Hövelhofer hinterfragen Verkehrssituation und neue Wohnbebauung am Hollandsweg
Geplante Kita-Zufahrt in der Kritik

Hövelhof (WB). Wie soll die Zufahrt zur neuen Malteser-Kita am Hollandsweg funktionieren? Und warum werden hinter der Kita Bauplätze ausgewiesen? Etwa 70 Anwohner hatten am Mittwochabend viele Fragen an die Gemeindeverwaltung und den externen Planer.

Donnerstag, 24.10.2019, 20:00 Uhr
Auf dem Gelände im Vordergrund soll nach Abriss der alten Gebäude die Malteser-Kita für 110 Kinder in sechs Gruppen gebaut werden. Auf der Ackerfläche dahinter in Richtung Wilhörster Teich sollen Bauplätze ausgewiesen werden. Die Zufahrt zur Kita soll über den bisherigen Schotterweg rechts erfolgen, der ausgebaut werden soll. Foto: Oliver Schwabe

Bürgermeister Michael Berens, Bürgeramtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting, Carolin Rüther aus dem Bauamt, Thomas Fiebig vom Bielefelder Planungsbüro Drees und Huesmann sowie Malteser-Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod und drei seiner Mitarbeiterinnen waren in die Krollbachaula gekommen, um über das Projekt zu informieren.

Kita soll im August 2020 eröffnen

Die erste Malteser-Kita im Kreis Paderborn soll am Hollandsweg 83 entstehen. Geplant ist ein eingeschossiger Bau in U-Form, der Platz für sechs Gruppen und bis zu 110 Kinder bietet und am 1. August 2020 eröffnet werden soll. Die Malteser werden das Gebäude von einem Investor anmieten. Für Mitarbeiter und Eltern sollen etwa 25 Parkplätze entstehen. Der alte Baumbestand auf dem Grundstück soll weitestgehend erhalten bleiben, das Wohnhaus, das dort derzeit noch steht, wird abgerissen.

Schnell wurde deutlich: Das Interesse der Anwohner galt nicht dem Kita-Gebäude oder der Kindergartenbedarfsplanung der Gemeinde – sie sorgen sich um die Verkehrssituation rund um die neue Kita mit 110 Plätzen und kritisieren, dass hinter der Kita nun auch noch Bauplätze ausgewiesen werden sollen.

Stellungnahmen sind bis 31. Oktober möglich

» Nachdem der Grundstückskauf an der Delbrücker Straße gescheitert war , gab es nicht den einen Platz, der die Superlösung bietet. An den Kita-Standorten Schaten­straße und Schulstraße ist es auch eng und es funktioniert«, sagte Michael Berens. Bis Donnerstag, 31. Oktober, haben alle Bürger noch die Möglichkeit, die Planungsunterlagen im Rathaus einzusehen und Stellungnahmen dazu abzugeben. Diese Stellungnahmen werden dann im Bauamt ausgewertet und der Politik vorgelegt. Sollten sich wesentliche Änderungen des Konzepts ergeben, müssten die Pläne ein zweites Mal öffentlich ausgelegt werden.

Der Hollandsweg, der aus Richtung Ortskern von der Jägerstraße aus zunächst als Spielstraße und später als asphaltierter, aber schmaler und unbeleuchteter Wirtschaftsweg in Richtung des Kita-Grundstücks führt, soll nach Angaben der Gemeinde nicht als Zufahrt zur Kita dienen. Eltern und Mitarbeiter sollen stattdessen über die Sennestraße und dann auf Höhe der Mühlenschule über die Straße Am Wasserstrang und den Mühlenschulweg von hinten auf den Hollandsweg geleitet werden.

Schotterweg soll zunächst als Baustraße ausgebaut werden

Dort ist der Hollandsweg derzeit nur geschottert, soll aber ausgebaut werden. Eine Zufahrt zur neuen Kita über den Hollandsweg aus Richtung Ortskern oder über den Wilhörster Teich müsse gegebenenfalls durch das Aufstellen von Pollern unterbunden werden, sagte Bürgeramtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting. Carolin Rüther aus dem Bauamt ergänzte, die Überlegung sei, den derzeitigen Schotterweg zwischen Kita-Grundstück und Mühlenschulweg zunächst als Baustraße anzulegen: »Gespräche mit den Eigentümern dort laufen bereits, weil die Gemeinde Grundstücke kaufen müsste, um diese Straße anzulegen«, sagte Rüther.

