Auch in Corona-Zeiten müssen Bienenvölker versorgt werden
„Imker sind systemrelevant“

Marsberg-Essentho (WB). Während Corona die Welt der Menschen durcheinanderwirbelt, schwärmen die Honigbienen auch in diesem Frühjahr aus wie immer. Imker allerdings müssen einiges beachten, weiß Klaus Stute, der als Vorsitzender des Kreisimkervereins im Altkreis Brilon mehr als 250 Imker mit rund 2000 Bienenvölkern vertritt.

Mittwoch, 01.04.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 07:18 Uhr
Klaus Stute ist Vorsitzender der Imker im Altkreis Brilon. Er und seine Kollegen sind zurzeit stark im Einsatz.

Die Imkerei sei ebenso wie die Landwirtschaft systemrelevant, erläutert Stute und ergänzt: „Auch wir Imker müssen dazu beitragen, dass keine Panik geschürt und gleichzeitig das fachlich Sinnvolle beachtet wird, um eine Ausbreitung von Corona zu verlangsamen.“ Als Nutztierhalter sei jeder Imker verpflichtet, sich um die Bienen zu kümmern und sie fachgerecht zu versorgen. Steht ein Imker unter Quarantäne könne innerhalb des Verbandes Hilfe organisiert werden, damit seine Völker trotzdem versorgt werden.

Das Bienenfrühjahr hat längst begonnen

Auch zu Corona-Zeiten, so Stute, könnten sich Imker sonst aber jederzeit wie gewohnt um ihre Bienen kümmern. Durch Meldebescheinigungen bei der Tierseuchenkasse und des Veterinärs sowie durch die Meldepflicht von Bienenvölkern seien die Ordnungsbehörden in der Lage, die Bienenstände nachzuvollziehen.

Trotz der kalten Temperaturen in den vergangenen Tagen sei die Ruhe in den heimischen Bienenstöcken nur scheinbar. Im Inneren, weiß der Essenthoer Imker, habe das „Bienenfrühjahr“ längst begonnen: „Während es draußen gerade noch nachts bitterkalt ist, sind im Inneren des Bienenstocks schon mehr als 20 Grad. In der Bienentraube direkt bei der Königin und ihrer ersten Brut hält das Bienenvolk jetzt konstant eine Temperatur von rund 36 Grad.“

Sie sammeln jetzt Pollen von Hasel und Weiden.

Klaus Stute

An den vorausgegangenen warmen Tagen, die es in diesem Frühjahr ebenfalls schon gegeben habe, seien die Bienen bereits fleißig ausgeflogen. Stute: „Sie sammeln jetzt Pollen von Hasel und Weiden um ihre erste Brut zu versorgen.“

Aufgabe der Imker sei es in diesen Tagen, alle Bienenvölker auf Futtervorrat zu überprüfen. Denn bei manchen Völkern müsse mit Zuckerlösung nachgefüttert werden bis zur Kirschblüte. Ab dann fänden die Bienen wieder ausreichend Nahrung um sich selbst und ihre Brut zu ernähren. Und dann werde auch erster Nektar für die Honigerzeugung in den Waben gelagert.

Stute fordert mehr Unterstützung für die Bauern

Dass das öffentliche Leben zurzeit weitgehend zum Stillstand gekommen ist, bedeute für die Imker zwar, wie für alle, eine Belastung, aber auch ein Chance. „Gerade in diesen Zeiten interessieren sich die Menschen für gesündere Ernährung“, meint Klaus Stute und fordert: „Es muss mehr Unterstützung für die Bauern bei der Umstellung auf gesunde, kleinbäuerliche Landwirtschaft, die zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, geben.“ Den Imkern wäre geholfen, wenn Pestizide als Ackergifte deutlich reduziert würden. Eine flächendeckende Bestäubung sei nur durch die flächendeckende Verbreitung von gesunden vitalen Bienenvölkern gesichert.

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