Mitarbeiter des Hövelhofer Altenheims Haus Bredemeier sind in Sorge
Das lange Warten auf den Corona-Test

Hövelhof (WB). Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Bewohner und Mitarbeiter im Hövelhofer Seniorenzentrum Haus Bredemeier ist im Wochenverlauf gestiegen und liegt aktuell bei 16 infizierten Personen (sechs Bewohner und zehn Mitarbeiter). Gegenüber dieser Zeitung äußerten Mitarbeiter Kritik daran, dass es so lange dauere, bis sie getestet würden. Unter anderem lag das in den vergangenen Tagen offenbar daran, dass bundesweit zu wenig Teströhrchen vorhanden sind. Das beklagte auch Bürgermeister ­Michael Berens auf Facebook.

Donnerstag, 02.04.2020, 19:45 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 19:50 Uhr
Mitarbeiter des Hauses Bredemeier kritisieren, dass sie lange auf einen Termin für den Corona-Test warten müssen. Foto: Jörn Hannemann

„Kaum begreifbar, aber wahr: Neben Atemschutzmasken sind Teströhrchen derzeit Mangelware. Staatliche Labore wie das Chemische Untersuchungsamt bieten zwar Untersuchungen an, verfügen aber auch nicht über Teströhrchen. Unserem Mitarbeiter ist es trotzdem über Umwege gelungen, weitere Röhrchen für die Hövelhofer Testungen zu besorgen“, schrieb Berens, so dass am Donnerstagmorgen weitere Mitarbeiter des Hauses Bredemeier den lang ersehnten Termin für einen Abstrich beim Hövelhofer Mediziner Dr. Georg Schneider bekamen. Die Sprecherin des Kreises Paderborn, Meike Delang, ergänzte, erklärtes Ziel sei es, alle Mitarbeiter des Hauses Bredemeier noch in dieser Woche zu testen.

„Wir möchten die alten Leute nicht im Stich lassen“

Was die Ungewissheit für die Mitarbeiter des Seniorenzen­trums und ihre Angehörigen bedeutet, schildert ein Mitglied des Pflegeteams, das anonym bleiben möchte, im Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Selbst Mitarbeiter, die auf dem besonders vom Coronavirus betroffenen Demenz-Wohnbereich „Zur Senne“ arbeiteten, seien demnach bis Mittwochabend noch nicht alle getestet worden. Das bringe die Kollegen in eine Zwickmühle, sagte das Pflegeteam-Mitglied: „Eigentlich würde man sich am liebsten vorsichtshalber selbst in Quarantäne begeben, andererseits möchten wir die alten Leute im Haus Bredemeier auch nicht im Stich lassen.“

Für die Mitarbeiter des Seniorenzentrums sei das derzeit ein unheimlich schwerer Spagat: „Einige sitzen auf heißen Kohlen, wissen nicht, ob sie infiziert sind, ob sie vielleicht schon Angehörige angesteckt haben. Manche Kollegen haben Partner mit Vorerkrankungen zu Hause, manche Partner von Kollegen haben vorsichts­halber ihrerseits schon Urlaub genommen, um auf das Testergebnis zu warten und sich gegebenenfalls dann auch testen lassen zu können. Wir machen uns total Sorgen!“

„Wir gehen arbeiten, ohne zu wissen, ob wir Corona haben“

Die Mitarbeiter würden sich zudem fragen, in welcher Reihen­folge getestet würde: „Uns sagt eigentlich der gesunde Menschenverstand, dass es logisch wäre, zuerst die Mitarbeiter zu testen, die in dem betroffenen Bereich, dem Demenzwohnbereich Zur Senne, eingesetzt waren und sind. So läuft es aber nicht. Wir erleben, dass auch Familienangehörige immer weniger Verständnis dafür zeigen , dass wir immer noch nicht getestet sind und trotzdem weiter arbeiten gehen.“

Bis zum Wochenende sollen alle Mitarbeiter getestet sein

Monika Stricker, Geschäftsführerin des Hauses Bredemeier , sagt, sie könne verstehen, dass die noch nicht getesteten Mitarbeiter ein ungutes Gefühl hätten, aber die Testung erfolge in Absprache mit Dr. Georg Schneider nach einer logischen Struktur: „Die Reihenfolge wird danach festgelegt, wer engen Kontakt zu positiv getesteten Bewohnern hatte und wie lang und intensiv dieser Kontakt gewesen ist. Das entspricht auch den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. So werden zum Beispiel Mitarbeiter, die in der Infektionsphase gar nicht im Hause waren, weil sie zum Beispiel Urlaub hatten, später getestet als andere. Wir arbeiten uns in nach Prioritäten eingeteilten Gruppen vor. Angst ist natürlich auch bei Kollegen da, die nicht in Kontakt zu Betroffenen waren, zum Beispiel in der Wäscherei. Auch diese kommen bei den Testungen selbstverständlich an die Reihe, aber zeitlich versetzt, das sollte im Interesse aller sein.“

Quarantäne werde über all diejenigen verhängt, die positiv getestet wurden, aber auch über die, die direkte Kontaktpersonen zu den Erkrankten waren oder mit Erkrankten in häuslicher Gemeinschaft lebten.

Kommentare

Andreas  wrote: 03.04.2020 10:53
Laut MDR Sport im Osten sollen Fußballprofis zukünftig alle drei Tage getstet werden, also wenn ordentlich Geld da ist gibts auch einen Test.
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