Hövelhofer Forellenfarm darf nicht nur Hofladen, sondern auch Angelteiche öffnen
Fischen ist jetzt wieder erlaubt

Hövelhof (WB). Ist ein eingezäunter Angelteich auf einer Forellenfarm eine „Sport- und Freizeitstätte“ oder ein Mittel der landwirtschaftlichen Direktvermarktung? Vor dieser Frage standen in den vergangenen Tagen das Hövelhofer Ordnungsamt und Andreas Gutsche, Inhaber der Forellenfarm in der Emsquellaue. Die gute Nachricht: Inzwischen herrscht rechtlich Klarheit und Gutsche darf nicht nur seinen Hofladen öffnen, sondern auch das Angeln an seinen Teichen wieder erlauben.

Samstag, 04.04.2020, 08:00 Uhr
Der Hofladen von Andreas Gutsche ist geöffnet. Nun darf er auch wieder Fischer an seinen Angelteichen empfangen. Foto: Jörn Hannemann

Seit 1993 betreibt Andreas Gut­sche die Forellenfarm an Bredemeiers Weg und hat sich breit aufgestellt: Er bewirtschaftet drei Aufzuchtteiche in der Senne und verkauft lebende Fische an andere Angelteichbetreiber, weiterverarbeitende Betriebe und Angelvereine, er hat einen Hofladen und eine Räucherei und eben vier Angelteiche, an denen Angler, die einen Jahresfischereischein vorweisen können, nach dem Kauf einer Tages- oder Halbtageskarte selbst fischen dürfen.

Angelteiche blieben anderthalb Wochen geschlossen

Nach den ersten Corona-Erlassen habe er am 22. März seinen Betrieb an den Angelteichen nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt vorerst eingestellt, sagt der Fischwirtschaftsmeister: „Zum einen aus Solidarität mit anderen Geschäften, die schließen mussten, zum anderen aber auch, um Rechtssicherheit zu bekommen, was verboten und was noch erlaubt ist.“ Passend zur Osterzeit, laut Gutsche immer noch die Hauptabsatzzeit für Fisch, darf er nun seit Donnerstag auch seine Angelteiche wieder betreiben.

„Nachdem ich die Teiche am 22. März geschlossen hatte, herrschte bei Fischern und Kunden eine große Unsicherheit, da viele dachten, auch der Hofladen sei geschlossen“, berichtet der Betreiber der Forellenfarm. Umso glücklicher ist er nun, dass seit Donnerstag Forellen, Lachsforellen und Saiblinge nicht nur weiterhin im Hofladen verkauft, sondern auch mit entsprechendem Nachweis wieder selbst geangelt werden dürfen, zumal auch ein Betrieb im benachbarten Schloß Holte-Stukenbrock seine Angelteiche bereits wieder geöffnet hatte.

Neuer Erlass brachte Klarheit

Auf Anfrage erklärt Pressesprecher Thomas Westhof von der Gemeinde Hövelhof, wie sich unterschiedliche Erlasse des Landes auf die Arbeit des Ordnungsamtes in diesem Fall auswirkten: „Als wir der Forellenfarm am 24. März die Fischerei für betriebsfremde Angler untersagt haben, ergab die geltende Rechtslage, dass das Fischen an umzäunten Gewässern als Freizeitbeschäftigung einzustufen war. Daher wurde die Selbstfischerei für Freizeitangler dort untersagt, die betriebsinterne Fischerei und der Verkauf der Ware blieb erlaubt.“

Andreas Gutsche berichtet, dass sich Fischereiverbände daraufhin beim Land NRW für Nachbesserungen der Verordnung eingesetzt hätten, was dann auch umgesetzt worden sei. Das bestätigt Thomas Westhof ebenfalls: „Nach dem neuen Erlass zur Fischerei vom 27. März, der die Sennegemeinde am 31. März erreichte, ist die Ausübung der Angelfischerei in NRW unter Beachtung der Vorgaben zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie möglich.“

Die gute Nachricht überbrachte das Ordnungsamt persönlich

Und so freute sich Andreas Gutsche am Donnerstagmorgen über einen Besuch des Ordnungsamtes, das die Nachricht überbrachte, er könne seine Fischteiche wieder für Angler öffnen. Er sieht sich in der Einschätzung bestätigt, dass die Angelteiche „eine geschickte Form der Direktvermarktung, gepaart mit einem schönen Naturerlebnis für die Angler“ sind und ist froh, dass jetzt Klarheit herrscht.

Kommentar

Heute so, morgen so. Das Beispiel der Forellenfarm zeigt, dass derzeit auch die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung nicht zu beneiden sind. Erlasse aus Düsseldorf, die Frage, wie diese auf die örtlichen Gegebenheiten umzusetzen sind, Kritik von Betroffenen, dann Nachbesserungen vom Land NRW: Leicht hat es gerade das Ordnungsamt derzeit sicherlich nicht, zumal die Erlasse für den normalen Bürger oft kaum zu verstehen sind.

Erst durften zum Beispiel Restaurants noch bis 18 Uhr öffnen, dann bis 15 Uhr, dann gar nicht mehr, zuerst war der Außer-Haus-Verkauf in Hövelhof direkt ab Laden verboten, jetzt erlaubt. All das zeigt, dass es eben Krisensituationen gibt, auf die sich niemand, auch keine Behörde, hundertprozentig vorbereiten kann. Es muss von Fall zu Fall und ab und zu mal neu entschieden oder nachgesteuert werden, denn die Auswirkungen der Erlässe müssen in der Praxis auch umsetzbar sein. Dabei kann man allen Beteiligten nur gute Nerven wünschen. Meike Oblau

 

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