Bürgermeisterkandidaten Ute Dülfer und Josef Eich vor der Stichwahl im WV-Interview - mit Video
Lichtenauer haben die Wahl

Lichtenau (WB). 8841 Wahlberechtigte sind am Sonntag in Lichtenau noch einmal zum Urnengang aufgerufen. Sie entscheiden darüber, wer Bürgermeister oder Bürgermeisterin wird. Mit Video:

Freitag, 25.09.2020, 03:00 Uhr
Ute Dülfer und Josef Eich haben sich im WV-Pressehaus den Fragen gestellt. Foto: Jörn Hannemann

Die parteilose Ute Dülfer holte im ersten Wahlgang 46,14 Prozent der Stimmen. CDU-Kandidat Josef Eich kam auf 35,32 Prozent. Vor der Stichwahl haben sich beide Bewerber den Fragen von Hanne Hagelgans und Matthias Band gestellt. Im Vorfeld waren auch Sie, liebe Leser, aufgerufen, Fragen einzureichen. Eine Auswahl floss in das Interview ein.

Wie haben Sie die Zeit seit der Wahl genutzt, um auf die Stichwahl vorbereitet zu sein?

Ute Dülfer : Wir haben ein neues Plakat erstellt und die Plakate am Samstag mit mehreren Leuten in den Ortschaften verteilt. Dann habe ich noch einen neuen Flyer gemacht, der jetzt auch noch einmal an jeden Haushalt verteilt wird. Ich werde außerdem am Freitag und Samstag an den Lebensmittelmärkten in den größeren Orten in Lichtenau stehen und die Leute noch einmal darauf hinweisen: Am Sonntag sind Wahlen, bitte geht noch einmal zur Wahl.

Josef Eich: Bei mir ist es ähnlich. Es gibt neue Plakate für die Stichwahl. Wir haben unsere Mitglieder aufgerufen, wählen zu gehen und Gespräche geführt. Wir haben die Plakate aufgehängt und am Wochenende noch einige Veranstaltungen besucht, unter anderem beim Sportverein in Kleinenberg, in Holtheim und in Blankenrode.

Es gibt seit einigen Tagen ein Schreiben der CDU, das sich stark für Josef Eich einsetzt und gegen Ute Dülfer schießt. Wie bewerten Sie das?

Eich: Es ist nicht meine Art, solche Briefe zu schreiben. Unsere Ortsunionen haben verschiedene eigene Aktionen geplant, in denen es aber eigentlich nur darum gehen sollte, nochmal auf die Stichwahl hinzuweisen. Persönliche Attacken liegen mir fern, und ich hätte das auch niemals unterschrieben. Ich habe gewusst, dass ein Brief an parteinahe Personen in der Kernstadt verschickt werden sollte, aber den Wortlaut kannte ich nicht. Ich habe den Inhalt auch zuerst im Internet gelesen. Es handelt sich um eine Aktion der Ortsunion der Kernstadt. Und das Schreiben ist auch nur in der Kernstadt verteilt worden.

Dülfer: Ich war überrascht. Herr Eich und ich hatten eigentlich beide gesagt, dass wir einen fairen Wahlkampf führen wollten. Ich empfinde dieses Schreiben nicht als fairen Wahlkampf. Ich werde darauf nicht reagieren und hoffe, dass die Wähler schon die richtigen Konsequenzen daraus ziehen.

Ute Dülfer (parteilos)

Ute Dülfer, die von SPD und FDP und nach dem ersten Wahlgang auch von den Grünen unterstützt wird, ist 48 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Kleinenberg. Nach ihrem Abitur folgten eine Maurerlehre und ein Studium an der Fachhochschule in Lippe mit der Fachrichtung konstruktiver Ingenieurbau.

1997 erwarb sie ihren Abschluss als Diplom-Bauingenieurin. Bis 2008 arbeitete sie im elterlichen Betrieb, dem  Baugeschäft Willi Hagelüken in Kleinenberg. Danach wechselte sie zum Gebäudemanagement Paderborn, wo sie   Sachbearbeiterin in der Bauunterhaltung war. Seit 2015 leitet sie diesen Bereich.

