Kloster Dalheim bietet Aktionstag zum Thema Schweigen an
Psst!

Lichtenau (WB/han). Süßigkeiten, Alkohol oder Fernsehen: Das sind wohl die Klassiker des Verzichts in der Fastenzeit. Das Klostermuseum Dalheim macht einen anderen Vorschlag: Warum nicht einfach mal auf überflüssiges Lärmen und Quasseln verzichten und sich im Schweigen üben?

Donnerstag, 07.03.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 17:04 Uhr
Im Kreuzgang des Klosters ist Schweigen oberstes Gebot. Das galt zu Zeiten der Ordensleute – und das gilt auch am Sonntag beim »Tag des Schweigens«. Das Programm haben gestern Dr. Ingo Grabowski und Dr. Christiane Wabinski vorgestellt. Foto: Hanne Hagelgans

Damit sind schließlich die Mönche und Nonnen jahrhundertelang gut gefahren – auch im Kloster Dalheim. Dort findet am kommenden Sonntag, 10. März, erstmals ein »Tag des Schweigens« statt.

Wer dann die Klausur des ehemaligen Klosters betritt, macht es wie die Ordensleute früherer Tage: Kein Wort kommt über seine Lippen. Zwölf Mitmach-Stationen, an denen Disziplin und Geduld genauso gefragt sind wie Kreativität und Phantasie, laden in der Zeit von 10 bis 18 Uhr dazu ein, das Schweigen selbst auszuprobieren und die Kraft der Stille zu erleben.

»Kommunikation ist heute allgegenwärtig«, sagt Dr. Ingo Grabowsky, Leiter des LWL-Museums, »wir chatten, posten und kommentieren. Momente, in denen es vollkommen ruhig ist, sind selten.« Der Aktionstag im Klostermuseum biete dazu einen zeitlich begrenzten Gegenentwurf an und bereite eine klösterliche Tradition für die Gegenwart auf. Grabowsky: »Schließlich wollen wir nicht nur die Asche hüten, sondern die Flamme weitertragen.«

»Wenn die Glocke in der Klosterpforte ertönt und die Besucher die Klausur betreten, beginnt der Schweige-Selbstversuch«, erläutert Museumspädagogin Dr. Christiane Wabinski. Kleine Buttons zum Anstecken sollen die Teilnehmer an das Schweige-Gebot erinnern.

Zwölf Mitmach-Stationen und Ruhepunkte hat das Team der Stiftung Kloster Dalheim vorbereitet. So können die Besucher beispielsweise anhand von unterschiedlich großen Sanduhren erleben, wie lang eine Minute, fünf Minuten oder eine Viertelstunde Schweigen sich anfühlen. Ebenfalls im Kreuzgang lädt eine Stellwand zum Nachdenken ein. Wer mag, notiert auf Postkarten, die anschließend öffentlich aufgehängt werden, worauf er in der Fastenzeit verzichten möchte – und worauf er (Fastenzeit hin oder her) niemals verzichten will oder kann.

In der Klosterkirche ist eine Kreativ-Station aufgebaut: Auf weißen Leinwänden dürfen die Besucher mit Pinsel und Farbe ihre Ideen rund um Schweigen und Stille Gestalt annehmen lassen. Das klassische Fasten, bei dem ganz aufs Essen oder auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird, ist das Thema im Refektorium, dem Speisesaal. Dort nahmen die Ordensleute ihre Mahlzeiten in Stille ein. Damit niemand das Schweigen bei Tisch stören musste, wurden bestimmte Handzeichen vereinbart, etwa um Brot oder Salz zu bitten.

Wie sich das anfühlt, können die Gäste am kommenden Sonntag auch im Klosterwirtshaus erleben. Unter dem Motto »Schweigend schmeckt´s besser« serviert Familie Brand im Schonlau-Saal frische, regionale Gerichte mit der Möglichkeit, schweigend zu bestellen und zu genießen. Andererseits ist aber auch für Dampfplauderer und Quasselstrippen gesorgt: Wie schon im Mittelalter finden die Besucher mitten in der Klausur mit dem Parlatorium einen Raum, in dem gesprochen werden darf.

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