Hövelhofer Arzt Dr. Georg Schneider kritisiert im Interview zentrale Corona-Strategie
„Impfungen in den Praxen ermöglichen“

Hövelhof -

Kreisweite Impfzentren in der Corona-Pandemie können nach Ansicht des Hövelhofer Arztes Dr. Georg Schneider nicht die alleinige Lösung sein. Der Berater des Krisenstabes der Sennegemeinde wünscht sich, dass auch in Arztpraxen und bei Hausbesuchen geimpft werden kann.

Dienstag, 26.01.2021, 04:50 Uhr aktualisiert: 26.01.2021, 08:22 Uhr
In diesem Gebäude an der Paderborner Straße sind die Notarztwache und die Praxis von Dr. Georg Schneider untergebracht. Foto: Besim Mazhiqi

Die Corona-Impfungen in Altenheimen gehen voran , in Kliniken und Impfzentren hakt es, weil der Impfstoff derzeit noch nicht in ausreichenden Mengen geliefert werden kann. Der Hövelhofer Mediziner Dr. Georg Schneider ist von Impfzentren nicht überzeugt und fordert die Möglichkeit zur Impfung in Hausarztpraxen. Warum, erzählt er im Interview mit WB-Redakteurin Meike Oblau.

Dr. Georg Schneider.

Dr. Georg Schneider.

Das Impfzentrum des Kreises in der Sälzerhalle steht in den Startlöchern. Sie als Arzt sind gar nicht so ein Fan dieser Strategie. Warum nicht?

Dr. Georg Schneider: Zum einen ist Impfen Vertrauenssache. In Impfzen­tren wird sicherlich gut und gewissenhaft beraten, aber die Patienten sitzen dort Personal gegenüber, das sie nicht kennen. Noch viel kritischer sehe ich aber die Anreise. In dem Brief, den viele Hochbetagte jetzt bekommen haben, werden öffentliche Verkehrsmittel empfohlen. Da stellen sich mir ehrlich gesagt die Nackenhaare auf, das passt nicht dazu, dass wir seit Monaten dazu aufrufen, Kontakte zu reduzieren. Abgesehen davon befürchte ich, dass das viel zu lange dauert, wenn ausschließlich in den Impfzentren geimpft wird. Wir müssen Gas geben, sobald genug Impfstoff da ist, auch vor dem Hintergrund der Virenmutation.

Was wäre also Ihr Alternativvorschlag?

Schneider: In Nordwestmecklenburg gibt es eine interessante Strategie, über die wir auch im Kreis Paderborn reden sollten. Ein Drittel des Impfstoffes geht an niedergelassene Ärzte. Die Idee der Impfzentren ist entstanden, weil man zunächst davon ausging, dass der Impfstoff nicht gut zu transportieren ist und bei minus 70 Grad gekühlt werden muss. Das ist längst überholt, es reicht ein normaler Kühlschrank, da hält der Impfstoff bis zu sieben Tage. Wir haben viele hochbetagte Menschen, die zu Hause leben. Die könnten wir bei Hausbesuchen impfen und sie könnten sich den Weg ins Impfzentrum sparen. Wir können unseren Patienten auch schwer vermitteln, warum unser Personal zwar in den Altenheimen impft, aber keine Impfungen in unserer Praxis angeboten werden können. Auch in den Kliniken muss schneller durchgeimpft werden, vom medizinischen Personal bis zur Hauswirtschaft, und zwar ohne Priorisierung. Gleiches gilt auch für Dialyseeinrichtungen.

Seit Beginn der Pandemie stehen Sie regelmäßig mit Bürgermeister Michael Berens vor der Kamera. Warum?

Schneider: Um in einer Sprache über das Virus und die Maßnahmen aufzuklären, die die Menschen verstehen. Wir müssen es den Leuten quasi übersetzen, das erhöht dann auch die Akzeptanz. Es ist ein niederschwelliges Informationsangebot, auch, um immer wieder in Erinnerung zu rufen, diese Pandemie ist noch nicht vorbei, sie ist nach wie vor gefährlich.

Wagen Sie eine Prognose, wie lange wir noch mit Einschränkungen leben müssen?

Schneider: Wenn wir bei der Produktion und Zulassung von Impfstoffen schneller werden und viele bereit sind, sich impfen zu lassen, hoffe ich, dass jeder, der es möchte, bis Ende August die beiden Impfungen bekommen hat.

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