Hövelhoferin Britta Düsterhus schreibt darüber, wie sie ihr komplettes Leben umgekrempelt hat
„Wie eine Statistin im falschen Film“

Hövelhof -

Nach außen: eine tolle Ehe, eine schöne Wohnung, beruflich erfolgreich als Wirtschaftsingenieurin. Britta Düsterhus hat innerhalb weniger Monate alles hingeschmissen. Auf einer Pilgerreise hat sie sich neu sortiert – und darüber jetzt ein Buch geschrieben. „Aufbruch ohne Pfefferspray“ heißt es.

Dienstag, 05.01.2021, 05:17 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 05:20 Uhr
Britta Düsterhus hat ganz von vorne angefangen: Sie hat ihren Job und ihre Wohnung gekündigt, sich scheiden lassen und ist auf Pilgerreise gegangen. Davon berichtet die Hövelhoferin in ihrem Buch „Aufbruch ohne Pfefferspray“. Foto: Schwabe

„„Ich war nur noch Statistin in meinem eigenen Leben, und noch dazu im falschen Film“, sagt die Hövelhoferin heute rückblickend. „Den größten Mut hat mich die Trennung gekostet. Aber dadurch wurde bei mir so viel Energie freigesetzt, dass eine Lawine ins Rollen kam“, schildert die 39-Jährige. Sie kündigt Job und Wohnung, verkauft und verschenkt viele ihrer Sachen und packt einen Rucksack. „Ich wusste gar nicht so genau, was ich machen werde“, sagt Düsterhus, „ich wusste nur: Nicht mehr so weiter wie bisher. Ich habe mich selbst in meinem Leben nicht mehr wiedergefunden.“

Zuerst wollte sie den Frankenweg von Süddeutschland bis Rom, wandern, dann plante sie eine Reise nach England – aber letztlich startete sie in Köln, in Richtung Frankreich. „Einfach die Tür zu meiner alten Welt zumachen und loslaufen“, das war der Plan. Die Reaktionen aus ihrem Umfeld, als sie ihr komplettes Leben umkrempelte, fielen unterschiedlich aus: „Manche haben mich bestärkt, andere haben mich angeguckt wie ein Auto“, erinnert sich die Hövelhoferin. „Und auch ich hatte viele Momente, in denen ich mich gefragt habe: Was machst Du hier eigentlich? Aber dann war da immer wieder eine innere Stimme, die mir sagte: Es ist der richtige Schritt.“

Neue Bekanntschaften lagen im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Weg, der sie zum Beispiel in eine französische Künstlerkolonie führte: „Diese Gemeinschaft und diese Unabhängigkeit dort haben mich sehr inspiriert“, bilanziert die Hövelhoferin. Das war vor knapp fünf Jahren. Den Gedanken, ihre Geschichte in einem Buch zu verarbeiten, trug sie lange in sich. Jetzt ist „Aufbruch ohne Pfefferspray“ fertig.

„Es geht darum, was mir wichtig ist in meinem Leben und wie ich leben will“, schildert Britta Düsterhus. „Es gibt bestimmt Menschen, denen es Spaß macht, sich dem ständigen Wettbewerb oder permanenten Machtspielchen auszusetzen. Mein Ding war das nicht. Aber es hat gedauert, bis ich das gemerkt habe, denn ich war so sehr damit beschäftigt, den Erwartungen und Meinungen anderer zu entsprechen, dass ich dabei vergessen habe, was ich eigentlich selbst will.“

Nach ihrer Rückkehr wohnte sie eine Weile in Köln und hielt sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Inzwischen ist sie nach Hövelhof zurückgezogen und lebt in einer eigenen Wohnung im Haus ihrer Eltern. „Ich habe eine Coaching-Ausbildung gemacht und möchte mit Blick auf meine eigenen Erfahrungen gerne andere Menschen in ihrer jeweiligen Umbruchphase begleiten“, sagt sie. „Ich will ein unabhängiges, kreatives Leben führen, mein eigener Chef sein und meine Ideen verwirklichen. Ich habe gelernt, dass ich dem Leben vertrauen darf.“

Ihre Geschichte jetzt als Buch zu vermarkten, fällt in Zeiten, in denen nahezu jegliches kulturelles Leben brach liegt, nicht ganz leicht. Im Buchhandel und online ist es erhältlich. Bestellungen nimmt die Autorin zudem unter mail@aufbruchohnepfefferspray.de entgegen. Hier können auch Wünsche für persönliche Widmungen geäußert werden.

Und wenn es irgendwann wieder möglich ist, hat Britta Düsterhus einen ganz eigenen Plan, wie sie ihr Buch bekannt machen will: „Mein Traum wäre es, mir einen Bulli für eine Lesereise zu kaufen, damit durch die Gegend zu reisen und bei meinen Stopps Lesungen zu machen.“ Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.brittaduesterhus.de.

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