FDP-Vorsitzender Benjamin Sandbothe will Bürgermeister in Hövelhof werden
„Auch auf die Ortsteile schauen“

Hövelhof (WB). Die FDP ist derzeit die kleinste Fraktion im Hövelhofer Gemeinderat. Erstmals tritt bei der Kommunalwahl ein eigener FDP-Bürgermeisterkandidat an. Benjamin Sandbothe hat sich den Fragen von Redakteurin Meike Oblau gestellt.

Montag, 24.08.2020, 06:00 Uhr
Mit seinem alten Käfer besucht Benjamin Sandbothe gern den Ortsteil Riege. Hier ist er aufgewachsen. Foto: Oliver Schwabe

Was hat in der auslaufenden Legislaturperiode gut geklappt?

Sandbothe: Wir haben in Hövelhof endlich eine musikalische Förderung für sozial schwächere Kinder eingeführt und können damit Musikkultur in unseren Vereinen und Schulen fördern. Die Corona-Pandemie wurde von den Bürgerinnen und Bürgern bisher sehr gut bewältigt und die Vereine mit ihren ehrenamtlichen Kräften haben sehr viel für den Ort und die Menschen geleistet. Das hat mir sehr imponiert und mich dazu bewogen, mich stärker für verbesserte Strukturen für das Ehrenamt in Hövelhof einzusetzen.

Zur Person

Benjamin Sandbothe ist 39 Jahre alt und lebt mit Frau Andrea und den Töchtern Lena und Franziska in Hövelhof. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker und Fortbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker war er in verschiedenen Fach- und Führungspositionen tätig. 2012 schloss er seine Ausbildung zum Vermögensberater ab und ist seitdem selbstständig. Seit zehn Jahren ist er Mitglied der FDP, den Ortsverein führt er seit anderthalb Jahr als Vorsitzender. 2014 holte die FDP zwei Ratsmandate (4,87 Prozent der Stimmen).

...

 

„Es hakt an vielen Ecken und Enden“

Und wo hat es gehakt? Was ist schlecht gelaufen?

Sandbothe: Es hakt an vielen Ecken und Enden und es würde den Rahmen sprengen, alles aufzuzählen. Wir haben immer noch keine Klarheit bei der Straßeninventur und dem daraus entstandenen Investitionsstau. Die nächste Frage ist, in welchem Zustand unser Frisch- und Abwassernetz ist, hier könnte eine tickende Zeitbombe unter der Straße liegen. Die Planungen für das mögliche neue Hallenbad sind nach meiner Meinung viel zu intransparent und man hätte die Bürger mehr einbeziehen sollen. Beim Thema „Neugestaltung Hövelmarktplatz“ ist dies ähnlich schlecht und viel zu langwierig gewesen. Das nachträglich eingeplante teure Glockenspiel hat dem ganzen zusätzlich einen negativen Beigeschmack verpasst. Auch den Trägerwechsel an der Kirchschule kann ich bis heute nicht rational nachvollziehen und sehe hier persönliche Interessen der Schulleitung sowie der Verwaltung, die dafür verantwortlich sind.

 

„Finanzlage ist unbestimmt“

Wie beurteilen Sie die Finanzlage der Gemeinde?

Sandbothe: Die Finanzlage ist unbestimmt. Auf der einen Seite verfügen wir über drei Millionen Euro Liquidität und auf der anderen Seite haben wir viele Investitionen aufgeschoben oder gar nicht auf dem Plan. Die gestiegenen Baukosten und die mangelnden Beteiligungen von Unternehmen an Ausschreibungen verschärfen die Situation zusätzlich. Wir müssen hier planerischer vorgehen und ein professionelles Projektmanagement einführen.

 

Was wünschen Sie sich fürs Hallenbad?

Sandbothe: Es soll klimafreundlich sein, ein Sport- wie Lehrschwimmbecken haben und einen Bereich für Kleinkinder fände ich auch wünschenswert. Eventuell lässt sich letzteres und ein attraktiver Außenbereich mit einem Bürgerbeitrag realisieren.

 

„Der Gewerbepark ist derzeit eine Blackbox“

Wie soll es im Gewerbepark Senne und mit der Wirtschaft vor Ort in Hövelhof im Idealfall weitergehen?

Sandbothe: Der Gewerbepark ist aktuell eine Blackbox für den Rat und die Bürger. Unser Fraktionsvorsitzender André Klocksin hatte vor der Gründung der GmbH klugerweise einen transparenten Zweckverband beantragt, um hier dem Rat ein Informations- und Mitspracherecht einzuräumen. Dies wurde ohne erkennbaren Grund abgelehnt.

