Hövelhofer SPD will bei der Kommunalwahl die absolute CDU-Mehrheit brechen
„Für die besten Ideen fair streiten“

Hövelhof (WB). Das Ende der absoluten Mehrheit der CDU im Gemeinderat ist das oberste Ziel der SPD Hövelhof. Dazu treten die Sozialdemokraten mit einem jungen Spitzenduo an. Gemeinsam mit Ratsherr Simon Farr, der auf Listenplatz drei steht, haben sich Theresa Fortströer und Marian Hahne den Fragen von Redakteurin Meike Oblau gestellt.

Mittwoch, 19.08.2020, 13:57 Uhr
Die Spitzenkandidaten der Hövelhofer SPD (von links): Simon Farr, Theresa Fortströer und Marian Hahne vor dem Jagdschloss. Foto: Meike Oblau

Was hat in der auslaufenden Legislaturperiode gut geklappt?

Farr: Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung gestaltete sich im Allgemeinen gut. Eine Aussage, die allerdings nur für die Mitarbeiter der Verwaltung gilt.

 

Und wo hat es gehakt? Was ist schlecht gelaufen?

Farr: Manchmal dauerte die Bearbeitung von Anfragen sehr lange oder Infos zu Tagesordnungspunkten wurden allzu kurzfristig erst kurz vor oder während der Sitzung gegeben. Wesentliche Kritik üben wir aber am Bürgermeisterhandeln. Die Kommunikation zwischen Herrn Berens und den Fraktionen ist sehr zu bemängeln. Reformbedarf sehen wir vor allem bei der aktuellen Regelung, dass der Bürgermeister in bestimmten Angelegenheiten über bis zu 250.000 Euro entscheidet, ohne Rücksprache mit dem Gemeinderat halten zu müssen. Die Summe scheint uns deutlich zu hoch zu sein! Mit Ausnahme der Corona-Krise wurden auch in dieser Legislaturperiode wieder viele Entscheidungen im Hinterzimmer gefällt.

Die Spitzenkandidaten

Die SPD ist in Hövelhof die einzige der vier Ratsfraktionen, die zur Kommunalwahl keinen Bürgermeisterkandidaten stellt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sich die Fraktion „runderneuert“. Lediglich Kriminaloberkommissar Simon Farr (40) aus Riege auf dem dritten Platz der Reserveliste hat „auf den vorderen Plätzen“ bereits Ratserfahrung, die beiden Spitzenkandidaten Marian Hahne und Theresa Fortströer wollen neu in den Rat einziehen. Theresa Fortströer (27) ist Soziologiestudentin, Marian Hahne (30) arbeitet als Softwareentwickler.

...

 

„Der Investitionsstau ist enorm“

Wie beurteilen Sie die Finanzlage der Gemeinde?

Farr: Grundsätzlich geht es der Gemeinde finanziell gut. Das liegt sicherlich auch daran, dass eigentlich notwendige Investitionen in Straßen und Gebäude nicht vorgenommen wurden. Der Investitionsstau ist enorm. Ein Zustand, der sich durch die Folgen der Corona-Krise verschärfen wird – der finanzielle Spielraum wird zukünftig kleiner sein.

 

Was wünscht sich die SPD fürs Hallenbad?

Hahne: Der Bürgerwille muss hier die Richtschnur allen Handelns sein. Wünschenswert wäre natürlich mindestens ein Becken für Schulschwimmen und Vereinssport. Wir wollen einen transparenten Entscheidungsprozess, in den die Bürger und die örtliche Wirtschaft als Nutznießer eines durch ein Schwimmbad attraktiveren Wohnortes aktiv eingebunden sind. Insbesondere die finanziellen Auswirkungen müssen transparent gemacht werden. Es muss in jeder Hinsicht Aufklärungsarbeit geleistet werden.

 

„Intensiverer Dialog mit der Wirtschaft“

Wie soll es im Gewerbepark Senne und mit der Wirtschaft vor Ort in Hövelhof im Idealfall weitergehen?

