Experten entlarven in Lichtenau unterhaltsam Verschwörungstheorien
»Immer skeptisch bleiben!«

Lichtenau (WB). »Ihr seid viel klüger als die Reichsbürger«, lobte Giulia Silberberger die Kinder, die die Frage beim »Fake Quiz« richtig beantwortet hatten. Sie wollte wissen, ob die sogenannten Reichsbürger mit der Behauptung recht haben, dass Deutschland noch keinen Friedensvertrag mit den Siegermächten abgeschlossen habe und sich deshalb noch im Zweiten Weltkrieg befinde.

Dienstag, 02.07.2019, 19:00 Uhr
Tobias Geissler, Hans Pfeufer, Giulia Silberberger und Rüdiger Reinhardt (von links) bilden die Gruppe »Der goldene Aluhut« in Berlin. Foto: Dietmar Kemper

Natürlich ist das Quatsch: Der im September 1990 in Moskau unterzeichnete Zwei-plus-Vier-Vertrag (»Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland«), abgeschlossen zwischen der Bundesrepublik, der DDR, Frankreich, Großbritannien, den USA und der Sowjetunion, zog einen Strich unter die Kriegs- und Nachkriegszeit, verschaffte Deutschland die volle innere und äußere Souveränität und ebnete den Weg zur Wiedervereinigung.

»Geheimakte Verschwörung« geöffnet

Giulia Silberberger, Tobias Geissler, Hans Pfeufer und Rüdiger Reinhardt haben sich in der Berliner Organisation »Der goldene Aluhut« zusammengefunden, um Verschwörungstheorien zu widerlegen. Das machen sie auf eine Art und Weise, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Im Kloster Dalheim öffneten sie am Samstag die »Geheimakte Verschwörung« – an dem Ort, wo gerade erfolgreich die Ausstellung »Verschwörungstheorien – früher und heute« läuft.

»Wir klären auf, beraten Angehörige von Opfern von Verschwörungstheorien, briefen Lehrer«, erläuterte Silberberger. Die gemeinnützige Organisation, die sich aus Spenden finanziert, kämpfe gegen das »Geschwurbel«. Zu solchen Hirngespinsten gehören Theorien, wonach wir in einer Matrix leben, fiese Politiker sich in Echsenmenschen verwandeln oder das Impfen krank macht.

Manipulierte Studien und Bilder

Impfen könne Autismus auslösen, habe der britische Arzt Andrew Wakefield behauptet und plump eine Studie gefälscht, um das glaubhaft wirken zu lassen, berichtete Silberberger. Inzwischen dürfe er nicht mehr als Arzt praktizieren. Manchmal würden nicht nur Studien, sondern auch Bilder manipuliert, betonte die Frau mit dem aufklärerischen Anspruch und zeigte ein Foto der angeblich größten Anakonda der Welt. Bei genauem Hinsehen hatte die aber den Kopf einer Robbe.

Den Krieg gegen die Emus gab es tatsächlich

Nicht alles, was sich unglaublich anhört, ist automatisch falsch. So erfuhren die Kinder beim »Fake Quiz«, dass die australische Armee 1932 tatsächlich einen Krieg gegen 20.000 Emus geführt hatte. In einer Dürrephase hatten sich die Tiere zusammengeschlossen und waren in Gebiete eingedrungen, auf denen Landwirtschaft betrieben wurde. Und es stimmt auch, dass die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg ernsthaft erwogen, Fledermäuse mit Bomben auszurüsten, sie nach Japan zu bringen und sie dort in Gebäuden explodieren zu lassen.

Einige glauben, dass die Erde flach ist

Apropos USA. »Zwei Prozent der Amerikaner glauben, dass die Erde flach ist«, weiß Hans Pfeufer und er weiß auch: »Alles was dagegen spricht, wird pauschal abgelehnt.« Demnach gebe es nach Meinung der »Flacherdler« die Internationale Weltraumstation ISS im All gar nicht, sondern nur auf der Erde im Filmstudio mit Schauspielern als Astronauten. Während Pfeufer die Kugelgestalt der Erde herleitete und unter anderem darauf verwies, dass Schiffe am Horizont verschwinden, machte sich Tobias Geissler über die Anhänger der Chemtrails-Verschwörungstheorie lustig.

Abkassieren mit Akasha-Säulen

Demnach nutzen »böswillige Mächte« wie die Zionisten oder die USA Flugzeuge dazu, um mittels Kondensstreifen Gift mit dem Ziel zu versprühen, uns zu kontrollieren, dumm zu halten, schwul zu machen oder die Bevölkerung zu dezimieren. Angeblich helfen Akasha-Säulen gegen Chemtrails, weil sie die schädlichen Folgen »harmonisieren« und »das Ätherfeld des Himmels wieder ins Gleichgewicht bringen«, wie ein Anbieter im Internet behauptet, der für ein solches Produkt 4000 Euro haben will.

Angesichts des Hokuspokus rund um kosmische Energien betonte Geissler: »Das Wesen der Esoterik ist, dass man was verkaufen will.« Statt über Chemtrails sollten die Menschen lieber darüber nachdenken, wie sie ihre Flugreisen einschränken können, um die Umwelt zu schonen. »Wer nichts weiß, muss alles glauben«, forderte Rüdiger Reinhardt die Besucher im Neuen Schafstall dazu auf, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen, und Giulia Silberberger rief ihnen zu: »Immer skeptisch bleiben!«

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