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In dem Schreiben wird auch Ihre Unabhängigkeit angezweifelt, Frau Dülfer. Sie sagen, Sie sind unabhängig, stehen aber für die SPD auf dem Stimmzettel. Wie funktioniert das?

Dülfer: Als ich mich entschieden habe, Bürgermeisterkandidatin zu werden, habe ich das als Einzelbewerber für schwierig gehalten. Weil ich wusste, dass die SPD noch keinen Bürgermeisterkandidaten hat, bin ich auf sie zugegangen und habe gefragt, ob die SPD sich vorstellen kann, mich als Kandidatin zu unterstützen. Die FDP ist dann auch mit eingestiegen. Ich stehe bei der SPD mit auf dem Wahlzettel, weil ich gesagt habe, wenn ich keine Bürgermeisterin werde, möchte ich zumindest aber mit in den Rat. Daher hat die SPD mich mit auf ihre Liste genommen. Ich stehe hier aber auch als unabhängige Kandidatin auf der Liste

In dem Schreiben wird auch darauf verwiesen, dass Sie keine Verwaltungserfahrung haben.

Dülfer: Ich bin seit 2008 bei der Stadt Paderborn, seit 2015 bin ich Sachgebietsleitung. Ich habe auch Erfahrung mit Ausschüssen, ich habe sie miterlebt und auch schon in Ausschüssen berichtet. Ich weiß, wie Verwaltung funktioniert. Von daher kann ich diesen Vorwurf nicht verstehen. Außerdem brauche ich als Bürgermeisterin auch keine Verwaltungsausbildung.

Ute Dülfer wäre im Falle ihrer Wahl die erste Bürgermeisterin Lichtenaus. War das Geschlecht im Wahlkampf ein Thema, ist es für Sie persönlich ein Thema?

Dülfer: Ich habe aus vielen Gesprächen mitgenommen: Es ist auch mal an der Zeit, dass eine Frau Bürgermeisterin wird. Und genauso sehe ich das auch. Es wird immer davon gesprochen, dass die Frauenquote erhöht werden muss. Ich möchte das erreichen. Ich glaube außerdem, dass eine Frau noch einmal eine andere Sichtweise hat und es gut ist, wenn auch mal eine Frau an der Spitze steht.

Eich: Dass ich gegen eine Frau kandidiere, war für mich kein Thema. Wir hatten ja im Vorfeld auch eine Frau dabei, die mit kandidieren wollte, sich dann aber zurückgezogen hat. Alter Mann gegen junge Frau – das ist im Wahlkampf auch an mich herangetragen worden. Aber da muss man mit leben. Mir geht es um das Sachliche.

Josef Eich (CDU)

Josef Eich ist 58 Jahre alt und verheiratet. Er lebt in Henglarn. Seit vier Jahren ist er CDU-Fraktionschef im Lichtenauer Rat. Nach dem Abitur am Goerdeler-Gymnasium, Bundeswehr und Studium verbrachte er die ersten Berufsjahre im Erzbistum Bamberg als Geschäftsführer bei der katholischen Landvolkbewegung. Danach war er mehr als 22 Jahre lang Geschäftsführer von sieben kirchlichen Organisationen  im Erzbistum Paderborn.   

Seit 2010 leitet Josef Eich   bei der Stadt Salzkotten das Schulverwaltungsamt und ist stellvertretender Fachbereichsleiter für Bildung und Soziales.

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Gerade kleinere Ortsteile haben Infrastruktureinrichtungen wie Banken, Geschäfte und Gaststätte verloren. Viele unserer Leser haben gefragt, was ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin tun wollen, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken.

Eich: Wir haben ja vor einigen Jahren im Rahmen des IKEK-Programms (Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept, Anm. d. Red.) Workshops in den einzelnen Dörfern gehabt, bei denen auch auf diese Missstände hingewiesen wurde. Dort sind Pläne erarbeitet worden, wie man dagegen vorgehen kann. Dabei muss man jeden Ort einzeln betrachten.

