Erinnerungstour verbindet in Hövelhof Orte mit Bezug zu beiden Weltkriegen
Der Geschichte auf der Spur

Hövelhof (WB). 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges stehen europaweit die großen Erinnerungsorte und die bekannten Mahn- und Gedenkstätten hoch im Kurs bei zeitgeschichtlich Interessierten. Doch auch in der Sennegemeinde haben die beiden Weltkriege konkrete Spuren hinterlassen, und es gibt dort ebenfalls Erinnerungsorte. Bereits im November 2018 regte Mario Schäfer im Namen der SPD-Fraktion an, einen Wanderweg auszuarbeiten, der sich thematisch mit den Weltkriegen und deren Folgen auseinandersetzt.

Montag, 02.11.2020, 05:00 Uhr
Die Arbeitsgruppe der neuen Erinnerungstour stellt an der Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft der Gemeinde Hövelhof im Schlossgarten das besondere Projekt vor (von links): Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff, Historiker Norbert Ellermann, Hermann-Josef Bentler vom Paderborner Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Radtouristikexpertin Helena Kottowski und der Hövelhofer Marketingchef Thomas Westhof. Foto: Verkehrsverein Hövelhof

Seinerzeit war dieser Vorschlag mit dem bereits in der Umsetzung befindlichen neuen Hövelhofer Wanderprojekt „Zukunftsfit Wandern“ vom Teutoburger Wald Tourismus der Ostwestfalen-Lippe GmbH nicht zu vereinbaren. Doch trotz formeller Ablehnung in den gemeindlichen Gremien nahm die Stabsstelle Marketing mit dem Hövelhofer Verkehrsverein wunschgemäß den Ball auf. Gemeinsam mit Historiker Norbert Ellermann, Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff und Hermann-Josef Bentler vom Paderborner Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge machten sich Marketingchef Thomas Westhof und Radtouristikexpertin Helena Kottowski (beide Gemeinde Hövelhof) ans Werk und trugen eine Vielzahl von Ideen zusammen. Nach ersten Zusammenkünften stand schnell fest: „Da steckt Potenzial drin!“, so Thomas Westhof.

„Erinnerungstour ist gelebte Heimatkunde“

„Unser Ziel ist es, interessierten Menschen aufzuzeigen, dass viele Ereignisse der Kriege und deren Folgen die Sennegemeinde bis heute prägen, während andere langsam in Vergessenheit geraten. Die Erinnerungstour ist gelebte Heimatkunde”, ergänzt Carsten Tegethoff.

Monate später stehen mehr als 20 historische und öffentlich zugängliche Orte in der Sennegemeinde fest, die Bezüge zu den Weltkriegen haben. Das Spektrum reicht von den örtlichen Gedenkstätten über die Friedenseiche von 1871 im Gemeindewald, die heute als Zeichen der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich gilt, bis hin zu Orten, an denen alliierte Bomber abstürzten oder junge Männer 1945 bei sinnlosen Angriffen auf US-amerikanische Panzer starben. Auch der „Kalte Krieg“ und die Teilung Deutschlands als Folge des Zweiten Weltkriegs spielen eine Rolle.

Soldatengräber auf dem Gemeindefriedhof

Die Nachforschungen förderten Überraschendes zutage. Während vielen Einwohnern der Sennegemeinde das Gräberfeld des Internierungslagers Staumühle auf dem Hövelhofer Friedhof bekannt ist, wissen nur wenige um die letzte Ruhestätte 14 gefallener Soldaten des 2. Weltkrieges, die auf dem Friedhof in Einzelgräbern bestattet wurden. „Ein geplantes Geschichtsprojekt, auch unter der Beteiligung von Schulen, soll nun Licht ins Dunkel um diese Kriegsopfer bringen“, hat Hermann-Josef Bentler bereits angeregt.

Verbindet man die einzelnen Orte dieser Erinnerungstour, so ergibt sich ein rund 38 Kilometer lange Rundweg, der sich aufgrund der Länge und des Routenverlaufs gut für Fahrradfahrer eignet. „Viele Gedenkstellen liegen am touristischen Radverkehrsnetz NRW. Gerade ein entspanntes Radfahren ermöglicht es, sich in aller Ruhe und notwendigen Nachdenklichkeit mit den Ereignissen und Hintergründen dieser mahnenden Zeiten zu beschäftigen“, empfiehlt Helena Kottowski.

Faltblatt zur Tour erscheint in Kürze

Derzeit ist ein informatives Faltblatt mit Bildern und Kurztexten wie bei der Hövelhofer Kirchentour in Arbeit. Der Titel steht bereits fest: „Hövelhofer Erinnerungstour - eine öffentliche Spurensuche zum 1. und 2. Weltkrieg“. „Passend zum Volkstrauertag am 15. November soll diese Broschüre fertig sein und der Öffentlichkeit präsentiert werden“, so Westhof abschließend.

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