Über die Gedenkstätten auf dem Hövelhofer Friedhof ist bisher kaum etwas bekannt
Forschungsobjekt Soldatengräber

Hövelhof -

Eine 39 Kilometer lange Erinnerungstour führt in Hövelhof zu Orten, die in Verbindung zum Ersten und Zweiten Weltkrieg stehen. Im Rahmen der Ausarbeitung dieser Tour ist ein Arbeitskreis auch auf 14 Soldatengräber auf dem Hövelhofer Friedhof aufmerksam geworden.

Montag, 09.11.2020, 03:15 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 03:20 Uhr
Auf dem Hövelhofer Friedhof gibt es 14 Soldatengräber, 13 davon sind mit Namen versehen. Bisher ist nur bekannt, dass drei der Toten in Hövelhof geboren wurden und ein weiterer in Hövelhof gemeldet war. Das hat eine Recherche im örtlichen Kirchenbuch ergeben. Foto: Meike Oblau

Die Geschichte der dort bestatteten Soldaten soll jetzt näher erforscht werden, möglicherweise in einem Schulprojekt.

Auf dem Hövelhofer Friedhof ruhen nicht nur etwa 100 Verstorbene aus dem britischen Internierungslager Staumühle. Auch 14 Soldatengräber sind hier zu finden. Viele Hintergründe zu diesen Gräbern sind aber noch völlig unbekannt. „Drei der hier bestatteten Soldaten sind gebürtige Hövelhofer, ein Vierter war in Hövelhof gemeldet. Das haben Recherchen im Hövelhofer Kirchenbuch ergeben“, sagt Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff. „Wer die anderen Verstorbenen sind und warum sie in Hövelhof bestattet wurden, ist derzeit völlig unklar.“ Die Namen und Geburts- und Sterbedatum sind aber bekannt, so dass die Hoffnung besteht, mehr über diese Gräber herausfinden zu können. Nur eines der 14 Kreuze trägt die Inschrift „unbekannter Soldat“.

Wie schon im Arbeitskreis zur Erinnerungstour sind auch in das neue Projekt neben dem Ortsheimatpfleger wieder Historiker Norbert Ellermann sowie Hermann-Josef Bentler (Paderborner Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge) mit involviert. „So richtig sind wir tatsächlich erst im Rahmen der Arbeiten an der Erinnerungstour auf die Kriegsgräber aufmerksam geworden, mir sind sie vorher nie aufgefallen“, sagt Hermann-Josef Bentler. So soll es sich bei drei Hövelhofern, die auf dem kleinen Gräberfeld bestattet sind um junge Männer gehandelt haben, die beim Einmarsch der Amerikaner von der SS noch sinnloserweise gezwungen wurden, Widerstand zu leisten und dabei ums Leben kamen. „Das müsste man alles mal versuchen aufzuarbeiten“, sagt Bentler. Die Idee sei, ein Schulprojekt daraus zu machen. Historiker Norbert Ellermann habe zugesagt, dieses zu begleiten.

Die Initiatoren des neuen Erinnerungstour haben die Broschüre zum Rundweg an (vorne von links) Bürgermeister Michael Berens und Landrat a.D. Manfred Müller (Vorsitzender des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge) übergeben. An dem Themenweg mitgearbeitet haben (hinten von links) Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff, Historiker Norbert Ellermann, Hermann-Josef Bentler (Volkbund), Thomas Westhof und Helena Kottowski (Stabstelle Marketing der Gemeinde Hövelhof). Die Idee zum Rundweg hatte der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Mario Schäfer (rechts).

Die Initiatoren des neuen Erinnerungstour haben die Broschüre zum Rundweg an (vorne von links) Bürgermeister Michael Berens und Landrat a.D. Manfred Müller (Vorsitzender des Kreisverbandes des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge) übergeben. An dem Themenweg mitgearbeitet haben (hinten von links) Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff, Historiker Norbert Ellermann, Hermann-Josef Bentler (Volkbund), Thomas Westhof und Helena Kottowski (Stabstelle Marketing der Gemeinde Hövelhof). Die Idee zum Rundweg hatte der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Mario Schäfer (rechts). Foto: Meike Oblau

„Hinter jedem Namen steckt ein Schicksal, jemand, der in seiner Familie eine Lücke hinterlassen hat“, sagt Ellermann. Er hofft, zum Beispiel über das Bundesarchiv Näheres erforschen zu können, vielleicht sogar Nachfahren ausfindig machen zu können. „Das wird auf jeden Fall ein größeres Projekt, da gibt es noch viel aufzuarbeiten“, glaubt er.

Die 14 Soldatengräber sind Teil der neuen Hövelhofer Erinnerungstour zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Auf einem 39 Kilometer langen Rundkurs sind hier Orte verbunden, die in Verbindung zu den Kriegen oder Kriegsfolgen stehen, zum Beispiel der Franzosenstein am Hermann-Löns-Platz, die Hövelsenner Kapelle, das Lager Staumühle, die Absturzstellen US-amerikanischer Bomber am Alkenbrink und am Niggenkamp oder die Friedenseiche.

Zur Erinnerungstour ist jetzt auch eine Broschüre erschienen, die in der Tourist-Info im Schlossgarten ausliegt. Die Broschüre wurde unter anderem über einen „Heimatscheck“ des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung mitfinanziert.

Der ehemalige Landrat Manfred Müller (in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisverbandes Paderborn des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge) zeigte sich begeistert von der Hövelhofer Initiative zu einer „Erinnerungstour“: „Das könnte beispielgebend für andere Kommunen sein“, sagte Müller. Hövelhofer Ehrenamtliche seien ohnehin große Aktivposten im Volksbund im Kreis Paderborn. „Eine solche Initiative wie jene zur Erinnerungstour ist Heimatpflege. So werden historische Orte zugänglich gemacht. Diese Orte sprechen zu ihren Besuchern. Sie berichten von schlimmen Zeiten und davon, dass Frieden nichts Selbstverständliches ist.“

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