Hubert Kaimann backt das beliebte Hövelmarkt-Brot im alten Backhaus von 1895
Endlich ist der Ofen nicht mehr aus

Hövelhof (WB). Der Ofen war aus. Monatelang. Die Corona-Pandemie hat Aktionen im kleinen historischen Backhaus am Heimatzentrum in Hövelhof verhindert. In dieser Woche hat Bäckermeister Hubert Kaimann den Ofen aber endlich wieder angefeuert und Hövelmarkt-Brot gebacken.

Freitag, 02.10.2020, 04:00 Uhr
Brot für 500 Hövelmarkt-Tüten haben Hubert Kaimann und Ulla Teget­hoff am Heimatzentrum nach traditionellem Rezept gebacken. Das Backhaus stammt aus dem Jahr 1895 und wurde 1982 aus Espeln an die Staumühler Straße versetzt. Foto: Oliver Schwabe

Der Ofen wird mit Buchenholz geheizt und es braucht Erfahrung und Gefühl, um mit ihm zurechtzukommen. „Den mal eben mit einem Knopfdruck auf 200 Grad justieren, das geht hier nicht“, sagt Hubert Kaimann. Schon am vergangenen Sonntag musste er den Ofen anheizen, damit er am Mittwoch die passende Temperatur zum Backen erreicht hatte.

„Nachheizen geht nicht“

Auch den Sauerteig hat er im historischen Backhaus hergestellt, und auch das erfordert Geduld. „Man nennt das einen Dreifach-Teig“, sagt Kaimann. Der Teig wird in drei Stufen produziert – Ruhezeiten jeweils inklusive. Neben dem „geduldigen“ Ansetzen des Teiges muss auch die Ofentemperatur stimmen, wenn die Brotlaibe hineingeschoben werden. „280 bis 300 Grad muss er haben, nachheizen geht nicht“, beschreibt Hubert Kaimann. 30 Brotkästen passen auf einmal hinein und müssen dann etwa zweieinhalb Stunden lang backen.

Die Brotback-Aktion des Plattdeutschen Kreises geht auf „Mühlen-Stienchen“, Christina Berens , zurück, die diese Tradition vor über 40 Jahren begründete. Normalerweise sind Mitglieder des Plattdeutschen Kreises rund um den Hövelmarkt damit beschäftigt, Bütterken zu schmieren: Auf dem Volksfest gibt es sie dann, zum Beispiel auf dem Bauernmarkt oder beim Seniorennachmittag im Festzelt auf Stollmeiers Wiese, mit Hausmacher Wurst, Schmalz, Leberwurst, Blutwurst, Sülze, Mettwurst oder Schinken belegt. Das muss in diesem Jahr ausfallen, aber das frische Brot kommt in die Hövelmarkt-Tüten. 500 Vorbesteller können die Scheiben dann zu Hause belegen und genießen.

Hubert Kaimann freut sich, dass der Ofen endlich wieder läuft. „Kurz vor Beginn der Corona-Pandemie haben wir im März das letzte Mal hier mit Kommunionkindern Brot gebacken“, erinnert er sich. Aktionen wie diese konnten seither nicht mehr stattfinden.

Backhaus stand bis 1982 in Espeln

Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff steuert die Geschichte des historischen Backhauses bei, das einst in Espeln auf dem Hof Höddinghaus stand. Auf dem Vollmeierhof ist der Mitbegründer und spätere Vorsitzende des Plattdeutschen Kreises, Werner Höddinghaus, geboren, der 2011 verstarb. Auf Initiative des Plattdeutschen Kreises entstand auch das heutige Heimatzentrum. Höddinghaus war zudem fast 2o Jahre stellvertretender Ortsheimatpfleger und gehörte 1975 zu den Gründungsmitgliedern des Verkehrsvereins und der Hövelhofer Rundschau. Beruflich war Höddinghaus Lehrer, zunächst am Salvator-Kolleg Klausheide, dann drei Jahre in Ostenland und ab 1971 an der Krollbachschule in Hövelhof.

Auf dem Hof Höddinghaus war 1893 das alte Backhaus abgebrannt, 1895 wurde ein neues errichtet. Das kann man heute noch auf dem Balken über der Eingangstür des Fachwerkhauses nachlesen, der von der Geschichte des Hauses erzählt. Und eben jenes „neue“ Backhaus wurde dann 1982 aus Espeln an die Staumühler Straße transportiert und dort liebevoll wieder aufgebaut und restauriert.

Ofen wurde nach historischem Vorbild neu gebaut

„Der Ofen wurde damals nach historischem Vorbild neu gebaut“, sagt Ortsheimatpfleger Carsten Tegethoff – und er wird bis heute zum Backen benutzt. Meist werden dann Brot oder Streuselkuchen hergestellt, nicht nur zum Hövelmarkt, sondern auch zum Tag der offenen Tür am Heimatzentrum oder zusammen mit Gruppen wie zum Beispiel im März den Kommunionkindern. Auch als Weihnachtsbäckerei hat das Fachwerkhaus schon des Öfteren gedient. Jetzt lassen sich die Helfer auch von einer Pandemie nicht abschrecken. Gebacken wird trotzdem, und die Hövelhofer, die am Wochenende in Erinnerungen an den Hövelmarkt schwelgen, wirds freuen.

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