Bifurkation wird aufgewertet – Rastplatz mit riesigem Bachflohkrebsmodell in Hövelhof geplant
Natur erleben: Senne für alle Sinne

Hövelhof (WB). Was ist eine Bifurkation? Sollten Sie in Hövelhof leben, haben Sie den Begriff vermutlich schon mal gehört. Oder kennen Sie sich gar mit Unterdisziplinen der Hydro­geologie aus? Falls nicht: Es dürfte keine Bildungslücke sein, wenn man auf Anhieb keine Antwort auf die Frage weiß, die bei Günther Jauch gestellt wohl eine halbe Million Euro wert sein könnte.

Freitag, 18.09.2020, 10:10 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 10:12 Uhr
Mit einem leichten Bagger sind schon erste Teile des demnächst naturnah gestalteten neuen Bachbetts des Schwarzwasserbachs geformt worden. Über die Arbeiten zur Aufwertung der Bifurkation informierten bei einem Ortstermin (von links) Helena Kottowski, Tim Roder (Biologische Station), Projektleiterin Carolin Schepers (Biologische Station), Frank Wilhelmi (Fa. Wilhelmi), Peter Rüther (Biologische Station), Bauleiter und Fachplaner Hans-Joachim Berger sowie Thomas Westhof. Foto: Jürgen Spies

Streng genommen muss es in Hövelhof aber eh Flussbifurkation heißen, denn es handelt sich um eine der in Deutschland höchst selten vorkommenden, an nur einer Hand abzählbaren Flussgabelungen mit Verzweigung in zwei unterschiedliche Flusssysteme. Um diese Rarität künftig touristisch nutzen zu können, wird die optisch völlig unscheinbare Gabelung derzeit durch Neugestaltung aufgewertet. Seit rund einer Woche laufen an der Sennestraße die Bauarbeiten.

Schräg gegenüber der Straßeneinmündung Kastanienweg teilt sich der Krollbach in den Krollbach und in den Schwarzwasserbach. Die Rhein-Ems-Wasserscheide sorgt dafür, dass das Krollbachwasser (über den Haustenbach und die Lippe) in den Rhein fließt, der Schwarzwasserbach dagegen nordwestwärts abbiegt und seine überschaubaren Wassermengen in die Ems, die bei Emden bekanntlich in die Nordsee mündet, ergießt.

Die Umgestaltung und Aufwertung der Bifurkation in Hövelhof ist Teil eines ganzen Projekts unter dem Titel „Senne für alle Sinne“. Federführend ist dabei die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne mit Sitz in Delbrück-Ostenland, die bestehende und neue Natur- und Kulturerlebnisangebote in der Senneregion zusammenfasst. Bei Projektleiterin Carolin Schepers laufen die Fäden zusammen. Verbindendes Element wird ein etwa 70 Kilometer langer Senne-Wanderweg sein, der fast ausschließlich auf bestehenden Wegen um den Truppenübungsplatz Senne verläuft. Abstecher in die Senne-Anrainerkommunen, kleine Erlebnistouren zu besonderen Orten, sind ebenfalls Teil des Gesamtkonzeptes.

Peter Rüther, Vorstand der Biologischen Station Paderborner Land-Senne, erläuterte am Donnerstag vor Ort in einem Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT, dass für sämtliche Maßnahmen im Projekt „Senne für alle Sinne“ insgesamt rund eine Million Euro Fördermittel bewilligt worden sind. Der Löwenanteil kommt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EU). Die Restfinanzierung teilen sich das Land NRW und die Kreise Lippe, Paderborn und Gütersloh.

Vom finanziellen Aufwand her zählt die Aufwertung der Bifurkation in Hövelhof zu den kleineren Maßnahmen – vom touristischen Wert her ist sie weitaus höher anzusiedeln.

„Abgewartet wurde ein günstiger Zeitpunkt für den Baubeginn. Da der Kreis Paderborn ohnehin derzeit die Krollbachbrücke saniert und außerdem weitere Straßenarbeiten an der in diesem Abschnitt vorübergehend gesperrten Sennestraße laufen, bot es sich an, das Projekt Bifurkation zeitgleich anzugehen“, erläuterte Thomas Westhof (Amtsleiter, Stabsstelle Wirtschaft/Marketing, Tourist-Information).

Die Teilung eines Bachs in zwei verschiedene Einzugsgebiete großer Flüsse ist in Deutschland äußerst selten. In Hövelhof teilt sich der Krollbach in den Krollbach und in den Schwarzwasserbach. Diese bisher triste, betonierte Stelle (Foto) wird jetzt aufgewertet.

Die Teilung eines Bachs in zwei verschiedene Einzugsgebiete großer Flüsse ist in Deutschland äußerst selten. In Hövelhof teilt sich der Krollbach in den Krollbach und in den Schwarzwasserbach. Diese bisher triste, betonierte Stelle (Foto) wird jetzt aufgewertet. Foto: Jürgen Spies

Mit der fachlichen Planung und Bauleitung an der Bifurkation beauftragt wurde das Büro Hans-Joachim Berger (Bad Sassendorf), die praktische Ausführung hat der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Frank Wilhelmi (Lage) übernommen. Mitarbeiter der Biologischen Station haben in den vergangenen Tagen Lebewesen aus dem im Moment zulaufreduzierten Schwarzwasserbach gefischt und sie ein paar Meter weiter samt Sedimenten in den Krollbach umgesiedelt, darunter 86 aalförmige Bachneunaugen, außerdem einige Bachschmerlen, Stichlinge sowie in großer Anzahl auch Bachflohkrebse. Der Schwarzwasserbach bekommt abschnittsweise ein neues naturnah gestaltetes Bett. Die hässlichen Betonelemente verschwinden.

„Das Ganze ist unser Lieblingsprojekt geworden, zumal es an unserem zertifizierten historischen Wanderweg liegt. Außerdem wird direkt südlich angrenzend an die Bifurkation ein familienfreundlicher Rastplatz mit Tisch und Bänken angelegt. Um die Pflege wird sich die Gemeinde Hövelhof kümmern“, so Westhof.

Helena Kottowski (Stabsstelle Marketing und Verkehrsverein) überraschte am Donnerstag beim Ortstermin noch mit einer Gestaltungsidee für den Rastplatz: „Hier wird demnächst ein drei Meter großes Metallmodell eines Bachflohkrebses aufgestellt.“

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