Es tut weh, wenn wir sehen, dass ein Ort wir Herbram keinen Lebensmittelmarkt mehr hat. Das sind persönliche Entscheidungen der Unternehmer, oft ist es schwer, eine Nachfolge zu finden. Ich könnte mir vorstellen, einen Laden mit regionaler Vermarktung und Ehrenamtlichen zu eröffnen, ähnlich wie es in Dörenhagen passiert ist.

Unsere Ortsvorsteher sind schon sehr rührig. Ich würde mich freuen, wenn die Themen, wie wir im IKEK erarbeitet haben, auch umgesetzt werden. Es sollten Mittel bereitgestellt werden, doch die hat es nie gegeben. Es ist aber versprochen worden, dass da in Zukunft etwas kommt. Andernfalls ist Eigeninitiative gefragt – dann muss die Stadt ran.

Wenn sich Unternehmen zurückziehen, müssen wir es zumindest hinbekommen, dass wir mit Bussen mit einem vernünftigen Takt und dem Ein-Euro-Ticket Orte erreichen, wo es die Infrastruktur noch gibt.

Dülfer: Ich sehe es genauso, dass man in Herbram einen Laden etablieren könnte wie es in Dörenhagen auch gemacht wurde. In den kleineren Orten wie Ebbinghausen oder Iggenhausen ist das natürlich schwierig. Da könnte ich mir vorstellen, den Bürgerbus noch zu optimieren. Eventuell kann man im Ort Ehrenamtliche vorhalten, die wie zu Corona-Zeiten für ältere oder kranke Menschen Besorgungen erledigen oder jemanden mitnehmen.

Gut fände ich auch einen mobilen Laden mit regionalen Produkten, der gerade in die kleineren Ortschaften fährt. Vielleicht kann man auch versuchen, in solchen Dörfern vor Ort regelmäßige Dienstleistungstage der Verwaltung und der Banken zu etablieren.

Mehrere Leser haben sich zum Thema Windkraft bei uns gemeldet. Wie stehen Sie dazu?

Dülfer: Die Windkraft hat Lichtenau zu dem gemacht, was es heute ist, zur Energiehauptstadt in NRW. Wir haben 174 Windkraftanlagen. Wir haben eine Energiestiftung gebildet, in die die Betreiber Geld einzahlen müssen und aus der Vereine gefördert werden. So ist auch die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger soweit gekommen, dass wir keine Gegner mehr haben, die gegen die Windkraftanlagen demonstrieren. Das finde ich auch gut. Wir haben aber in Lichtenau jetzt genug Windkraftanlagen. Wir haben einen Flächennutzungsplan, der rechtskräftig ist, dabei sollten wir es auch belassen.

Immer mal wieder kommt die Idee auf, brachliegende Waldstücke für Windkraftanlagen zu nutzen. Ich persönlich bin nicht dafür. Ich finde, wir haben so tolle Wanderwege und Radwege. Ich möchte nicht, wenn ich im Wald unterwegs bin, an Windkraftanlagen vorbeifahren. Wie sich das in Zukunft entwickelt, weiß ich nicht. Ich bin dafür, dass man Repowering macht, also kleine Anlagen durch größere und effektivere ersetzt. Aber auch nur in den ausgewiesenen Windkraftzonen.

Eich: Wir haben im Jahr 2015 die Windvorrangzonen so beschlossen, wie wir sie jetzt haben. Seitdem haben wir einen rechtskräftigen Flächennutzungsplan, eine entsprechende Entwicklung hat stattgefunden. Das Gute daran ist, dass wir dadurch 2,5 Millionen Euro Gewerbesteuer jährlich einnehmen. Das ist die Hälfte der gesamten Gewerbesteuer – unabhängig von Corona. Das ist finanziell gut für Lichtenau und gibt Rechtssicherheit.

Repowering muss in den Vorrangzonen natürlich möglich sein. Aber alles weitere, Windkraft im Wald oder in Randgebieten, wird es bei mir nicht geben. Vor allem nicht im Wald. Es geht ja nicht nur um die riesigen Geräte, die im Wald stehen, es werden auch Wege gebraucht, um dorthin zu kommen. Es müssten Riesenflächen gerodet werden. Ich finde, der Wald ist ein Generationenprojekt, da sollten wir nichts verscherbeln für private Gewinne.

