtige Aufgaben seien der Breitbandausbau im Stadtgebiet, den Hartmann bereits auf einem guten Weg sieht, der Bau einer Kita in Atteln und die Erweiterung der Kita in Herbram

Pläne für den Ruhestand

In seinem Ruhestand, verspricht Josef Hartmann, werde er nicht untätig sein. So will er sich intensiv in der Bürgerenergiestiftung einbringen. Außerdem möchte Hartmann, der viele Jahre lang das Blasorchester Lichtenau geleitet hat, wieder Musik unterrichten: Er hat zugesagt, eine Bläserklasse in der Grundschule zu übernehmen.

Und schließlich freut er sich darauf, wieder selbst als ehrenamtlicher Fahrer am Steuer des Bürgerbusses zu sitzen. Dann wird er sicherlich auch künftig Gelegenheit haben, das zu tun, was ihm schon als Bürgermeister stets am wichtigsten war und leicht fiel: mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

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