Vor 75 Jahren eröffnete in Hövelhof die erste Apotheke des Ortes
Nur der Minister ließ sich abwimmeln

Hövelhof (WB). „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, heißt es in der Werbung immer so schön. Die Menschen in Hövelhof hatten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges aber gar keinen Apotheker im Ort, den sie fragen konnten. Erst 1945 und somit vor 75 Jahren eröffnete Robert Hufnagel die erste Apotheke – zunächst an der Allee, 1950 dann als Senne-Apotheke an dem Standort, den man heute noch kennt: direkt an der Hauptkreuzung.

Mittwoch, 04.03.2020, 07:00 Uhr
Im Keller der Senne-Apotheke sind noch viele alte Utensilien erhalten. 2002 hat Iris Christians die Apotheke von Werner Hufnagel (rechts), dem Sohn des Gründers, übernommen und betreibt sie zusammen mit ihrem Mann Thorsten. Foto: Oliver Schwabe

Ortchronistin Tanja Brake hat einige Daten zum Apotheken-Jubiläum gesammelt, und auch der Sohn des Gründers, Werner Hufnagel, der das Geschäft 1977 von seinem Vater übernahm und noch heute in dem Gebäude wohnt, hat viele Erinnerungsstücke zusammengetragen. Seit 2002 ist Ines Christians Inhaberin und führt die Senne-Apotheke zusammen mit ihrem Mann Thorsten.

Bis 1945 mussten Medikamente in Schloß Neuhaus besorgt werden

Bis 1945 mussten sich die Menschen aus der Sennegemeinde, meist zu Fuß oder mit dem Fahrrad, bis nach Schloß Neuhaus begeben, um Medikamente zu besorgen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte Hövelhof etwa 4000 Einwohner. Engagierte Bürger, allen voran der damalige Besitzer der Geha-Werke, Josef Henrichsmeyer, setzten sich für eine eigene Apotheke vor Ort ein.

Am 9. Juli 1945 wurde eine damals noch namenlose Apotheke als erste in Hövelhof auf Betreiben einiger engagierter Bürger als “Notapotheke” in der Allee eröffnet: im Bertramschen Haus gegenüber der Genossenschaft. Schon zwei Monate nach Kriegsende garantierte die Apotheke die Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigsten Medikamenten, was damals durchaus nicht selbstverständlich war. Der erste Inhaber war Apotheker Robert Hufnagel. 1949 kaufte Hufnagel dann ein Grundstück gegenüber der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk an der Hauptkreuzung, um die Senne-Apotheke zu bauen. Seither trägt sie die durchaus klangvolle Adresse „Schloßstraße 1“.

Der Apotheker hielt Mittagsschlaf

Die Genehmigung für die neue Apotheke wollte 1949 der damals zuständige Minister übrigens persönlich in Hövelhof vorbeibringen, die dazugehörige Anekdote ist inzwischen legendär: „Der Minister scheiterte an unserer Haushälterin, die ihm mitteilte, mein Vater halte gerade seinen Mittagsschlaf. Da musste er unverrichteter Dinge wieder abreisen“, schmunzelt Hufnagels Sohn Werner noch heute.

Sein Vater Robert eröffnete auch ohne Ministerbesuch seine Apotheke in neuen Räumlichkeiten im Frühjahr 1950. In Hövelhof war er unter anderem dafür bekannt, auch eigene Produkte herzustellen. „Hufnagels Halspastillen“ zum Beispiel waren vielen Menschen vor Ort ein Begriff, auch Abführmittel stellte er her. In den ersten Jahren waren Lieferungen etwas komplizierter. „Anfangs wurde die Apotheke noch per Linienbus beliefert, der aus Bielefeld kam“, erinnert sich Werner Hufnagel.

1965 wurde das Gebäude an der Schloßstraße um eine weitere Etage aufgestockt. Bis 1966 stand übrigens auch der Sockel des alten Ehrenmals noch neben der Apotheke, Ross und Reiter waren im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden. „Am 17. Juni 1966 wurde dann das neue Ehrenmal eingeweiht und der alte Sockel entfernt“, schildert Ortsheimatpfleger Carsten Teget­hoff.

Werner Hufnagel übernahm 1977

1977 übernahm Werner Hufnagel mit seiner damaligen Frau Christine die Apotheke von seinem Vater. 1979 und 1993 erfolgten weitere Umbauten. Seit 2002 führt nun Iris Christians die Geschäfte, auch ihr Mann Thorsten ist hier tätig. Inzwischen betreiben die beiden drei Apotheken, neben der Senne-Apotheke in Hövelhof seit 2006 auch die Thune-Apotheke in Sennelager und seit 2012 die Rosen-Apotheke im Delbrücker Stadtteil Ostenland. Insgesamt arbeiten in allen drei Apotheken 29 Mitarbeiter.

„Werner Hufnagel suchte damals über eine Annonce in einer Fachzeitschrift einen Nachfolger für die Senne-Apotheke, so hat es mich nach Hövelhof verschlagen“, erinnert sich Iris Christians, die ursprünglich aus Detmold stammt. Ihren Mann Thorsten, gebürtiger Ostfriese, lernte sie im Studium in Braunschweig kennen. Er war nach dem Studium zunächst als Apotheker bei der Bundeswehr beschäftigt. Inzwischen haben die beiden in Espeln gebaut und kümmern sich gemeinsam um die nun drei Apotheken. „Für viele Ältere heißt es immer noch: ‚Das gibt’s beim Hufnagel‘“, ist sich Iris Christians der besonderen Geschichte der Senne-Apotheke bewusst.

Inzwischen gibt es drei Apotheken im Ort

Seit 2018 können Kunden ihre vorbestellten Medikamente mit Hilfe eines Codes rund um die Uhr an der Schloßstraße aus kleinen Schließfächern abholen. Im Inneren er Apotheke gibt es inzwischen ein automatisches Lagersystem. Im Sommer ist zum 75-jährigen Jubiläum auch die ein oder andere Aktion geplant: „Das wird rund um den 9. Juli stattfinden, denn das war 1945 der offizielle Eröffnungstag der ersten Apotheke an der Allee“, sagt Iris Christians.

Heute können die inzwischen rund 16.500 Hövelhofer längst mehrere Ärzte und Apotheker um Rat fragen. Neben der Senne-Apotheke gibt es in Hövelhof nun auch die Ems-Apotheke an der Allee und die Eichen-Apotheke am Mergelweg. Kein Vergleich mehr zu 1945.

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