Was würden Sie im Falle ihrer Wahl tun, um Lichtenau für junge Familien attraktiv zu machen?

Eich: Wir müssen unser Bildungssystem gut aufrechterhalten. Dazu gehören die Kindertagesstätten und U3-Plätze. Der Bedarf der U3-Betreuung wird immer mehr. Da platzen wir momentan in einigen Kitas schon aus allen Nähten, zum Beispiel in Atteln, wo wir schon Container stehen haben.

In Herbram bauen wir jetzt an. Wir wollen auch an der Altenauschule eine neue Kita bauen, das ist ja auch schon so beschlossen worden. Ich bin sehr dafür, dass wir dort einen attraktiven Träger finden. Zum Beispiel hat sich der Kreissportbund angeboten. Das bietet sich an, weil dort auch eine Sportfläche überarbeitet wird. Die Turnhalle ist daneben, die Schule ist daneben. Wir sollten einfach die Kinder wieder in Bewegung bringen.

Die Schulen müssen gut sein. Mit den Grundschulen sind wir gut aufgestellt, wollen aber die Grundschule in Lichtenau noch neu bauen. Die CDU hat sich für einen Neubau ausgesprochen, weil wir wissen, dass der Keller marode ist und dass es schwierig ist, auf dem Bestand aufzubauen. Wenn wir schon Geld in die Hand nehmen, dann muss es auch auf Dauer eine attraktive und gute Schule sein, die auch barrierefrei ist und wo digitale Lernräume geschaffen werden können.

Was mir besonders am Herzen liegt, ist dass wir den Familienpass wiederbekommen. Lichtenau ist die einzige Kommune im ganzen Kreis Paderborn, die keinen Familienpass hat.

Attraktivität für junge Familien heißt natürlich auch: bezahlbare Bauplätze. Das ist das A und O. Wenn mir meinen, wir müssten uns mit Paderborn, Borchen oder Paderborner Randgebieten messen, bleiben die Leute lieber da, wo mehr Infrastruktur ist, weil der Preis für die Familien nicht mehr attraktiv ist.

Dülfer: Ich sehe einen Vorteil im Homeoffice. Wir haben ja zu Corona-Zeiten gemerkt, wie gut Homeoffice funktionieren kann. Ich glaube, das sollten wir als Stadt Lichtenau nutzen. Viele Arbeitnehmer merken: Das funktioniert gut, ich muss nicht mehr so häufig zur Arbeit fahren und kann mir Wege sparen. Ich glaube, das ist ein Anreiz gerade für junge Familien, dann doch aufs Land zu kommen. Dafür brauchen wir Grundstücke, und die müssen bezahlbar sein. Das muss sich ganz wesentlich von dem unterscheiden, was man in Paderborn oder Borchen bezahlt. Zurzeit liegen sie in der Kernstadt bei etwa 150 Euro pro Quadratmeter, in Kleinenberg sind wir mit 50 Euro sehr günstig. Ich denke, der Preis sollte in den kleineren Dörfern auf jeden Fall deutlich unter 100 Euro bleiben.

Beim Glasfaserausbau sind wir sehr gut aufgestellt, da ist alles eingestielt. Auch die Gewerbegebiete sind gut angeschlossen.

Corona hat gezeigt, dass digitales Lernen wichtig ist. Ein Vater, der uns geschrieben hat, möchte wissen: Wo sehen Sie in zwei Jahren die Schulen im Hinblick auf digitales Lernen?

