Investoren-Ehepaar schafft acht Wohnungen und Café in Lichtenau
In altes Haus zieht neues Leben ein

Lichtenau (WB/han). Mitten in Lichtenau hat sich ein altes Haus, das fast schon kurz vor dem Abriss stand, jetzt in ein echtes Schmuckstück verwandelt. Was viele Lichtenauer freuen wird: Im Erdgeschoss eröffnet im neuen Jahr eine Bäckerei mit Bistro-Café und Außensitzplätzen.

Freitag, 02.10.2020, 03:00 Uhr
Anna und Eugen Schefner (Mitte) haben 800.000 Euro und unzählige Arbeitsstunden in das Haus Hillebrand investiert. Im Erdgeschoss möchte Unternehmer Bernd Krome (rechts) im neuen Jahr eine Bäckerei mit Bistro-Café eröffnen. Vorbesitzer und Heimatforscher Heinrich-Karl Hillebrand (links) freut sich, dass sein Elternhaus eine sinnvolle Nutzung gefunden hat. Foto: Hagelgans

Das Ehepaar Anna und Eugen Schefner aus Asseln hat die Immobilie Ende 2017 gekauft und grundlegend umgebaut. Das Gebäude sei komplett entkernt und der Giebel neu aufgebaut worden, erzählt Eugen Schefner. Er ist gelernter Maler und hat alle Arbeiten mit viel Herzblut und Einsatz selbst erledigt.

Entstanden sind acht moderne, helle Wohnungen mit allem Komfort und Größen zwischen 70 und 80 Quadratmetern. In einer Wohnung im Dachgeschoss, die auf einem kleinen Balkon einen schönen Blick in Richtung Paderborn bietet, erinnern noch ein paar alte Balken dekorativ an die lange Geschichte des Hauses. Bis auf eine sind alle Wohnungen bereits vermietet, in diesen Tagen ziehen die neuen Bewohner ein.

Weil im Erdgeschoss noch einige Arbeiten zu erledigen sind und auch wegen der unklaren Corona-Lage wartet Bernd Krome, Bäckerei-Unternehmer mit 300 Mitarbeitern und 27 Filialen in den Kreisen Höxter, Lippe, Holzminden und künftig auch Paderborn, mit der Eröffnung seines Bäckerei-Cafés im Erdgeschoss noch bis ins neue Jahr. Dann wird der von vielen Lichtenauern gehegte Wunsch wahr, mitten in der Stadt gemütlich Kaffee, Kuchen und Eis genießen zu können; auch ein Freisitz ist geplant.

Für 150.000 Euro hat das Ehepaar Schefner die Immobilie gekauft, insgesamt wurden rund 800.000 Euro investiert – die unzähligen Arbeitsstunden, die Eugen Schefner in die Immobilie investiert hat, nicht mitgerechnet. „Ein Jahr lang mussten die Schefners auf die Genehmigungen von der Stadt warten, bis sie endlich mit den Arbeiten anfangen konnten“, berichtet Vorbesitzer Heinrich-Karl Hillebrand.

Wann genau das Haus Hillebrand gebaut worden ist, weiß heute nicht einmal mehr er so ganz genau, obwohl Heinrich-Karl Hillebrand ein begeisterter und über Lichtenau hinaus angesehener Heimatforscher ist. Die Grundrisse des Gebäudes jedenfalls stammen bereits aus dem Jahr 1857.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts kaufte es die jüdische Familie Schellenberg. Als sie 1938 in die USA auswandern musste, übernahm es Kaufmann Willy Hille­brand aus Scherfede. Übrigens im besten Einvernehmen mit der befreundeten Familie Schellenberg, wie sein Sohn Heinrich-Karl Hillebrand betont.

Dennoch musste seine Mutter Maria Hillebrand im Nachkriegsjahr 1948 eine hohe Entschädigungssumme aufbringen. Und das war nicht ihr einziges Problem. Denn Ehemann Willy war noch in den letzten Kriegstagen in Italien gefallen, so dass sie ganz allein drei Kinder ernähren und den Familienbetrieb, ein Bettengeschäft, das später um Sitzmöbel und Wohnaccessoires erweitert wurde, am Laufen halten musste.

1960 arbeitete Heinrich-Karl Hillebrand in dem Geschäft im Erdgeschoss mit – darüber wohnte die Familie mit drei Generationen – und führte es viele Jahre lang mit seiner Frau Wilhelmine. Nachdem in den 1980er Jahren das Zweitgeschäft der Unternehmerfamilie in Paderborn zum Erfolg wurde, entschloss man sich zur Schließung in Lichtenau. 1988 wurden die Räume an die Drogerie Schlecker vermietet, die sie bis zur Insolvenz der Kette im Jahr 2012 nutzte.

Als die Familie Hillebrand die Immobilie vor einigen Jahren zum Kauf anbot, war auch die Stadt Lichtenau als möglicher neuer Eigentümer im Gespräch. Denkbar wäre es gewesen, dort einen Erweiterungsbau des Rathauses unterzubringen oder mit zusätzlichen Parkplätzen die Situation in der Kernstadt zu entschärfen. Doch im Lichtenauer Stadrat fand sich keine Mehrheit für den Kauf. Kurz darauf schlug die Stunde des Ehepaars Schefner, die nun dafür gesorgt hat, dass die Kernstadt zusätzliche Wohnungen und ein Café erhält.

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