Flüchtlingsberatung: Hövelhofer Opposition hatte Vollzeitstelle gefordert
Integrationsbüro mit halber Kraft

Hövelhof (WB). Zum 1. September soll ein Integrationsbüro des Malteser-Hilfsdienstes in Hövelhof eröffnen. Finanziert wird die Beratungsstelle von der Gemeinde Hövelhof, die dafür Mittel aus der Integrationspauschale des Landes NRW nutzen will.

Samstag, 14.07.2018, 16:30 Uhr
Die Flüchtlinge in Hövelhof sind unter anderem in Unterkünften an der Bielefelder Straße untergebracht. Foto: Jörn Hannemann

Im Gemeinderat hatte sich am Donnerstagabend eine lebhafte Diskussion entwickelt. Die Notwendigkeit des Integrationsbüros stellte keiner der Politiker in Frage, wohl aber den Zeitpunkt dieses Beschlusses und auch die Tatsache, dass lediglich ein Mitarbeiter mit einer halben Stelle in diesem Büro arbeiten soll.

Grüne hatten bereits drei ähnliche Anträge gestellt

Marcus Praschan (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits dreimal einen Antrag zur Aufstockung des Verwaltungspersonals zur Flüchtlingsbetreuung gestellt hatte: »Zuletzt hat uns Amtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting in der Sitzung im Dezember gesagt, dass es gar keine Probleme gebe und zusätzliches Personal nicht nötig sei. Jetzt wird eine halbe Stelle geschaffen. Andere Kommunen haben bei gleicher Flüchtlingszahl mindestens eine Vollzeitstelle. In welcher Welt leben Sie eigentlich und woher kommt jetzt dieser Sinneswandel? Sie tragen die Problematik weiterhin auf dem Rücken der Ehrenamtlichen aus!«

»Ehrenamtler sind an ihren Grenzen angekommen«

Die freiwilligen Helfer des Sprachcafés hatten sich nach Angaben von Bürgermeister Michael Berens an die Verwaltung gewendet und um hauptamtliche Unterstützung gebeten: »Die Helfer im Sprachcafé nehmen uns viel Arbeit ab, auch im sozialen Bereich, aber sie haben uns signalisiert, dass sie an ihre Grenzen gekommen sind.«

Bürgeramtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting hatte im Dezember, als der Antrag der Grünen abgelehnt worden war, von insgesamt 119 Flüchtlingen gesprochen, die aktuelle Anzahl gibt sie mit 132 an. Nach der Auflösung der Landesunterkunft in Staumühle bekommt Hövelhof seit vergangenem Herbst »gemeindeeigene« Flüchtlinge zugewiesen. »Wir brauchen jetzt einen festen Ansprechpartner für die Flüchtlinge als erste Anlaufstelle. Ich würde da jetzt nicht von Sinneswandel sprechen. Wir haben im Dezember gesagt, dass wir laut geben, wenn sich Bedarf ergibt und das in ein konkretes Konzept umgewandelt werden kann – und das ist jetzt der Fall.«

Neuer Mitarbeiter soll pro Woche 19,5 Stunden im Einsatz sein

Das Angebot der Malteser, die auch bereits die Flüchtlinge in Staumühle betreut hatten, umfasse eine Stelle mit einer Stundenzahl von 19,5 Wochenstunden. Gedacht sei an eine Person, die bereits in Hövelhof in der Flüchtlingsbetreuung tätig gewesen sei und die Strukturen kenne. Diese solle sowohl mit festen Sprechzeiten im Rathaus als auch in einer Art Außendienst für die Flüchtlinge da sein. Der Stellenumfang sei mit den Ehrenamtlichen des Sprachcafés abgesprochen.

Neben den Grünen sprachen sich auch die FDP und die SPD dafür aus, gleich eine Vollzeitstelle einzurichten. Die CDU widersprach. »Das Sprachcafé ist auf die Verwaltung zugegangen und jetzt liegt eine Lösung auf dem Tisch«, sagte Ratsherr Wilfried Lappe. »Ich bin mir sicher, dass Frau Schäfers-Schlichting die Flüchtlingszahlen und die Probleme und Sorgen der Menschen im Blick behält, und wenn sich der Bedarf erhöht, dann werden wir eine neue Beschlussvorlage bekommen und bedarfsorientiert und pragmatisch handeln.«

Während die Opposition geschlossen dafür stimmte, gleich eine Vollzeitstelle zu schaffen, stimmte die CDU-Mehrheitsfraktion dem Vorschlag der Verwaltung vor, eine Stelle mit 19,5 Wochenstunden vom 1. September an zu schaffen und diese auf zwei Jahre zu befristen. Für 2018 werden dazu nachträglich 10.069 Euro im Haushalt bereit gestellt.

Kommentar

Die Erkenntnis kam spät, aber sie kam: Nachdem im Dezember ein Antrag der Grünen noch abgelehnt wurde, neue Mitarbeiter für die Integration von Flüchtlingen einzustellen, ist jetzt in der Verwaltung offenbar doch die Erkenntnis gereift, dass ein »Wir schaffen das« alleine nicht ausreicht. Zu sehr hatte man sich offenbar in den vergangenen Monaten auf die Ehrenamtler verlassen – so lange, bis die lautstark kundtaten, dass es so nicht mehr weitergeht. Ein ehrenamtlich betriebenes Sprachcafé kann nicht der richtige Ort für weitergehende Beratungen und Problemlösungen sein. Das kann Ehrenamt nicht leisten. Den von der Opposition benutzten Begriff »Sinneswandel« wies die Amtsleiterin zwar von sich – aber wie will man es sonst nennen, wenn sie im Dezember bei 119 Flüchtlingen gesagt hatte, es sei kein weiteres Personal nötig, während es ein halbes Jahr später bei 132 Flüchtlingen plötzlich personell »brennt«? Gut, dass das Integrationsbüro bald kommt, dennoch muss aber die Frage erlaubt sein: Warum denn erst jetzt? Meike Oblau

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