Thema Schule: Am bisherigen System festhalten oder Neues angehen?

Sandbothe: Die Hövelhofer Haupt- und Realschule machen an sich gute Arbeit. Jedoch stellen wir schwankende Anmeldezahlen fest. Wir müssen mit den Eltern der Sennegemeinde in den Dialog treten, ob eine Veränderung des Schulsystems durch Wegfall einer Schulform und Einführung einer neuen Schulform Sinn macht. Auf der anderen Seite könnten wir auch die bestehenden Schulen um eine weitere Schulform ergänzen, wenn dieses gewünscht ist. Dieses wäre durch eine interkommunale Lösung und einen Teilstandort möglich. Einen Antrag hierzu hat unsere Fraktion auch seinerzeit gestellt, welcher ebenfalls abgelehnt wurde.

„Sehe viel Entwicklungspotenzial in Hövelriege“

Welche Bereiche müssten im Zuge eines möglichen neuen Ortskernkonzeptes noch „angepackt“ werden?

Sandbothe: Wir sollten für das Areal rund um die Haupt- und Realschule ein Sport- und Freizeitkonzept entwickeln. Dort schlummert viel Potenzial, welches gehoben werden kann. Außerdem sollten wir uns auch einmal mit den Ortskernen unserer Teilorte Espeln, Riege, Hövelriege und Staumühle beschäftigen. Hier gibt es engagierte Dorfgemeinschaften, die sich sehr um ihre Teilorte bemühen. Gerade in Hövelriege sehe ich viel Entwicklungspotenzial.

Was erwarten Sie im politischen Miteinander? Wie sollte es sein, was geht gar nicht?

Sandbothe: „Wenn zwei das Gleiche sagen, ist es noch lange nicht dasselbe“, ist in Hövelhof leider an der Tagesordnung. Hinzu kommt, dass viele Anträge unsachlich behandelt werden. Hier begegnen einem sehr schnell Polemik und Unterstellungen. In der Regel wird ein Punkt herausgesucht, den man für angreifbar hält und redet dann den Antrag schlecht oder stellt ihn als unbegründet dar. Alternativ arbeitet man auch gerne mit Unterstellungen. Da wird aus einem einfachen Schwimmbad ganz schnell ein Spaßbad mit Saunalandschaft; so etwas geht gar nicht. Wie es sein sollte, kann man an dem Umgang zwischen den Grünen und der FDP erkennen. Wir streiten in der Sache respektvoll miteinander, sind offen für gemeinsame Themen und achten immer den Menschen der uns gegenübersteht. So einfach kann es sein.

„Mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung“

Was sollte in der neuen Legislaturperiode am dringendsten umgesetzt werden?

Sandbothe: Wünschen kann ich mir vieles, ich brauche aber konkrete Ziele. Deswegen habe ich als einziger Bürgermeisterkandidat ein Wahlprogramm mit zehn Zielen erarbeitet. Die drei wichtigsten Ziele sind mehr Transparenz in der politischen Entscheidung, mehr Bürgerbeteiligung bei größeren Projekten und ein neues klimafreundliches Hallenbad.

Was ist das Ziel hinsichtlich des Abschneidens bei der Wahl, sowohl als Bürgermeisterkandidat als auch Ihrer Partei?

Sandbothe: Man hat mich schon liebevoll einen Träumer genannt, da ich kandiere und mir vorstellen kann, Bürgermeister der Sennegemeinde zu werden. Dementsprechend ist das Ziel 50 Prozent plus eine Stimme zu erhalten und Bürgermeister zu werden. Als Partei möchten wir mindestens vier Ratsmandate erhalten, können uns aber auch bei unserem fachlich kompetenten Team durchaus bis zu sechs Mandate vorstellen. Demnach ist das Ziel hier ein Wahlergebnis zwischen 10 und 20 Prozent.

 

Auch die Hövelhofer SPD hat sich bereits den Fragen der WB-Redaktion gestellt. In den kommenden Tagen werden auch die Antworten von Amtsinhaber Michael Berens (CDU) und Bürgermeisterkandidat Jörn Achtelik (Bündnis 90/Die Grünen) veröffentlicht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7547183?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851066%2F
„Das ist Abstiegskampf“
Jan-Moritz Lichte
Nachrichten-Ticker