Gaststätte Möller: Investor wollte „Schloss-Café“ eröffnen – Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt
Hövelhofs Ortsheimatpfleger ist gegen Abriss

Hövelhof -

Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff hat deutlich für den Erhalt des Gebäudes der Gaststätte Zur alten Post (Möller) plädiert. Er unterstütze den Abriss des Anbaus zur Freilegung der Schlossachse, sagte Teget­hoff: „Das Hauptgebäude aber sollte man auf keinen Fall abreißen, sondern erhalten oder sogar die Fassade in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen.“

Freitag, 04.12.2020, 18:57 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 19:00 Uhr
So sah die Gaststätte Zur alten Post, damals unter dem Namen „Gasthof zum Cherusker“, um 1910 aus. Foto: Sammlung Carsten Tegethoff

Wie berichtet hatte die Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, den gesamten Gebäudekomplex abzureißen , um einen freien Blick aufs Jagdschloss zu ermöglichen und den Schlossgarten zu vergrößern. Eine Abstimmung wurde im Oktober verschoben , weil sich in der Bevölkerung Widerstand geregt hatte.

Ursprünglich wollte ein Hövelhofer Unternehmer die Gaststätte kaufen. Die Gemeinde will aber ihr Vorkaufsrecht ausüben , um sich die Planungshoheit an dieser Stelle zu sichern, sodass der Unternehmer dann nicht zum Zuge käme. Am Rande der Bauausschusssitzung sagte dieser im Gespräch mit dem WB, seine Planungen für die Nutzung des Gebäudes seien schon sehr konkret gewesen: „Wir wollten es Schloss-Café nennen, für die Gastronomie hätte ich bereits einen Betreiber gehabt.“ Wie die Gemeinde das Gelände künftig nutzt, ist offen.

Zwei kurzfristig von der SPD eingereichte Anträge wurden im Bauausschuss nicht behandelt. „Derzeit sind die Eigentumsverhältnisse noch nicht abschließend geklärt“, begründete Tobias Steinrücke (CDU), warum seine Fraktion (aber auch FDP und Grüne) es ablehnte, sich mit den SPD-Anträgen zu befassen. Im späteren Verlauf der Sitzung sagte Bürgermeister Michael Berens zudem, der Zustand des Gebäudes sei derzeit nicht bekannt und ein Gutachten müsse ergeben, ob es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt erhaltenswert wäre: „Wenn nicht, müssten wir zusätzliche Geldmittel für eine Sanierung bereitstellen oder uns einen Investor suchen.“

Die SPD hatte wie Carsten Tegethoff den Abriss des alten Schuppens zur Freilegung der Schlossachse beantragt, will das Hauptgebäude aber als Gastronomie-Standort erhalten und weiterentwickeln, möglicherweise sogar als inklusiven oder integrativen Betrieb, ähnlich wie das Hotel Aspethera in Paderborn oder auch das Café am Kirchplatz in Delbrück.

Rund um die alte Gaststätte stehen an der Paderborner Straße ausschließlich Gebäude mit Flachdächern.

Rund um die alte Gaststätte stehen an der Paderborner Straße ausschließlich Gebäude mit Flachdächern. Foto: Carsten Tegethoff

Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff ging auf die Historie der 1892 erbauten Gaststätte ein, erinnerte daran, dass sich dort 50 Jahre die Post und sogar einige Jahre lang eine Zapfsäule zum Tanken befand. In den 1950er Jahren seien bauliche Veränderungen vor allem an den Fenstern vorgenommen worden: Es entstanden größere Schaufenster. Man könne ja überlegen, die alten Fensterfronten wieder herzustellen: „Möglich ist das, man muss es nur wollen.“ Tegethoff verwies auf die bewegte Geschichte des Hauses: „Dort traf man sich nach dem Hochamt, nach politischen Sitzungen, nach dem Fußball, früher waren hier sogar die Duschen und Umkleiden des HSV.“

Aus seiner Sicht präge das Gebäude mit seinem markanten Giebel den Ortskern ungemein: „Vor allem, da rundherum fast nur noch Flachdachbauten stehen.“ Zudem befürchte er, dass ein Abriss dazu führe, dass Besucher des Schlossgartens „mit deutlich mehr Lärm von der Hauptkreuzung konfrontiert“ würden. Er appelliere an die Politik, das Gebäude zu erhalten. Teget­hoff kritisierte außerdem, die gesamte Ortskernumgestaltung sei ohne Beteiligung des Ortsheimatpflegers gelaufen: „Zu verschiedenen Dingen hätte ich gern im Vorfeld eine andere Sichtweise dargestellt.“

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