Neubaukomplex des E-Centers in Hövelhof sorgt für Diskussionen
Wand wirkt wuchtig

Hövelhof (spi). Die Firma Lüning erweitert derzeit den bestehenden Elli-Markt zu einem E-Center und schafft damit in Hövelhof einen Verbrauchermarkt, der in der Sennegemeinde neue Maßstäbe setzen wird. Am derzeit entstehenden Rohbau äußern Hövelhofer Bürger allerdings Kritik. Grund: Der Komplex wirkt in den Augen der Kritiker ausgesprochen wuchtig, die Betonwand entlang der Bielefelder Straße ragt bis unmittelbar an den Geh- und Radweg heran.

Samstag, 24.08.2019, 00:00 Uhr
An der Bielefelder Straße ragt eine Seite des Neubaukomplexes bis hart an den dort verlaufenden Geh- und Radweg heran . Die Gemeindeverwaltung verweist darauf, dass der Kreis Paderborn den Bauantrag genehmigt hat.

Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT hat dies nun zum Anlass genommen, Stellungnahmen zum aktuellen Bau des E-Centers einzuholen.

Grüne: Fassade gestalten

Die Hövelhofer Grünen verweisen auf ihre bisherige Haltung zu dem Thema: »Wir waren die einzige Fraktion, die den Planungen so nicht zugestimmt hat, dies auch aufgrund der gesamten städtebaulichen Einschränkungen«, teilt Ratsmitglied Jörg Schlüter mit. »Die Grenzbebauung durch die Warenannahme war bekannt und kritikwürdig; dass das Projekt jetzt eine derart erdrückende Wirkung hat, übersteigt jedoch auch meine Erwartungen, bestätigt mich jedoch in der Ablehnung und auch in der damaligen Forderung nach entsprechenden verbindlichen Regelungen im Bebauungsplan sowie nach einem wesentlich breiterem Grünstreifen.«

Schlüter bemerkt außerdem, die Planzeichnungen seien »durchaus schick« gewesen, jedoch aus einer »für das Bauprojekt vorteilhaften Perspektive.« Die jetzige Ausführung sei im Ausschuss »so nicht besprochen worden«, meint er. Erhebliche Veränderungen an der Ursprungszeichnung seien aus seiner Sicht offensichtlich. Schlüter: »Der Bürgermeister und die CDU wollten unbedingt dem Investor den, Zitat, ›roten Teppich ausrollen‹. Dieses Entgegenkommen wird nun mit einer grauen Mauer beantwortet!« Der Ratsherr der Grünen geht allerdings davon aus, dass »Lüning im Rahmen der gültigen Vorgaben handelt«. Er fordert den Bauherrn dennoch auf, diese Fassade »in einer verträglichen Weise« zu gestalten. »Zur Not muss hier mit Beleuchtung oder Lichtkunst eine ansprechende Fassade gezaubert werden. Auf dem Dach ist übrigens genügend Platz, um den Strom dazu mit Photovoltaik herzustellen.«

CDU: Bau ist regelkonform

Anders beurteilt Udo Neisens (CDU) die Sachlage. Der Fraktionsvorsitzende bemerkt: »Der Rat hatte bei der Umbaumaßnahme die Aufgabe, Baurecht zu schaffen und die Verträglichkeit der Baumaßnahme mit dem kommunalen Einzelhandelskonzept sowie möglichen Einflüssen auf Märkte der Nachbarschaft abzuwägen. Hierzu ist das Gebiet des früheren Elli-Marktes inklusive der Erweiterungsflächen im Rahmen der Änderung des Bebauungsplanes in eine Sonderfläche für großflächigen Einzelhandel umgewandelt worden. Das Verfahren wurde im Februar 2018 eingeleitet und mit dem Satzungsbeschluss im September 2018 abgeschlossen. Der Bauantrag wurde im Frühjahr 2019 vom Kreis Paderborn genehmigt.«

»Nach den uns vorgelegten Planungen war bereits damals erkennbar, dass die Bebauung an die Grenze heranrücken wird und ist auch so beschlossen worden.« Weiter erklärte Neisens, es sei nicht ungewöhnlich, dass von der Projektskizze bis zur Ausführungsplanung noch Veränderungen im Detail (etwa die Versetzung von Fenstern) erfolge. An der grundsätzlichen Gestaltung des Baukörpers hätten sich wesentlich keine Veränderung ergeben, die von Ratsgremien hätten begleitet werden müssen. »Der Bau ist damit regelkonform«, meint Neisens, der noch anfügt: »Ich persönlich kann nachvollziehen, dass die hohe Betonwand des Rohbaus auf den Betrachter überraschend wirkt. Allerdings wird meines Erachtens die Gesamtwirkung des Baukörpers erst bei Fertigstellung deutlich. Die vom Rat festgesetzten Maßnahme zur Schaffung von Grünflächen und Bäumen auf der Parkplatzfläche werden das Gelände noch einmal aufwerten.«

SPD: Reaktion später

Von der SPD -Fraktion war aktuell keine Stellungnahme zu bekommen. Ratsmitglied Simon Farr kündigte eine Reaktion an, verwies aber darauf, die Angelegenheit an diesem Wochenende in der Fraktion zunächst koordinieren zu wollen.

FDP: »Nicht eingehalten«

Für die FDP erklärte André Klocksin: »Auch wir kritisieren die hohen wuchtigen Mauern und die zu geringen Abstände zum Rad-/Gehweg des Lüning-Gebäudes. Wir können uns auch nicht daran erinnern, dass die ursprünglich dem Rat vorgestellte Planung diesem Bau entspricht. Wenn sich ursprünglich vorgelegte Planungen, Skizzen oder andere Dokumente ändern, sollten diese Unterlagen auch erneut den entsprechenden Gremien zugeleitet werden.« Dies sei wiederholt nicht erfolgt, kritisiert FDP-Chef Klocksin die Verwaltung.

»Vorhaben genehmigt«

Die Gemeindeverwaltung hat folgende Erklärung abgegeben: »Das Vorhaben entspricht den Vorgaben des Bebauungsplanes und wurde vom Kreisbauamt entsprechend genehmigt.« Hinsichtlich der Optik, sprich zur äußeren Gestaltung des Komplexes, verwies die Gemeindeverwaltung an die Firma Lüning in Rietberg. Lüning hatte am Freitag, 23. August, auf die Anfrage zur Stellungnahme noch nicht geantwortet.

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