Eich: Ich kenne das aus meiner eigenen Erfahrung für die Stadt Salzkotten, wo wir in der Oberstufe der Gesamtschule digitale Lernräume eingerichtet haben. Damit konnte man vor einigen Wochen, als es einen Corona-Fall gab, 1:1 zu Hause weiterarbeiten. Das ist natürlich ein langer Weg, den kriegen wir nicht in zwei Jahren hin. Das eine ist, Geräte anzuschaffen, das ist eine Frage des Geldes. Das andere ist, dass natürlich auch Lehrer ausgebildet werden müssen und die Infrastruktur mit entsprechenden Servern dahinter stehen muss. Wir brauchen die Bereitschaft zu einer anderen Art zu lehren, weg vom Frontalunterricht, die Stundenpläne etwas auflösen und den Kindern allein und auch in Gruppen zutrauen, sich an Aufgaben heranzuarbeiten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das in zehn Jahren haben werden, aber in zwei Jahren schon die Infrastruktur dazu brauchen, damit man sich langsam vorarbeiten kann. Dafür brauchen wir natürlich auch die Lehrer, und die Bezirksregierung, die diese Lehrer ausbildet.

Wir haben ja bereits beschlossen, eine Grundausstattung zu machen, damit Kinder, die keinen Computer zu Hause haben, einen iPad mitbekommen. Dazu müssen sie aber in der Schule entsprechend gefördert werden, damit sie das zu Hause nutzen können. Der nächste Schritt wird dann sein, dass wir die Geräte für alle Kinder anschaffen werden. Es werden dann Leihverträge gemacht, wie man sie auch von anderen Schulen kennt.

Dülfer: Ich glaube nicht, dass wir in den Schulen demnächst noch Frontalunterricht haben werden, sondern Lernräume. Die Schüler werden selbstständig arbeiten, und dafür brauche ich die Infrastruktur. Kinder brauchen aber auf jeden Fall den Kontakt zu anderen und sollten nicht zu Hause allein im Homeschooling arbeiten. Kindergärtnerinnen und Lehrer sagen immer wieder, dass Kinder sonst den sozialen Kontakt verlieren. Wir müssen schauen, gerade auch wenn jetzt die Grundschule in Lichtenau renoviert oder neu gebaut wird, dass wir nicht diese typische Klassenstruktur bauen, sondern Lernräume anbieten und wesentlich flexibler sind. Man muss dazu den richtigen Planer finden, der dieses Konzept auch umsetzen kann.

Was haben Sie sich vorgenommen, um die kleinen und mittelständischen Firmen vor Ort zu unterstützen?

Dülfer: Die Stadt Lichtenau ist bei öffentlichen Ausschreibungen an das Vergaberecht gebunden. Das heißt, es ist nicht einfach so möglich, an ein Unternehmen aus Lichtenau Aufträge zu vergeben. Was wir machen können, ist die Unternehmen darauf hinzuweisen, wenn wir öffentliche Ausschreibungen laufen haben, und sie auffordern, sich zu beteiligen. Es gibt bei entsprechenden Wertgrenzen auch die Möglichkeit, beschränkte Ausschreibungen zu machen, so dass man eventuell die Möglichkeit hat, nur Lichtenauer Firmen aufzufordern.

Wichtig ist für Firmen, dass die Breitbandverbindung immer funktioniert, da darf es keine Störungen geben. Ich muss eine gute Erreichbarkeit für die Firmen für Kunden und Mitarbeiter haben. Baugrundstücke müssen da sein. Und vielleicht kann man in Zukunft auch mal über die Gewerbesteuer nachdenken, die in Lichtenau schon sehr hoch ist. Aber das muss man gemeinsam mit der Politik machen.

Eich: Ich sehe auch die Möglichkeit, Ausschreibungen so aufzuteilen, dass auch Lichtenauer Unternehmen mit einer beschränkten Ausschreibung mitmachen können. Unsere örtlichen Unternehmer sind auch diejenigen, die vor Ort die Gewerbesteuer bezahlen. Ich muss auch zusehen, dass diese Unternehmen Vertrauen in die Stadt haben können. Die kann den Günstigsten oder den Wirtschaftlichsten beauftragen. Wenn der Günstigste irgendwoher von auswärts kommt, kann der heimische Unternehmer, der sich vor Ort auskennt, durchaus der Wirtschaftlichste sein, den ich dann auch nehmen darf.

