Nena begeistert 5000 Zuschauer und lässt 99 Luftballons steigen
Wiederhören mit alten Bekannten

Hövelhof (WB). Die 16.000-Einwohner-Gemeinde Hövelhof ist ein neuer Leuchtturm für Open-Air-Konzerte in OWL. Der Verein Sennekult hat mit Deutschrockerin Nena für 5000 Zuschauer die weltweit erfolgreiche Hymne »99 Luftballons« steigen lassen. Ein Top-Event, das auf eine Zugabe hoffen lässt.

Montag, 05.08.2019, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 08:50 Uhr
»Hövelhof! Singen!« Sängerin Nena (59) gibt knappe Anweisungen – und das Publikum in Hövelhof gehorcht ihr fast immer aufs Wort. Foto: Oliver Schwabe

Nena singt beim Senne Open Air

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  • Nena singt beim Senne Open Air
Foto: Oliver Schwabe
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Sie hüpft, sie springt, sie tanzt wie eh und je. Harte Gitarrenriffs fetzen durch die Nacht. Mal klingt sie wild, dann wieder schmalzig. Die 59-jährige Sängerin im knallroten Glitzerblazer und knallengen schwarzen Hosen, die seit 40 Jahren auf der Bühne steht, hat nichts von ihrer Attraktivität eingebüßt. Das weiß auch das Publikum zu schätzen, das in Scharen gekommen ist, um abzufeiern.

Trotzdem dauert es dann doch einige Zeit, bis der Funke überspringt. »Hövelhof, ihr singt leiser als andere Städte«, ruft Nena nach den ersten Songs. Tatsächlich übt sich das Publikum in ostwestfälischer Zurückhaltung. Womöglich ist das einfach nur technisch bedingt. Nenas Stimme scheint nicht optimal abgemischt, dringt nicht deutlich genug durch. Immer wieder zuppelt sie an ihrem Mikrofonsender auf dem Rücken. »Man versteht gar nicht, was sie singt«, ist eine junge Zuschauerin enttäuscht. Sie selbst war noch nicht einmal auf der Welt, als Nena mit »Nur geträumt« (1982) ihren ersten Hit und mit »99 Luftballons« (1983) den Durchbruch schaffte. Mit der Enttäuschung ist die junge Dame aber nicht allein. Es dauert fast eine Dreiviertelstunde, bis der Ton passt – schade! Hat der Tontechniker vielleicht »Nur geträumt«? Um es mit einem Nena-Song zu sagen: »Dafür ist das Leben zu kurz«, um sich zu ärgern.

Echte Nena-Fans

Das meinen auch die echten Nena-Fans, die sich nicht davon abhalten lassen, ihrem Idol zuzujubeln. An diesem Abend gibt es ein Wiederhören mit vielen alten Bekannten. Bei »Leuchtturm« zeigt sich das Publikum dann endlich auch mal textsicher – »Ich geh mit Dir wohin Du willst« schallt es aus 5000 Kehlen – während die Musiker die Klangfarbe des Hits in mehreren Varianten darbieten – ein Live-Erlebnis, wie man es sich eben wünscht. »Wunder geschehen« ist an diesem Abend der Gänsehaut-Garant.

Wo früher Feuerzeuge brannten, leuchten die Handy-Displays am Nachthimmel. Die Masse bewegt sich zum Rhythmus. Nena schmelzt mit ihrer Ballade förmlich dahin. Das gefällt auch den drei Chefinnen der Detmolder Brauerei: Friederike und Simone Strate lassen sich zusammen mit ihrer Mutter Renate (84) das Ereignis nicht entgehen und sind begeistert. Zusammen mit Sinalco-Inhaber Hermann Hövelmann, eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Getränkebranche, genießen sie den Abend.

Punk-Einlage in rotem Licht

Denn Nena kann auch anders: Für eine krasse Punk-Einlage verlässt sie die Hauptbühne und wechselt auf ein Podest mitten im Publikum. In Nebelschwaden und rotes Licht gehüllt rockt sie, was das Zeug hält und liegt sich nach »Manchmal ist ein Tag ein ganzes Leben« mit ihren Musikern in den Armen. Den Übergang gestaltet niemand anderes als Nenas Sohn Sakias, der mit »Weißes Schiff« seine Gesangsqualitäten unter Beweis stellt. Sakias hat eine soulige Stimme, die ein wenig an Xavier Naidoo erinnert. Seine prominente Mama braucht er aber offenkundig nicht für seine Gesangskarriere. Auch die nötige Bühnenpräsenz ist vorhanden.

Endlich kommen die »99 Luftballons«: Nena schmeißt zwei Gigabälle unter die Leute, die die aufgedruckte Botschaft gerne weitergeben: »Love« ist dort zu lesen. Das passt bestens zu der Festivalstimmung. Nenas Appell ans Publikum »Singen!« ist nicht nötig. Nach einigen Zugaben und 100 Minuten Nonstop-Unterhaltung kommt der Song »Wir gehören zusammen« – eine klare Botschaft an ihre Fans.

Eine wahre Meisterleistung haben an diesem Abend aber die Ehrenamtlichen des Vereins Sennekult vollbracht. Seit zehn Jahren gibt es den Verein, doch einen Star dieser Größenordnung hatten die Hövelhofer nun erstmals zu Gast. Bürgermeister Michael Berens ist sichtlich stolz auf das Team, das mit 120 Helfern für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat. »Das hat alles professionell geklappt«, lobt er. Wann es eine Wiederholung gibt? Da kann es nur eine Antwort geben: »Irgendwie, irgendwo, irgendwann...«

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