Dorfgemeinschaft Riege/Hövelriege hoffte vergeblich auf Corona-Hilfen für Brauchtumsvereine
„Für solides Wirtschaften bestraft“

Riege -

Es gibt Nachrichten, die bringen Manfred Wiethoff auf die Palme. Die Info, dass bisher nur wenige Vereine in NRW die Corona-Hilfe des Landes in Anspruch genommen haben, ist so eine Nachricht. „Kein Wunder“, sagt der Kassierer der Dorfgemeinschaft Hövelriege/Riege (DGHR). „Anträge von Vereinen, die vor Corona solide gewirtschaftet haben, werden ja auch abgelehnt.“ Der Dorfgemeinschaft selbst sei das so ergangen.

Mittwoch, 25.11.2020, 05:42 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 05:56 Uhr
Vorsitzender Ferdinand Stöppel (vorne) und Kassierer Manfred Wiethoff präsentieren den Lichtblick des Jahres 2020 für die DGHR: den Kreisheimatpreis. Foto: Meike Oblau

Im Juni hatte das Land NRW das „Soforthilfeprogramm Heimat, Tradition und Brauchtum“ für Vereine, die durch Corona vor finanziellen Schwierigkeiten stehen, vorgestellt. Seit Mitte Juli können gemeinnützige Vereine Anträge auf bis zu 15.000 Euro Sonderhilfe stellen, wenn sie aufgrund der Corona-Krise und dem Verbot von Großveranstaltungen finanziell in Schwierigkeiten geraten sind. Anfang dieser Woche hieß es, von den zur Verfügung stehenden 23 Millionen Euro seien erst 600.000 Euro landesweit ausgezahlt worden.

Auch die Dorfgemeinschaft hatte Hilfen beantragt, vor allem deshalb, weil durch den Wegfall der Führungen durchs Dorfschulmuseum Spendengelder fehlen. „Es heißt zwar immer, das Mittel zur Verfügung stünden, um Vereinen, deren Vereinsleben brach liegt, zu helfen, aber offenbar gilt das nicht für Vereine, die vor Corona ihre Finanzen im Griff hatten“, ärgert sich Manfred Wiethoff.

Für dieses Jahr habe die Dorfgemeinschaft etliche geplante Projekte absagen müssen, bestätigt Vereinsvorsitzender Ferdinand Stöppel, und zwar nicht nur aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen, sondern auch, um das Vereinskonto nicht weiter zu belasten. Die Bezirksregierung habe eine finanzielle Unterstützung für die DGHR aber abgelehnt. „Allein der Wegfall von Einnahmen“ sei nicht ausreichend, um finanzielle Hilfen zu bekommen, schreibt die Bezirksregierung. Die von der Dorfgemeinschaft für dieses Jahr geplanten Ausgaben würden „Aufschub dulden“.

Im Vorstand der DGHR herrscht wenig Verständnis für diese Absage. „Wir werden bestraft für eine solide Finanzlage in den Jahren zuvor und müssen jetzt Projekte, die wir dieses Jahr durchführen wollten, vorerst auf Eis legen“, sagt Manfred Wiethoff. Dazu kommt die Sorge, wie lange die Mitglieder dem Verein noch die Treue halten, wenn gar kein Vereinsleben mehr stattfinden könne.

Die Dorfgemeinschaft hat nicht nur das Lichterfest , den Adventsmarkt sowie die Führungen durch das Dorfschulmuseum und die Furlmühle absagen müssen, auch Einzelprojekte, die sich der Vorstand für 2020 fest vorgenommen hatte, wurden zurückgestellt. Geplante Anschaffungen wie eine Sitzgruppe an der Furlmühle oder Ausgaben für die vorgesehene Digitalisierung des Archivbestandes wurden zunächst ad acta gelegt. Eigentlich wollte die Dorfgemeinschaft auch den Gedenkstein für den ehemaligen Landrat von Laer am Hahnenkrug aufhübschen und mit einer Infotafel versehen. Der Landrat war von 1905 bis 1934 im Amt und hatte sich nach Angaben von Ferdinand Stöppel in Hövelhof vor allem um den Ausbau von Straßen verdient gemacht: „Der Findling steht dort schon sehr lange, aber viele wissen gar nicht, an wen er erinnert.“

Die Dorfgemeinschaft ist stetig gewachsen und hat aktuell 202 Mitglieder. Seit Ferdinand Stöppel den Vorsitz im Jahr 2012 übernommen hat, sind 50 Mitglieder dazu gekommen. Eigentlich hätte im März ein neuer Vorstand gewählt werden sollen, aber auch die Jahreshauptversammlung musste abgesagt werden. „Wir haben in Riege keine Räumlichkeit, in der wir die Versammlung mit den derzeit gebotenen Abständen durchführen könnten“, sagt Stöppel.

Die Absage zahlreicher Veranstaltungen tue der Dorfgemeinschaft weh: „Unser Verein lebt eigentlich vom Gemeinschaftsgefühl, von gemeinsamen Aktionen. Aber derzeit ist nichts davon möglich“, bedauert Stöppel. Einen Ausblick auf 2021 mag derzeit noch niemand wagen. „Uns bleibt nur, abzuwarten“, so der DGHR-Vorsitzende. Immerhin hat das Jahr 2020 aber auch eine gute Nachricht für die rührigen Ehrenamtler bereitgehalten: Die Dorfgemeinschaft wurde mit dem Heimatpreis des Kreises Paderborn ausgezeichnet.

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