FDP stellt eigenen Bürgermeisterkandidaten in Hövelhof
Sandbothe kandidiert gegen Berens

Hövelhof (WB). Benjamin Sandbothe fordert bei der Kommunalwahl am 13. September Bürgermeister Michael Berens (CDU) heraus: Der Hövelhofer FDP-Vorsitzende gab am Freitag seine Kandidatur bekannt. Offiziell nominiert werden soll er auf dem Ortsparteitag am Sonntag, 15. März.

Samstag, 07.03.2020, 07:00 Uhr
Kandidatenpräsentation im Schlossgarten: Benjamin Sandbothe (MItte) möchte bei der Kommunalwahl gegen Michael Berens antreten. Ihn unterstützen (von links) Moritz Polldavid, Benjamin Joachim, André Klocksin und Hendrik Wandt. Foto: Meike Oblau

„Wir stellen zwar die kleinste Ratsfraktion, waren uns aber einig, dass wir den Hövelhofern für das Bürgermeisteramt eine Wahl anbieten möchten“, sagt Schatzmeister und Ratsherr Benjamin Joachim. „Wir sind sicherlich die Partei, die am lautesten die Art und Weise, wie Michael Berens hier sein Amt ausübt, kritisiert. Man kann aber nicht immer nur meckern, ohne selbst etwas anzubieten“, ergänzt Benjamin Sandbothe. Der 39-jährige Vermögensberater setzt vor allem auf „mehr Bürgerbeteiligung, mehr Transparenz und mehr Kommunikation“.

Zur Person

Benjamin Sandbothe ist 39 Jahre alt und lebt mit Frau Andrea und den Töchtern Lena (8) und Franziska (6) in Hövelhof. Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker und Fortbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker war er in verschiedenen Fach- und Führungspositionen tätig. 2012 schloss er seine Ausbildung zum Vermögensberater ab und ist seitdem selbstständig tätig. Seit zehn Jahren ist Sandbothe Mitglied der FDP, den Hövelhofer Ortsverein führt er seit einem Jahr als Vorsitzender.

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All diese Punkte vermisse die FDP beim Amtsinhaber. „Das Paradebeispiel war vor wenigen Wochen der Hövelmarktplatz “, so Benjamin Joachim, „in den vergangenen Jahren konnte man doch immer mehr den Eindruck bekommen, dass Entscheidungen längst getroffen worden waren und der Rat sie dann nur noch abnicken sollte.“

„Bürgerbeteiligung leben“

Als Bürgermeister würde er das anders angehen, sagt Benjamin Sandbothe: „Wir möchten Bürgerbeteiligung leben, die Menschen frühzeitig mit einbinden und uns anhören, was sie wirklich möchten. Deswegen setzen wir uns auch dafür ein, dass zum Beispiel die Workshops zum möglichen Hallenbad-Neubau bald losgehen. Dazu muss man nicht schon die kompletten Planungen stehen haben, es geht doch darum, Tendenzen in Hövelhof zu erkennen: Was will der Bürger?“

Fraktionsvorsitzender André Klocksin ergänzt, dass er deshalb auch gerne Teile des Haushalts für einen Bürgerhaushalt freigeben würde. Außerdem möchte sich die FDP erneut dafür einsetzen, neben den Ratsmitgliedern auch sachkundige Bürger in die Gremien zu berufen und Ausschusssitzungen auch bewusst gelegentlich in den Ortsteilen stattfinden zu lassen. „Gerne auch mit einer Bürgerfragestunde vorab“, sagt Benjamin Joachim.

„Ein Bürgermeister muss konstruktive Lösungsvorschläge anbieten“

Benjamin Sandbothe wünscht sich auch einen ganz anderen Umgang mit Kritik: „Es kann doch nicht sein, dass die Gemeindeprüfungsanstalt der Gemeinde zum Beispiel hinsichtlich des schlechten Zustands der Straßen die Leviten liest , und dann wird der Bericht vom Bürgermeister einfach in die Schublade gelegt.“ Er wünsche sich, dass ein Bürgermeister gemeinsam mit dem Fachpersonal, zum Beispiel den Amtsleitern, konstruktive Lösungsvorschläge präsentiere, statt Kritik wegzuwischen.

Das gleiche gelte zum Beispiel auch für die Schulsituation im Hövelhof : „Es muss erlaubt sein, verschiedene Modelle gemeinsam mit den Eltern einfach mal laut zu denken, damit künftig wieder mehr Kinder auch nach der Grundschulzeit weiter in Hövelhof zur Schule gehen.“ Auch mit der Wirtschaft möchte Benjamin Sandbothe stärker in den Dialog treten, die FDP schlägt dazu einen separaten Wirtschaftsausschuss vor.

Lob für die Arbeit der aktuellen Zwei-Mann-Fraktion

André Klocksin und Benjamin Joachim hätten als bislang kleinste Fraktion im Rat sehr gute Arbeit geleistet, sagt Sandbothe. Ziel sei es, die Fraktionsstärke zu verdoppeln. Er selbst wird auf Listenplatz drei nach Klocksin und Joachim antreten, Marc Stollmeier auf Listenplatz vier.

Kommentar

Lange sah es so aus, als würde Michael Berens am 13. September ohne Gegenkandidaten antreten. Nun hat sich ausgerechnet die Partei, die derzeit die kleinste Fraktion im Rat stellt, aus der Deckung gewagt und bietet in Hövelhof eine Alternative an.

Schon seit Längerem hatte gerade die FDP, aber auch die anderen Oppositionsparteien den Führungsstil des Bürgermeisters kritisiert: zu viel hinter verschlossenen Türen, zu wenig Kommunikation, zu viele Alleingänge, zu wenig Bürgerbeteiligung lautete dabei der Kern der Kritik. In den kommenden Monaten wird es für die FDP nun darauf ankommen, in der Praxis zu zeigen, wie sie es anders machen will oder würde.

Der Wahlkampf dürfte somit nun an Fahrt aufnehmen. CDU und FDP haben ihre Karten zumindest jetzt auf den Tisch gelegt und müssen nun alles daran setzen, mit glaubwürdigen Inhalten zu punkten. Wenn es dann noch gelingen würde, trotz aller Rivalitäten eine gewisse Fairness walten zu lassen, kann das nur im Sinne der Bürger sein. Meike Oblau

 

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