Kandidaten für Gemeinderatswahl nominiert – Mario Schäfer hört komplett auf
Hövelhofer SPD sortiert sich neu

Hövelhof (WB). Mit einem nahezu komplett neuen Team geht die Hövelhofer SPD in die Kommunalwahl: Aus der aktuellen sechsköpfigen Fraktionsbesetzung treten nur noch Simon Farr und Miriam Schütte (diese allerdings auf einem hinteren Listenplatz) wieder zur Wahl an. Nach 21 Jahren im Rat ist damit Schluss für den langjährigen Fraktionsvorsitzenden Mario Schäfer, der auch nicht wie zunächst angekündigt für den Kreistag zur Wahl stehen wird. Das neue Spitzenduo für die SPD-Ratsfraktion bilden mit Marian Hahne (30) und Theresa Fortströer (28) zwei Kandidaten aus dem politischen Nachwuchs.

Dienstag, 02.06.2020, 19:00 Uhr
Die Spitzenkandidaten der SPD für den Gemeinderat sind (von links) Theresa Fortströer, Simon Farr, Marian Hahne und Angelika Wichmann-Glaser. Der 30-jährige Marian Hahne tritt auf Listenplatz eins an, gefolgt von Theresa Fortströer.

Schäfer: „Rückzug hat persönliche Gründe“

Im Gespräch mit dem WV sagte der aktuelle Fraktionsvorsitzende Mario Schäfer, es seien „persönliche Gründe“, warum er nun gar nicht mehr antrete, nachdem er im Dezember 2018 öffentlich angekündigt hatte, für den Kreistag kandidieren zu wollen: „Ich werde mich künftig meiner Familie und der Dorfgemeinschaft Staumühle widmen und meinen politischen Ruhestand genießen. Auf die Gründe möchte ich nicht näher eingehen.“

Seit 16 Jahren ist Mario Schäfer Fraktionsvorsitzender der SPD, 2014 trat er als Bürgermeisterkandidat gegen Amtsinhaber Michael Berens (CDU) an. In diesem Jahr plant die SPD nach Angaben des Ortsvereinsvorsitzenden Simon Farr nicht, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten zu präsentieren: „Ausschließen kann man das natürlich nie, aber unsere Überlegungen gehen derzeit nicht in diese Richtung. Wir freuen uns aber sehr, dass die Wähler mit Benjamin Sandbothe von der FDP und Jörn Achtelik von den Grünen Alternativen zum Amtsinhaber haben und werden mit allen drei Kandidaten das Gespräch suchen“, sagte Farr.

Sieben Frauen auf der Reserveliste

Die SPD wolle sich nun auf die Neustrukturierung ihrer Ratsfraktion konzentrieren. Neben Mario Schäfer werden auch Dirk Antpöhler, Brigitte Hennerkes und Sabine Schulz nicht wieder zur Wahl antreten, Ratsfrau Miriam Schütte wurde lediglich auf Platz acht der Reserveliste nominiert. Die Reserveliste, auf der übrigens sieben Frauen stehen, wird für die Wahl am 13. September von zwei neuen Gesichtern angeführt: Marian Hahne ist 30 Jahre alt und Softwareentwickler, er war lange Zeit Kreisvorsitzender der Paderborner Jusos. Auf dem zweiten Listenplatz tritt die 28-jährige Theresa Fortströer, Studentin der Sozialwissenschaft, an.

Hahne: „Parteiklüngel durch gelebte Demokratie ablösen“

Beide betonen in einer Pressemitteilung, es gehe ihnen in der kommenden Ratsperiode um einen offenen und sachlichen politischen Diskurs. Der „Dünkel des politischen Gegners“ schränke das ergebnisorientierte Arbeiten im Gemeinderat aktuell stark ein: „Die bisherige Politik, gerade der jetzigen Mehrheitspartei, ist geprägt davon, Anträge anderer Parteien abzulehnen. Es geht nicht um offene Diskussionen und gute Ergebnisse für die Allgemeinheit. Uns soll es künftig um die besten Ideen gehen, egal von welcher Partei sie kommen“, sagt Marian Hahne. Das Ziel der SPD sei klar: „Die absolute Mehrheit muss fallen, um endlich ewige Rechthaberei und Parteiklüngel durch gelebte Demokratie abzulösen. Das würde Hövelhof richtig gut tun!“

Für die Reserveliste nominierte die SPD im Schützen- und Bürgerhaus folgende Kandidaten: 1. Marian Hahne, 2. Theresa Fortströer, 3. Simon Farr, 4. Angelika Wichmann-Glaser, 5. Thorsten Kleile, 6. Eva-Marie Hahne, 7. Josef Lüke, 8. Miriam Schütte, 9. Jörg Drewes, 10. Hanna Fortströer, 11. Stefan Mühlenhoff, 12. Claudia Hahne, 13. Dieter Rochow, 14. Birgit Farr, 15. Harry Kaiser, 16. Norbert Hahne und 17. Raymond Farr. Unter den Kandidaten sind zwei parteilose Bewerber. Ortsvereinsvorsitzender Simon Farr sagt, man wolle frischen Wind ins Rathaus bringen und der SPD sei es wichtig, einen Querschnitt der Gesellschaft auf der Kandidatenliste abzubilden. Für den Kreistag treten Hendrik Kuske und Hanna Fortströer für die Sozialdemokraten an.

Kommentar

Im Jahr 2014 war er noch gegen Michael Berens (CDU) zur Bürgermeisterwahl angetreten – am Ende dieser Legislaturperiode scheint nun die politische Karriere von SPD-Urgestein Mario Schäfer beendet zu sein. Ursprünglich war Kreistag statt Rat geplant und lange angekündigt, doch jetzt ist nach 21 Jahren Rats­arbeit komplett Schluss für den Staumühler. Wie es dazu gekommen ist, was die Gründe sind, dazu gibt es öffentlich keine Aussagen. Dass sich aber der Ortsverein unter Simon Farr klar für einen Neuanfang ausgesprochen haben muss, zeigt ein Blick auf die Kandidatenliste. In der aktuell größten Fraktion der Opposition bleibt nahezu kein Stein auf dem anderen. Die SPD hat „frischen Wind“ angekündigt, und der fegt nun zu allererst einmal durch ihre eigene Fraktion. Von den ersten sieben Kandidaten auf der Reserveliste hat mit Simon Farr nur einer Ratserfahrung. Das muss nun nicht schlecht sein, für neue Ideen braucht man nicht zwangsläufig einen Sack voll Erfahrungen oder jahrelange Routine. Für die SPD dürfte an erster Stelle stehen, als Oppositionspartei wieder „sichtbarer“ zu werden. Sie stellt zwar die zweitgrößte Fraktion im Gemeinderat, die großen politischen Diskussionen im „Clinch“ mit der CDU sind zuletzt aber allzu oft eher von den Grünen und der FDP ausgegangen. Hier gilt es, wieder das Profil zu schärfen. Meike Oblau

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