Reaktionen auf Ausschluss von einer Klassenfahrt – Fernsehdreh in Hövelhof
Klocksin: »Elementare Grundrechte verletzt«

Hövelhof (WB). »Ist das Wort Inklusion an der Krollbachschule und das Zertifikat ›familiengerechte Kommune‹ für die Gemeinde Hövelhof nur ein Papiertiger?« Mit dieser Frage reagiert FDP-Ratsherr André Klocksin auf die Nachricht, dass die Krollbachschule eine Schülerin mit Handicap von einer Klassenfahrt ausgeschlossen hatte. Janine Mantei und ihre Eltern hatten sogar Besuch vom Fernsehen – das Thema schlägt hohe Wellen.

Dienstag, 02.04.2019, 20:00 Uhr
Janine Mantei und ihre Mutter Stefanie wurden am Dienstag für einen Fernsehbeitrag gefilmt. Foto: Meike Oblau

Die Krollbachschule ist eine städtische Schule. Auf Anfrage teilte die Gemeindeververwaltung mit: »Zu einer Stellungnahme zu dieser schulinternen Angelegenheit sehen wir uns außerstande und verweisen an die Bezirksregierung. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes können wir keine Details mitteilen.« Die Bezirksregerung ihrerseits verwies auf die Krollbachschule, deren Schulleiter sich am Dienstag nicht mehr zu Wort meldete. Am Montag hatte auch er im Hinblick auf Persönlichkeitsrechte keine Fragen zu dem Fall beantwortet.

Auch beim Ersatzunterricht hakt es

Wie berichtet hatten Stefan und Stefanie Mantei zwei Wochen vor einer Klassenfahrt erfahren, dass ihre Tochter Janine (12) nicht mitfahren könne, weil die Schule die Betreuung nicht sicherstellen könne. Zahlreiche Leser äußerten sich empört über den Ausschluss der Sechstklässlerin, die seit Montag nun ersatzweise den Unterricht einer fünften Klasse besuchen muss. »Und nicht mal das klappt reibungslos«, sagte ihr Vater Stefan Mantei. »Die Lehrerin, deren Unterricht Janine besuchen sollte, wusste von nichts, und der Ersatzstundenplan, der Freitag ausgegeben wurde, wurde am Montag schon wieder geändert.«

FDP-Ratsherr André Klocksin kommentiert: »Der Artikel macht mich sehr betroffen. Diese Geschichte muss uns äußerst nachdenklich stimmen. Im Haushalt sind zum Beispiel Zuschüsse für den Familienpass und für Kinder in Notlagen eingeplant. Geld für eine Betreuung wäre vorhanden gewesen. Selbst wenn andere Stellen kein Geld zur Verfügung gestellt hätten, hätte sich zumindest finanziell auf Gemeindeseite eine Lösung finden lassen.«

»Da gibt es nichts schön zu reden«

Klocksin sieht in der Entscheidung der Krollbachschule »elementare Grundrechte verletzt«, der Tatbestand der Diskriminierung sei erfüllt: »Da gibt es auch nichts schön zu reden. Gerne werden sich jetzt alle darauf berufen, dass es sich hier um eine Schulangelegenheit handelt – aber so einfach ist es nicht!« Die Gemeinde Hövelhof wolle »familiengerechte Kommune« sein und sei dafür zertifiziert worden: »Ein Papiertiger? Ich denke ja«, schreibt Klocksin. »So lange wir mit solchen Fällen konfrontiert werden, sind wir noch lange nicht am Ziel. Wir müssen uns fragen, ob das Verhalten aller Beteiligren moralisch vertretbar war.«

Zahlreiche Leser meldeten sich in der Redaktion und boten an, Freizeitaktivitäten mit Janine zu organisieren. Die Familie zeigte sich von der Anteilnahme überwältigt.

Kommentare

Matthias  wrote: 03.04.2019 19:22
Inklusion zum Üben
Da sieht man wie weltfremd die politik ist.
Inklusion für alle Kinder mit handycap bzw. behinderung. Da mum das Kind in einer andere klasse die zeit absitzen mit ihren "neuen klassenkameraden" die ja bestimmt wissen was da gelaufen ist. Da ist doch der Spott und das hänseln vorprogrammiert. Das Lehrerkollegium sollte mal eine Schule für Körberbehinderte besuchen. Gibt es in Paderborn. Dann könnten Sie mal sehen das es geht mit handycap bzw.Behinderung auch mal was zu unternehmen. Und dort sind Kinder mit mehrfachen behinderung .
Aber die Zeit dazu ist das Problem heißt es dann wahrscheinlich.
Ich wünsche dem Mädchen alles gute und Stärke für das was nun bestimmt noch auf sie zu kommt.
Manuela  wrote: 03.04.2019 09:49
Kein Aprilscherz
Als erstes dachte ich an eine "Ente" oder Aprilscherz". Aber tatsächlich gibt es noch Mittelaltermethoden. Wo ist das Leitbild einer modernen und professionellen Schulleitung? Ich kann es nicht fassen.
"Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes können wir keine Details mitteilen.« Die Bezirksregerung ihrerseits verwies auf die Krollbachschule, deren Schulleiter sich am Dienstag nicht mehr zu Wort meldete. Am Montag hatte auch er im Hinblick auf Persönlichkeitsrechte keine Fragen zu dem Fall beantwortet." Zitat aus dem vorangegangenen Bericht!
Ein Skandal bahnt sich hier an. Keiner fühlt sich für die Misere Verantwortlich. Dieser Einzelfall macht Schlagzeilen. Aber was ist mit den täglichen Konfrontationen an der Schule? Die verantwortlichen spielen die Vorfälle oft herunter.Wer von Diskriminierung betroffen ist, darf nicht allein gelassen werden.
Die Frage ist:
Wer bietet Vertraulichkeit, eine unvoreingenommene Position und tatsächliche Unterstützung an?
Wer kann konkret helfen?
Im Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrern und Schülerinnen ist das oft sehr schwierig. Man wird den Eltern wahrscheinlich sagen:
Ihre Tochter ist aber auch nicht ganz einfach, sie ist eine schwache Schülerin, oder sie bildet sich Sachen ein um sich interessant zu machen. Der Leidtragende ist doch immer der Schüler oder Schülerin. Die Schulleitung hat hier im System versagt. Im Gesetz ist verankert: Die wichtigste Forderung an die Schulleitung ist, sich über das vertretene Konzept von Schule und Unterricht, von Bildung und Erziehung einschließlich Inklusion klar zu sein.
Des weiteren ein integratives Führungskonzept in der Schule geht von einer klaren pädagogischen Zielorientierung aus und ist zu pädagogischen Werten verpflichtet.
Leider nur auf Papier...………………………...

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