Keine Kosten für die Anlieger

Auf Nachfrage der Anwohner betonte sie, für die Baustraße sollten keine Anliegerbeiträge nach dem Kommunalabgabegesetz (KAG) erhoben werden: »Die Baustraße würde die Gemeinde aus Haushaltsmitteln bezahlen.« Die Kosten für die Baustraße werden von der Gemeinde übernommen, da es sich um einen Wirtschaftsweg handelt.

Nachbarn verwiesen in dem Gebiet auf enge Kurven, schmale und unbeleuchtete Straßen, die »derzeit höchstens von 20 Autos am Tag befahren werden.« Ein Anwohner fragte, warum kein direkter Stichweg auf Höhe des Kita-Grundstücks von der Sennestraße aus genutzt oder gebaut werde, statt »eine Verkehrsführung von hintenrum um sieben Ecken« zu planen. Von der Sennestraße aus besteht am Gasthaus Kersting bereits ein schmaler Stichweg, der allerdings in Privatbesitz ist. »Wir haben uns am bestehenden öffentlichen Straßennetz orientiert«, sagte Bürgeramtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting.

Wohnbebauung hinter der Kita geplant

Auf wenig Gegenliebe stieß bei den Anwohnern zudem, dass hinter der Kita Wohnbebauung (drei bis vier Einzelhäuser/Doppelhaushälften) ermöglicht werden soll. Dabei handelt es sich um die derzeitige landwirtschaftliche Fläche hinter dem Kita-Grundstück. Das Kita-Grundstück hat ein Investor gekauft, der laut Gemeindeverwaltung nicht genannt werden möchte. Die landwirtschaftliche Fläche dahinter gehöre einer Erbengemeinschaft.

Planer Thomas Fiebig (Büro Drees und Huesmann) erläuterte, dass die Ausweisung dieser Bauplätze Voraussetzung dafür sei, hier im Außenbereich überhaupt eine Kita bauen zu dürfen, da er eine »bauliche Verbindung« zwischen der Kita und dem Wohnbereich Wilhörster Teich herstellen müsse. »Wie die Besitzer die Baugrundstücke vermarkten und wann und ob dort überhaupt gebaut wird, wissen wir nicht«, sagte Fiebig. Planerisch sei es aber unabdingbar, dort Bauland auszuweisen: »Der Außenbereich gibt es eigentlich nicht her, dass hier eine Kita gebaut werden kann. Das heißt, wir müssen das planerisch absichern, um das rechtssicher hinzukriegen. Wir müssen einen baulichen Zusammenhang zwischen dem Wilhörster Teich und dem Kita-Grundstück stricken«, sagte Fiebig. Michael Berens sagte zu, dort statt der geplanten zweigeschossigen Bauweise auf anderthalb Geschosse zu reduzieren.

Kommentar

Die Baupläne am Hollandsweg wirken mit der heißen Nadel gestrickt. Nachdem der Kauf des Areals an der Delbrücker Straße im Juli geplatzt war, musste schnell eine Lösung her, um es überhaupt noch schaffen zu können, die Kita im August 2020 zu eröffnen.

Die Auswahl an Grundstücken war sehr begrenzt. Gefunden hat man ein Areal, das idyllisch gelegen ist – die Zuwegung ist aber schwierig für den zu erwartenden Verkehr. Dass viele Eltern ihre Kinder zu Fuß oder mit dem Rad bringen, scheint gerade in dieser Lage Wunschdenken zu sein, zumal sämtliche Straßen, die zur Kita führen, weder beleuchtet sind noch einen Gehweg haben.

Für die neue Anfahrt über den jetzigen Schotterweg zwischen Kita und Mühlenschulweg muss die Gemeinde vermutlich für Grunderwerb und Straßenbau tief in die Tasche greifen. Deutlich wurde zudem, dass die Kita planungsrechtlich nur genehmigt werden kann, wenn parallel zwischen Kita und der Siedlung Wilhörster Teich Wohnbebauung ermöglicht wird, was die Nachbarn kritisch sehen.

Auch der Zeitplan klingt ambitioniert: Bis August sollen Kita und Baustraße fertig sein. Wann mit dem Bau begonnen werden kann, ist noch unklar. Ab August haben Eltern aber einen Rechtsanspruch auf die 110 Kita-Plätze. Da müssen alle Beteiligten sich wirklich »ranhalten«. Das sollte aber nicht dazu führen, dass vor lauter Zeitdruck Einwände und Bedenken nicht sorgfältig abgewogen werden. Meike Oblau

 

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