Es geht um Latein, Klöster unter Hitler und Benedikts Bedeutung für die Gegenwart
Große Ausstellungen in Dalheim geplant

Lichtenau-Dalheim (WB). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) plant mehrere große Sonderausstellungen im Kloster Dalheim. Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger stellte jetzt eine Übersicht von 2022 bis 2026 vor. „Trotz der Corona-Krise gucken wir nach vorn und planen große Ausstellungsprojekte – es geht mit starkem Engagement weiter”, kündigte sie an.

Donnerstag, 08.10.2020, 05:28 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 07:02 Uhr
Das Kloster Dalheim wird in den nächsten Jahren Schauplatz weiterer interessanter Ausstellungen sein. Zur Zeit ist dort eine Schau über Michelangelo zu sehen. Foto: Andreas Lechtape

Dass die Sprache Latein heute noch längst nicht am Ende ist, soll 2022 eine Ausstellung des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim zeigen. Unter dem Arbeitstitel „Latein. Die Sprache Europas” wird die Sonderausstellung der Geschichte des Lateinischen nachgehen und fragen, welche Bedeutung Europas Sprache heute noch hat.

Als Latein noch das Maß aller Dinge war

Latein war nicht nur über Jahrhunderte die Sprache der Klöster und Ordensleute. Neben dem Griechischen war es Verkehrssprache des Römischen Reiches und „lingua franca” in weiten Teilen Europas. Die Breite des Themas erlaubt laut LWL eine Zusammenschau von äußerst unterschiedlichen Exponaten: Wertvolle frühmittelalterliche liturgische Handschriften stehen neben erotischen Darstellungen und Dichtungen aus der Antike und Objekten der aktuellen Populärkultur.

Hitlers Opfer oder Helfer?

Bis heute wird darüber diskutiert, wie das Verhältnis der Kirchen und Klöster zum Nationalsozialismus zu beurteilen ist. Eine Sonderausstellung über „Kirchen und Klöster im Nationalsozialismus” (Arbeitstitel) soll in Dalheim von 2024 an diese Wechselbeziehung historisch und museumsdidaktisch erstmals für ein breites Publikum aufarbeiten.

Waren die Kirchen willige Helferinnen des mörderischen Regimes oder sind sie dem mutigen Widerstand zuzurechnen? Die Ausstellung fragt nach den Rahmenbedingungen dieses Verhältnisses im Zusammenhang der europäischen Geschichte der 1920er bis 1940er Jahre.

Besondere Diskussionspunkte auf katholischer Seite sind zum Beispiel die Hintergründe des Konkordats zwischen Deutschem Reich und Heiligem Stuhl oder auch die Verfolgung von Priestern durch den Staat und der zur Schließung von Einrichtungen führende „Klostersturm”. Auf evangelischer Seite werden unter anderem die ideologische und organisatorische Nähe zum Regime sowie der Gegensatz zwischen sogenannten „Deutschen Christen” und „Bekennender Kirche” diskutiert.

Schweigeseminare statt ständige Beschleunigung

In Zeiten einer steten Beschleunigung sämtlicher Lebensbereiche erscheint die Welt der Klöster als Gegenentwurf zu scheinbar übermächtigen Megatrends. Exerzitien und Schweigeseminare im Kloster sprechen immer mehr Menschen an. Die Ausstellung „Respekt, Alter! Was Benedikt heute regeln kann...” (Arbeitstitel) in Dalheim geht 2026 der Frage nach, ob und wie sich klösterlich-monastische Vorbilder auf ein Zusammenleben in Gegenwart und Zukunft übertragen lassen.

Die Idee klösterlichen Wirtschaftens betrachten viele heute wieder als zeitgemäß und interpretieren sie als Nachhaltigkeit. Viele Klosterbetriebe sind modernste Biobetriebe auf höchstem Niveau. Besonders aktuell erscheint im Zeichen des Klimawandels der weitgehende Verzicht auf tierische Speisen.

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