Hövelhofer Firma hilft Flüchtling bei Familienzusammenführung
Eine Wohnung fehlt noch zum Glück

Hövelhof (WB). Fast neun Jahre ist es her, seit Taklmaryam Kflay aus Eritrea nach Deutschland floh. Gelandet ist er in Hövelhof. Jetzt konnten auch endlich seine Frau und seine fünf Kinder nachkommen. Kflays Arbeitgeber, die Hövelhofer Firma Mecotec, möchte jetzt bei der Wohnungssuche helfen.

Dienstag, 24.09.2019, 19:00 Uhr
Fertigungsleiter Vitali Orlov (links) und Geschäftsführer Jörg Jogereit (rechts) zeigen Yonatan, Dyana, Ehefrau Sinait, Surafiel, Noad und Yosan Kflay, wo ihr Vater Taklmaryam (Vierter von links) arbeitet. Jetzt sucht die Familie eine Wohnung in der Sennegemeinde.

»Derzeit lebt die siebenköpfige Familie in zwei Zimmern in Räumen der ehemaligen Bücherei an der Bahnhofstraße. Ein Familienleben ist dort nur schwer möglich und auf dem Wohnungsmarkt in Hövelhof wird kaum etwas Passendes angeboten«, sagt Unternehmer Erik Pollmeier, der Taklmaryam Kflay seit Januar 2017 in seinem Unternehmen beschäftigt. Daher habe man sich nun gemeinsam entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

AN Deutschland schätzt Kflay vor allem die Freiheit

Unter großen Strapazen sei Taklmaryam Kflay im Jahr 2010 aus Eritrea in den Süd-Sudan geflüchtet, schildert Erik Pollmeier. Dann ging es weiter durch Libyen und mit dem Boot über das Mittelmeer nach Italien und weiter nach Deutschland. Schon seit 2014 sei Taklmaryam Kflay nun im Kreis Paderborn. »Über das Leben in den Flüchtlingsunterkünften will er gar nicht sprechen, aber er fühlt sich wohl, das spricht er ganz deutlich aus. Und was er an Deutschland schätzt: die Freiheit«, berichtet Erik Pollmeier.

Ehrenamtler aus dem Sprachcafé helfen

Seit 2016 lebt Taklmaryam Kflay nun in der Sennegemeinde. Über eine Bekannte Pollmeiers, Elke Ludwig, die sich ehrenamtlich im Hövelhofer Sprachcafé engagiert, sei der Kontakt zwischen der Firma Mecotec und Taklmaryam Kflay zustande gekommen, erinnert sich der Unternehmer. Mecotec ist ein familiengeführtes mittelständisches Unternehmen, das seit mehr als  30 Jahren deutschlandweit erfolgreich stanzt, biegt, formt und Stahl und Edelstahl zu Präzisionsteilen verbindet.

»Unter den mehr als 50 Mitarbeitern gibt es neben Jobs für Spezialisten auch genügend Arbeit, bei denen eine Anlernung für die jeweiligen Arbeiten reicht. Entscheidend sind die Motivation und das Qualitätsbewusstsein des Mitarbeiters«, sagt der Firmenchef. Auch zwei weitere Flüchtlinge sind bei ihm beschäftigt, darunter ein junger Mann aus Nigeria, der gerade seine Ausbildung bei Mecotec begonnen hat.

»Diese Menschen bringen Eigenschaften mit, die wir suchen!«

Inhaber Erik Pollmeier ist sehr zufrieden: »Wenn Menschen so viel auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen, dann wollen sie im Leben auch was erreichen. Diese Menschen bringen Eigenschaften mit, die wir suchen!«

Die Industrie- und Handelskammer (IHK), eine Anwältin und nicht zuletzt die sehr engagierten Helfer des Hövelhofer Sprachcafés standen dem Unternehmen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, denn natürlich gab es die ein oder andere juristische Klippe zu umschiffen.

Mit dem Firmen-Bulli vom Flughafen abgeholt

Abseits aller Bürokratie ist Taklmaryam Kflay jetzt froh, dass seine Familie endlich wieder bei ihm ist, die sich zuletzt in Äthiopien aufgehalten hatte. Erst seit zwei Wochen ist die Familie nun wieder vereint. Mit dem großen Firmen-Bulli fuhr ein Mitarbeiter von Mecotec mit Taklmaryam Kflay vor zwei Wochen nach Frankfurt. Zusammen holten sie seine Ehefrau Sinait und die fünf Kinder vom Flughafen ab. Bis auf die älteste Tochter Dyana werden die vier jüngeren Geschwister ab sofort Schulen in Hövelhof besuchen.

Die so genannte Familienzusammenführung bei anerkannten Asylbewerbern ist gesetzlich geregelt. Flüchtlinge, die nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt wurden, haben einen Rechtsanspruch auf Familiennachzug. Dieser Nachzug ist aber reglementiert, daher musste Taklmaryam Kflay auch so lange auf seine Familie warten: Es dürfen pro Monat nur bis zu 1000 enge Familienangehörige aus humanitären Gründen nach Deutschland einreisen – es liegen aber weit mehr Anträge vor.

Gesucht wird Wohnung mit Platz für sieben Personen

Nun geht es der Firma Mecotec darum, dabei zu helfen, für die Familie aus Eritrea bald eine größere Wohnung zu finden, damit sie die beengten Verhältnisse an der Bahnhofstraße nicht länger als nötig in Anspruch nehmen muss. Gesucht wird eine bezahlbare Wohnung für sieben Personen (etwa 100 Quadratmeter) im Bereich Hövelhof. Wer helfen kann, wird gebeten, sich an Erik Pollmeier, Firma Mecotec an der Industriestraße 38, Telefon 05257/97960, zu wenden.

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