In Blankenrode öffnet das erste Hörmuseum mitten im Wald
Schon gehört?!

Lichtenau (WB). Es spukt im Wald bei Blankenrode. Plötzlich dringen Stimmen an des Wanderers Ohr. Es sind Kinderstimmen. Aber sie klingen keineswegs bedrohlich, sondern laden freundlich zu einer Zeitreise ins Jahr 1393 ein. Ein gewagtes Abenteuer angesichts so manch finsterer Geschichte aus dem Mittelalter. Doch keine Angst: Mit Agnes und Konrad – so heißen die beiden Kinder – wird die Reise zu einem spannenden Erlebnis mitten in der Natur. Auf geht’s ins weit und breit erste und einzige Hörmuseum.

Dienstag, 07.05.2019, 14:37 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 14:40 Uhr
Birgit Hübner (links) und Franziska Leyer sind gespannt: Am Sonntag erlebt das Hörmuseum Blankenrode seine Feuertaufe. Startpunkt der Wanderung ist am Wanderparkplatz, etwa 600 Meter nach dem Ortsausgang Blankenrodes Richtung Hardehausen. Foto: Jörn Hannemann

Franziska Leyer und Birgit Hübner sind erwartungsfroh angespannt. Drei Jahre hat es bis zur Verwirklichung der akustischen Zeitreise durchs mittelalterliche Blankenrode gedauert. Am Sonntag kann nun endlich gestartet werden.

Auch zwei Infotafeln gehörem zum neuen Hörmuseum.

Auch zwei Infotafeln gehörem zum neuen Hörmuseum. Foto: Hannemann

»Der Naturpark wird vornehmlich von Leuten um die 60 genutzt. Wir wollten uns verjüngen und haben nach spannenden Orten in der Natur gesucht, die sich zur Wissensvermittlung für die ganze Familie eignen«, berichtet Birgit Hübner, Geschäftsführerin des Naturparks Teutoburger Wald Eggegebirge über die Anfänge dieses einzigartigen Museums, das zum Projekt »Kinder Erlebniswelt Natur« gehört. Weil Kinder nicht gern lange rumstehen und Informationstafeln lesen, wird ihnen die Geschichte der einstigen Stadt Blankenrode nun einfach erzählt. Agnes’ und Konrads Stimmen kommen aus einer unscheinbaren grauen Box, die hoch oben am Baum befestigt ist. Tritt der Wanderer in den Empfangsbereich eines Bewegungsmelders, werden die kurzen Sequenzen in Gang gesetzt. Am Wanderparkplatz begrüßen die 13- und der 15-Jährige die Zeitreisenden und bieten ihnen an, den letzten Tag ihrer mittelalterlichen Heimatstadt Blankenrode gemeinsam zu erleben.

Agnes und Konrad lassen mittelalterliches Leben wieder lebendig werden

Insgesamt etwa 3,4 Kilometer lang ist die Wanderung auf dem A3 durch den Wald zu den Überresten der Stadt, die Ende des 14. Jahrhunderts zerstört wurde. An insgesamt zwölf Hörstationen erzählen Agnes und Konrad, begleitet von Hufgeklapper, Marktschreiern, Kanonenschüssen und Hammerschlägen aus der Schmiede über den Alltag vor mehr als 600 Jahren und lassen dabei Nachbarn, Freunde und Verwandte wieder lebendig werden. »Wir ermöglichen Familien, sich draußen in der Natur zu bewegen und diese ganz neu zu entdecken«, erklärt Birgit Hübner. Denn viele Wanderer seien rund um die Wüstung unterwegs, ohne die geschichtsträchtigen Tore und Wälle wirklich wahrzunehmen.

Die Projektleitung hatte Franziska Leyer. Ihr Job ist mit der Eröffnung des Hörmuseums zwar beendet, aber sie darf stolz auf das Erreichte sein. »Es gibt derzeit nichts Vergleichbares«, verweist sie auf die Pionierarbeit. Auch viele Widerstände galt es zu überwinden. Weil der vorhandene Wanderweg nun aufgewertet wurde, musste der Verkehrssicherungspflicht genüge getan werden. »So stand die Befürchtung im Raum, dass viele Bäume gefällt werden müssen, was keiner wollte«, blickt Franziska Leyer zurück. Daher seien brüchige Äste per teurer Seilklettertechnik aus den Bäumen am Wegesrand geschnitten werden, so dass sie niemanden gefährden können. Tatsächlich gefällt werden mussten nur zwei Bäume. Auch ein Vogelschutzgutachten sowie umfangreiche wissenschaftliche Recherchen waren notwendig.

Nachts haben die Tiere im Wald ihre Ruhe

Viele Überlegungen seien in die Textsequenzen geflossen, die alle wichtigen Fakten rund um die Wüstung beinhalten, aber nicht zu lang sein sollten. »Wir haben lange über dem Text gebrütet und an der Sprache gefeilt, auf einige Fachwörter konnten wir dennoch nicht verzichten«, so Birgit Hübner. Entstanden ist eine Art Audioguide mit typischen Geräuschen und Text.

Besonderen Ansprüchen muss die Technik genügen, denn schließlich ist sie Wind und Wetter ausgesetzt. »Die Geräte haben zudem einen Dämmerungssensor, damit die Tiere nachts ihre Ruhe haben«, erklärt Franziska Leyer. Weil Eingriffe in das Bodendenkmal vermieden werden mussten, hängen die Hörstationen in den Bäumen. Solarpanels sorgen für die Stromversorgung. Der Bewegungsmelder darf zudem nicht zu empfindlich reagieren, weil sonst jedes Blatt im Wind Agnes und Konrad losplappern lässt. Am Sonntag sollten sie jedoch ordentlich ihre Stimmen ölen. Denn das Team des Naturparks freut sich auf viele gespitzte Ohren im alten Blankenrode.

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