Ziel ist, im Gewerbegebiet Leihbühl weitere 85.000 Quadratmeter auszuweisen und dann auch Unternehmen anzusiedeln, die Gewerbesteuer einbringen und auch Mitarbeiter haben. Wir verkaufen den Quadratmeter zurzeit für 24 oder 25 Euro an die Unternehmer, das ist knallharte Wirtschaftsförderung. Und die Preise, die wir dafür zahlen, liegen weit darüber. Da müssen wir gucken, dass wir ein Konzept dahinter haben, welche Unternehmen angesiedelt werden und ob die uns das mit der Gewerbesteuer wieder einbringen. So ein Konzept haben wir im Moment nicht.

Stichwort Klimacampus: Wie sehen Sie das zurzeit größte Bauprojekt in Lichtenau?

Eich: Die Kosten laufen. Das ist schon enorm, wo wir jetzt liegen und wo die Planung mal war. Wir haben vor drei, vier Jahren gesagt, wir müssen die Realschule sanieren. Wir haben dann im Haushalt bei 5 Millionen Euro gelegen. Als wir dann den Klimacampus gefördert bekommen haben, war das mit 7,8 Millionen Euro Förderung natürlich gut. Als es beim nächsten Mal im Haushalt war, sind wir aber bei 15 Millionen gewesen. Und ich rechne damit, dass wir irgendwann bei 22 Millionen sind.

Das wird die Stadt über Jahre belasten. In der Fraktion ist sehr stark diskutiert worden, ob wir das machen sollen oder nicht. Wir haben uns dann in einer Last-Minute-Fraktionssitzung geeinigt, dass wir das machen müssen.

Dülfer: Ich finde es gut, dass man sich dazu durchgerungen hat, das zu machen. Die Realschule hätte sowieso saniert werden müssen. Ich glaube, dass man jetzt genau das Richtige gemacht hat mit den Fördermitteln. Man hätte vielleicht, wenn man die Schule nicht über dieses Förderprogramm hätte sanieren müssen, einige Maßnahmen rauslassen können, so dass die Sanierung eventuell etwas günstiger hätte werden können. Aber ich glaube, so haben wir dann eine Schule, die die nächsten Jahre sehr gut funktioniert und die garantiert auch einige Eltern dazu bewegen wird, ihr Kind in dieser Schule anzumelden. Von daher ist das für mich genau das Richtige, was man dort gemacht hat.

Viele Lichtenauer sind genervt von der Kreuzung in der Kernstadt, wo sich zu den Hauptverkehrszeiten oder bei Sperrung der Autobahn lange Staus bilden. Haben Sie Ideen, was man dort tun könnte, um die Situation zu verbessern?

Eich: Wir haben ein Verkehrskonzept für die Innenstadt von Planern erarbeiten lassen. Dabei ging es nicht nur ums Parken, sondern auch um die Kreuzung Driburger Straße/Husener Straße/B68. Wir haben einen Verkehrsversuch beschlossen, auf den wir nun schon eine ganze Weile warten. Ein Planungsbüro aus Bochum hat eine Ampellösung vorgeschlagen, die mit Schleifen im Boden arbeitet, damit der Verkehr flüssiger wird. Wir haben aber gesagt, um der Sache auch wirklich zu trauen, dass wir eine Probephase von einem Vierteljahr machen möchten. Die würde 25.000 Euro kosten. Der Landesbetrieb Straßen NRW ist aber nicht dazu bereit, eine solche Probephase zu machen, und geht davon aus, dass die Berechnungen der Planer schon passen. Es gibt einen einstimmigen Beschluss, diese Probephase aus der Stadtkasse zu bezahlen.

Eine Einbahnstraßenlösung, bei der der Verkehr in der einen Richtung über die Mühlenstraße läuft, wird es nicht geben. Wir würden damit eine Bundesstraße spalten, das geht gar nicht. Selbst wenn man das wollte, wäre das ein Prozess von zig Jahren. Wir müssten dann auch durch Wohngebiete, das würde keine Behörde mitmachen.

Dülfer: Ich finde es gut, dass die Probephase gemacht wird. Irgendwann war auch einmal ein Kreisverkehr dort ein Thema. Aber das ist schwierig. Ich denke, die Ampelphase ist das Richtige. Die Probephase ist sinnvoll. Wenn sich die Lösung bewährt, wird sie umgesetzt.

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