Hövelhofer Firma Beckmann tüftelt an digitalen Park- und Bezahlautomaten
Handy ersetzt Münzgeld

Hövelhof (WB). Haben Sie auch schon mal im Parkhaus, am Kassenautomaten im Freibad oder im Waschsalon gestanden und beim Blick ins Portemonnaie festgestellt, dass Sie gar keine Münzen parat haben? Wenn es nach Michael und Stefan Beckmann geht, soll sich dieses Problem bald erledigt haben. Die in ihrem Hövelhofer Unternehmen hergestellten Automaten können so umgerüstet werden, dass man sein Parkticket oder den Freibadeintritt bald auch übers Handy, per Paypal, Google Pay oder Apple Pay, bezahlen kann – ganz ohne Kleingeld.

Donnerstag, 03.09.2020, 06:00 Uhr
Michael und Stefan Beckmann binden die in ihrer Firma entwickelten Münzautomaten jetzt an ein Cloud-System an. An den Automaten der neueren Generation kann dann auch per Handy, über Paypal oder andere Bezahl-Apps gezahlt werden. Foto: Oliver Schwabe

„Bisher kann man an unseren Automaten mit Münzen, teilweise auch mit EC-Karte bezahlen. Im nächsten Entwicklungsschritt unseres Unternehmens setzen wir auf Digitalisierung. Das hat nicht nur für denjenigen, der an den Automaten bezahlen will, Vorteile, sondern auch für den Betreiber“, beschreibt Stefan Beckmann. Denn mehr als bisher ist an den Automaten der neuesten Generation eine Fernwartung übers Internet möglich. Die Automaten melden Betriebsstörungen, weisen darauf hin, wenn das Druckerpapier für Tickets oder Wechselgeld zur Neige geht, können aber auch Nutzerauswertungen liefern, zum Beispiel, zu welcher Tageszeit ein Parkhaus gut oder weniger gut ausgelastet ist.

Die Firma Beckmann

Die Hövelhofer Firma Beckmann Managementsysteme wurde in den 1950er Jahren gegründet. Inzwischen führen Michael und Stefan Beckmann das Familienunternehmen an der Brandtstraße in dritter Generation. Auch ihr Vater Jürgen ist nach wie vor in der Firma tätig. 20 Mitarbeiter entwickeln und montieren in der Sennegemeinde Hard- und Softwarelösungen für sogenannte selbstbediente Bezahlsysteme.

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Mit Innovationsgutschein gefördert

Zusammengearbeitet hat die Firma Beckmann Managementsysteme bei der Weiterentwicklung und Digitalisierung ihrer Automaten mit dem Software Innovation Campus Paderborn (SICP). Ein Jahr lang haben beide Partner daran getüftelt, das Hövelhofer Unternehmen von einem hardwarelastigen Kassensystemanbieter zu einem Plattformanbieter umzuwandeln.

Aus wissenschaftlicher Sicht wurde dabei untersucht, wie ein plattformbasiertes Geschäftsmodell mit neuen, digitalen Services für unterschiedliche Kundenzielgruppen aufgebaut werden kann. Dazu gehörten eine Umfeldanalyse und eine Interviewstudie. Das gemeinsame Projekt wurde unter dem Titel „Serv-Park“ geführt. Gefördert wurde die Zusammenarbeit unter anderem mit einem Innovationsgutschein des Landes NRW.

„Die Technik ist jetzt so weit“

Jetzt können die neuen, cloudbasierten Automaten an den Start gehen. „Die Technik ist so weit, dass wir sie für den Bereich Parkplatzsysteme anbieten können. 2021 wollen wir es auf andere Geschäftsbereiche wie Eintrittsautomaten oder Autowaschanlagen ausweiten“, berichtet Michael Beckmann.

Anbieter, die bereits Automaten von Beckmann nutzen, müssen übrigens nicht zwangsläufig komplett neue Modelle kaufen: „Die alten Automaten sind auch umrüstbar“, sagt Stefan Beckmann. Etwa 300 Systeme der Firma Beckmann sind deutschlandweit im Einsatz, natürlich auch in Ostwestfalen-Lippe. „Wer schon mal am Hermannsdenkmal, im Delbrücker Hallenbad oder im Hövelhofer Sennebad war, hat zum Beispiel schon an unseren Automaten bezahlt“, sagen die beiden Brüder.

Angefangen hat bei Beckmann in den 1950er Jahren alles mit Hebewerkzeugen für die Kohlebeförderung, später spezialisierte sich die Firma auf Münzautomaten. Im übertragenen Sinne ist die „Kohlebeförderung“ nun immer noch Thema – allerdings ist inzwischen nicht mehr das „schwarze Gold“ gemeint, und eben auch nicht mehr nur das Münzgeld.

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