Farr: Die Wirtschaft muss noch diverser werden. Neben der Möglichkeit, ortsansässigen Firmen eine Erweiterung anzubieten, muss bei der Ansiedlung neuer Firmen auf einen guten Branchenmix geachtet werden. Das gewährleistet auch in Krisen die Wirtschaftsfähigkeit der Gemeinde. Die aktuellen Gewerbeflächen müssen effizient genutzt und effektiv weiterentwickelt werden. Wir brauchen einen intensiveren Dialog mit der örtlichen Wirtschaft, um gute Zukunftskonzepte zu entwickeln. Der Gewerbepark Senne ist für Hövelhof derzeit die einzige Möglichkeit, weitere Gewerbeflächen anzubieten. Wir wollen, dass der Ausbau vorhandenen Gewerbes, bei Abwägung aller Interessen, vorrangig behandelt wird. Die Neuansiedlung von beispielsweise großflächigen Lagerhallen ist abzulehnen. Und die Kompensation durch Ausgleichsflächen soll zukünftig wieder in Hövelhof stattfinden!

Thema Schule: Am bisherigen System festhalten oder Neues angehen?

Hahne: Wir favorisieren weiterhin eine Schulform des längeren gemeinsamen Lernens. Der Trend der letzten Jahre zeigt, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler Hövelhof verlassen, um eine weiterführende Schule außerhalb zu besuchen. Die CDU-Strategie des ewigen Abwartens und das Abwiegeln fruchtbarer Diskussionen hat Hövelhof die Chance gekostet, eine Schullandschaft mit allen Schulabschlüssen vor Ort zu ermöglichen. Eine ernsthafte und offene Debatte zwischen allen politischen Parteien und der Bürgerschaft wurde durch die aktuellen Mehrheitsverhältnisse blockiert.

„Zum Ortskernkonzept gehört mehr als die Optik“

Welche Bereiche müssten im Zuge eines möglichen neuen Ortskernkonzeptes noch „angepackt“ werden?

Fortströer: Zu einem Ortskernkonzept gehört für uns mehr als der optische Eindruck. Die allgemeine Infrastruktur und die anschließende Gestaltung sozialer Räume müssen mehr Beachtung finden: Radwege müssen ausgebaut werden, die Anbindung der Ortsteile durch den ÖPNV muss verbessert werden, Möglichkeiten zur Etablierung sozialer Projekte und Initiativen müssen geschaffen werden, der Ausbau der Mobilfunkverbindungen muss vorangetrieben werden. Diese Liste lässt sich noch weiterführen. Das sind alles Themen, die für uns zu einem umfassenden Ortskernkonzept, auch in den Ortsteilen, gehören. Eine ganzheitliche strategische Ausrichtung der Gemeinde ist dabei aus unserer Sicht unerlässlich.

Was erwarten Sie im politischen Miteinander in Hövelhof? Wie sollte es sein, was geht gar nicht?

Fortströer: Wir wollen für die besten Ideen für den Ort streiten. Die politischen Parteien sollten sich zukünftig wieder mehr darin üben, faire und sachliche Debatten zu führen und sich im gegenseitigen Respekt voreinander begegnen. Wir werden politische und nicht persönliche Kontrahenten sein, das ist ein Grundgedanke der Demokratie. Ein Verständnis, das dem aktuellen Gemeinderat tragischerweise abhandengekommen ist und die Arbeit des Gremiums blockiert. Wir wollen ein offenes Miteinander und gute Ergebnisse für Hövelhof und seine Bürgerschaft.

„Fokus verstärkt auf bezahlbaren Wohnraum legen“

Was sollte in der neuen Legislaturperiode am dringendsten umgesetzt werden?

Hahne: Wir wollen Schulsozialarbeit an allen Hövelhofer Schulen realisieren beziehungsweise ausbauen und die Schulen gerade im digitalen Bereich deutlich besser ausstatten. Aufgrund des begrenzten Angebotes von Schultypen in Hövelhof muss gewährleistet sein, dass die Schülerinnen und Schüler aus jedem Ortsteil unkompliziert und ohne große Wartezeiten die nächstgelegene Schule des gewünschten Schultyps erreichen können. Wir möchten das HoT modernisieren und mehr Angebote für Kinder und Jugendliche im gesamten Ortsgebiet schaffen. Außerdem müssen alle Ortsteile besser an den ÖPNV angebunden werden und zukünftig gilt es, den Fokus verstärkt auf die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu legen. Die bisherigen Bemühungen reichen hier nicht aus und müssen über die reine Ausweisung von Bauland hinausgehen. Wir wollen kluge Strategien und zukunftsfähige Konzepte für die verschiedenen gesellschaftlichen Teilbereiche erarbeiten.

Lesen sie hier auch die Antworten von Jörn Achtelik (Bündnis 90/Grüne) , Benjamin Sandbothe (FDP) und Michael Berens (CDU) .

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