Millionenschaden im Bürgerwindpark Lichtenau – Ursache wohl Montagefehler Windräder: Risse im Beton

Lichtenau (WB). An den Türmen von sieben der elf Windräder im Lichte­nauer Bürgerwindpark sind Risse entdeckt worden. Bei drei Anlagen sind die Schäden so groß, dass sie ab- und neu aufgebaut werden müssen. Die vier anderen Windräder werden bereits saniert. Der Schaden geht in die Millionen. Eine Gefahr für Menschen oder die Umwelt besteht nach Angaben des Kreises als Baugenehmigungsbehörde nicht.

Von Matthias Band
Die Schadflächen sind bereits freigelegt worden. Damit keine ­Betonteile herabfallen können, sind sie zum Teil mit einer Folie abgedichtet worden. Eine Gefahr für Menschen oder die Umwelt soll laut Kreis Paderborn nicht bestehen.
Die Schadflächen sind bereits freigelegt worden. Damit keine ­Betonteile herabfallen können, sind sie zum Teil mit einer Folie abgedichtet worden. Eine Gefahr für Menschen oder die Umwelt soll laut Kreis Paderborn nicht bestehen. Foto: Bernhard Liedmann

Die Schäden sind nach Angaben des Kreises bereits im März 2018 festgestellt worden. Daraufhin seien alle Anlagen kontrolliert worden. »Die betroffenen Wind­räder wurden stillgelegt und ein Gutachten angefordert«, erklärt Kreissprecherin Michaela Pitz. Das habe ergeben, dass die Statik der Windräder nicht von den ­Rissen beeinflusst sei.

Offenbar zu viel Dichtmasse auf die Trennfugen der Segmente aufgebracht

Das Unternehmen Enercon mit Hauptsitz in Aurich, das mit dem Bau der Anlagen beauftragt worden war, gibt als Ursache für die Risse an, dass »offenbar zu viel Dichtmasse auf die Trennfugen der Segmente aufgebracht beziehungsweise nach dem Auftrag der Masse zu lange mit dem Setzen der Segmente gewartet wurde«, heißt es in einer Stellungnahme des größten deutschen Herstellers von Windkraftanlagen, der in Lichtenau ein Trainingscenter betreibt. Dadurch habe sich die Dichtmasse ungleichmäßig verteilt und war beim Aufsetzen des nächsten Segments bereits ausgehärtet. Beim Verspannen der Segmente habe dies zur Bildung der Risse geführt. Der Turmbau der betroffenen Anlagen sei damals von einem Dienstleister durchgeführt worden.

Nach Angaben von Enercon sind insgesamt sieben Anlagen betroffen. An vier der sieben Anlagen sei eine Betonsanierung möglich, ohne den sogenannten Turm auszutauschen. Die Instandsetzung soll mit Spritzbeton und gegebenenfalls mit einer zusätzlichen Bewehrung erfolgen. Bei den drei Anlagen mit tieferen Rissen habe sich Enercon dazu entschlossen, die »Anlagen kontrolliert zu demontieren und durch Türme mit neu produzierten Betonsegmenten« zu ersetzen. Die Arbeiten sollen im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Laut Kreis haben die Anlagen eine Narbenhöhe von 135 beziehungsweise 149 Metern und einen Rotordurchmesser von 101 Metern.

Enercon soll Kosten im Rahmen Gewährleistung übernehmen

Nach Angaben der Lichtenauer Bürgerwind, in der etwa 200 Gesellschafter organisiert sind, wurden die Anlagen Ende 2015, Anfang 2016 in Betrieb genommen. Die Kosten für die Sanierung beziehungsweise den Neubau der Windräder würden im Rahmen der Gewährleistung von Enercon übernommen, sagte Bürgerwind-Mitgeschäftsführer Andreas Dreier dieser Zeitung. Auch der Schaden, der durch den Ausfall der Windräder entstehe, werde von Enercon übernommen.

Nach einem Bericht des NDR sollen auch im Emsland und im Münsterland Risse bei mehreren Enercon-Anlagen festgestellt worden sein. Im Kreis Paderborn stehen aktuell 518 Windkraftanlagen. Davon sollen 28 Windräder zurückgebaut werden, 40 neue Anlagen sind laut Kreis bereits genehmigt worden.

Mehrere Havarien von Windkraftanlagen im Kreis Paderborn

Im Kreis Paderborn hat es in den vergangenen Jahren mehrere Havarien von Windkraftanlagen gegeben. Im Januar 2016 stürzte das 100 Tonnen schwere Maschinenhaus samt Rotorblättern einer Enercon-Anlage an der B64 zwischen Neuenbeken und Buke zu Boden. Im Mai 2016 sind vermutlich nach einem Blitzschlag zwei Flügel eines Windrads an der B68 bei Dörenhagen geborsten. Offenbar aufgrund eines Montage­fehlers war im März vergangenen Jahres ein Windrad bei Etteln auseinander geflogen. Zwei Rotorblätter wurden zerfetzt, die Kunststoffsplitter lagen weit verstreut auf den Feldern.

Kommentare

Einseitig

Natürlich gibt es Unfälle und Schäden an Windenergieanlagen, die nichts anderes sind als bis zu 250m hohe Kraftwerke und die dabei enorm hohe / enorm viele Lastwechsel über mindestens 20 Jahre Lebenszeit aushalten. Schade, dass der Artikel nicht auch die knapp 30.000 schadfreien Windräder Deutschlands erwähnt, die niemals in ihrem Leben einen solchen Schaden erleiden/erlitten. Und da sind die Windräder auf offener See noch nicht mit einbezogen.

Ich gebe meinem Vorredner Recht: für diesen Schaden muss der Steuerzahler nicht aufkommen. Dafür bezahlt der brave Bürger dann halt zum Beispiel die Beseitigung strahlenden Abfalls aus Atomkraftwerken sowie die Stromkosten u.a. der Automobil- und Stahlindustrie, oder die Abwasserkosten des Kohletagebaus usw. Nur leider tauchen die letztgenannten Posten auf keiner Rechnung auf (z.B. Stromrechnung). Würden alle beteiligten Kosten einbezogen, zeigte sich schnell, dass Windenergie zu den billigsten Möglichkeiten zählt, elektrische Energie zu erzeugen.

Ja, die Windenergie hat zwischenzeitlich eine große Lobby entwickelt und eine gewisse Marktmacht. Dafür bietet sie neben deutlich saubererem Strom als aus konventionellen Kraftwerken aber auch jede Menge Arbeitsplätze.

Dass Windenergie in solchen Artikel wie diesem hier häufig sehr einseitig beleuchtet wird, zählt für mich nicht zu einer objektiven Berichterstattung.

Unglaublich

Endlich mal etwas wofür der Steuerzahler nicht bezahlen muss.

2 Kommentare

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