Das Hangmoor in Kleinenberg soll Erhalt der Artenvielfalt sichern
Neues Biotop im Eggegebirge

Kleinenberg (WB). Während im Forstrevier Kleinenberg der Fichtenholzbestand leidet, helfen 18 Freiwillige vom Verein Bergwaldprojekt ein Hangmoor anzulegen, um ein neues Biotop zu erschließen.

Freitag, 04.09.2020, 10:19 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 10:22 Uhr
Die Kooperationspartner begutachten einen noch nicht fertiggebauten Staudamm (von links): Revierförster Oliver Sielhorst, Biologe Christian Finke sowie Moorexperte und Leiter des Bergwaldprojektes Lutz Rohland. Foto: Kai Verleger

Dem Forstrevier im Eggegebirge in Kleinenberg geht es schlecht: Wassermangel und damit einhergehende Trockenheit sorgen dafür, dass der Fichtenbestand in den vergangenen zwei Jahren drastisch zurückgegangen ist. Von ihrem einst 40-prozentigen Anteil ist nur noch ein Drittel vorhanden.

Abgesehen vom Klima macht sich auch noch ein alter Bekannter am Nadelholzbestand zu schaffen: Die Zahl an Borkenkäfern ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, so dass Bäume als auch Förster machtlos geworden sind. „Es gab immer mal Katastrophen, aber so wie jetzt noch nie“, sagt Revierförster Oliver Sielhorst. Eine dramatische Entwicklung. „Aus wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Dimension ist das verheerend“, sagt Jan Preller vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Er betont, dass es sich bei den Wetterveränderungen der vergangenen Jahre nicht um zeitlich begrenzte Phasen, sondern um den Klimawandel handele.

18 Freiwillige vom Bergwaldprojekt packen mit an

Trotz dieser negativen Nachrichten gibt es aber auch Hoffnung: In der sterbenden Fichtenlandschaft entsteht zukünftig ein kleines Biotop mit einer Größe von zwei bis drei Hektar – das Hangmoor. Im Zuge einer Projektwoche, die am kommenden Samstag endet, helfen 18 Freiwillige unter der Leitung von Lutz Rohland vom Verein Bergwaldprojekt bei der Renaturierung des Eggemoores. Die Freiwilligen sind aus ganz Deutschland angereist. Es handelt sich um eine bunt gemischte Truppe, die unter der Woche im Naturfreundehaus in der Schnat in Horn-Bad Meinberg – aufgrund von Corona teils in Zelten – untergebracht worden ist. Alter und sozialer Status sind unerheblich; alle helfen mit. Unter ihnen befindet sich auch Martin aus Berlin: Der 32-jährige Tischler ist bereits zum zweiten Mal für den Verein im Einsatz. Er sehe im Arbeiten in der freien Natur mit Ökosystemen eine Abwechslung zum Alltag. In Zeiten des Klimawandels sei es spannend und wichtig, sich mit dem Ökosystem auseinanderzusetzen.

Ein seltener Schatz: Nässe und zunehmende Sonneneinstrahlung begünstigen das Wachstum des Rundblättrigen Sonnentaus.

Ein seltener Schatz: Nässe und zunehmende Sonneneinstrahlung begünstigen das Wachstum des Rundblättrigen Sonnentaus. Foto: Kai Verleger

Das Hangmoor liegt in einer kleinen Senke. Vom Hang verlaufen mehrere Gräben in Richtung Moor, durch die Wasser fließt. Mit Hilfe der sechs von den Freiwilligen gebauten Staudämmen aus Spundwänden wird das Wasser im Kernbereich des Moores gestaut. Die Spundwände werden mit einem Hammer in die Gräben geschlagen und halten theoretisch ewig, da sie unter Wasser keinen Kontakt zur Luft haben und deshalb nicht verrotten können.

Hangmoor soll Erhalt der Artenvielfalt sichern

Das neue Biotop kann das Waldsterben aber nicht aufhalten. Die Fichten in dessen Nähe sind zwar grün, aber der Borkenkäfer hat sie so stark beschädigt, dass sie in nächster Zeit sterben werden.

Der Biologe und Berater des Bergwaldprojektes Christian Finke erklärt, dass das Fichtensterben auch eine Chance für das neue Biotop sei. „Der Zeitpunkt ist ideal“, sagt er. Durch das Fichtensterben werde sich die Grundwasserspende in den kommenden Jahren weiter erhöhen, weil die abgestorbenen Bäume kein Wasser mehr benötigen. Die Renaturierungsstrategie begünstigt zudem das Wachstum eines botanischen Schatzes: das Rundblättrige Sonnentau – eine fleischfressende Pflanze –, die insbesondere in den vereinzelten Mooren um Paderborn beheimatet ist.

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