Westtangente: Hövelhofer Bürgermeister soll Gespräche mit dem Land intensivieren »Historischer Beschluss« zur Ortsumgehung

Hövelhof (WB). Quasi mit einer »großen Koalition« hat der Rat der Gemeinde Hövelhof Bürgermeister Michael Berens beauftragt, Gespräche über eine mögliche Ortsumgehung mit dem Land NRW zu intensivieren. CDU und SPD stimmten dafür, die FDP enthielt sich. Die Grünen stimmten dagegen, vor allem deshalb, weil sie das Thema vorher gerne noch im zuständigen Bauausschuss intensiver beraten hätten.

Von Meike Oblau
Der Hauptknotenpunkt in Hövelhof ist die große Kreuzung Paderborner Straße/Schloßstraße/Allee. Durch eine mögliche Ortsumgehung könnte der Ortskern der Sennegemeinde deutlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden.
Der Hauptknotenpunkt in Hövelhof ist die große Kreuzung Paderborner Straße/Schloßstraße/Allee. Durch eine mögliche Ortsumgehung könnte der Ortskern der Sennegemeinde deutlich vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

»Wir wollen heute noch nicht über Trassenverläufe und Flächen reden, sondern erst einmal ein politisches Signal senden«, warb CDU-Fraktionsvorsitzender Udo Neisens um Zustimmung für den Vorstoß seiner Partei . Immer wieder habe man in den vergangenen Jahren in Düsseldorf nachgefragt, ob es vorstellbar sei, die Pläne für eine Umgehungsstraße in Hövelhof wieder aus der Schublade zu holen: »Jahrelang war das nicht vorstellbar, aber jetzt haben wir von der Landesregierung das Signal bekommen, dass man sich diesem Thema wieder widmen möchte und wir erkennen, dass unser Gesprächspartner sich gerade öffnet. Daher sollten wir als Rat das Signal senden, dass wir diese Gespräche intensivieren möchten«, führte Neisens aus.

Erste Planungen stammen aus dem Jahr 1975

Bereits 1975 war über eine solche Straße, damals unter dem Titel »Westtangente«, gesprochen worden. Grob gesagt ging es dabei darum, vor allem den aus Gütersloh/Verl kommenden Verkehr bereits vor dem heutigen Kreisel Gütersloher/Bielefelder Straße um den Ortskern herumzuleiten, auf einer Trasse über die Delbrücker Straße bis hin zur Mühlensenner Straße. Nach dem Bau der A33 wurden diese Überlegungen nicht weiterverfolgt und sind auch nicht mehr Bestandteil des heute gültigen Flächennutzungsplanes.

Udo Neisens befürchtet, dass der Verkehr im Ortskern immer weiter zunimmt und bezeichnete die Schloßstraße als »Flaschenhals«: »Bis eine solche Umgehung möglicherweise kommt, wird es sicher viele, viele Jahre dauern, aber wenn wir das Thema jetzt nicht anpacken, wann dann?« Mario Schäfer von der SPD signalisierte, seine Partei sei für dieses Thema immer offen gewesen, Benjamin Joachim (FDP) hinterfragte, warum man sich bereits jetzt auf eine Westtangente festlege und nicht erst noch andere Möglichkeiten untersuche. Bürgermeister Michael Berens entgegnete, dass der meiste Verkehr aus Richtung Gütersloh/Verl nach Hövelhof hineinströme: »Das können wir nur über eine Westtangente abfangen.« Jörg Schlüter (Grüne) wünschte sich Beratung im Bauausschuss und wollte externe Experten hinzuziehen, was abgelehnt wurde. Nach dem mehrheitlich positiven Votum zugunsten einer möglichen Westtangente sprach Udo Neisens von einem »historischen Beschluss«.

Schloßstraße auch kurzfristig entlasten

CDU und SPD beantragten zudem, mit Straßen NRW auch über kurzfristige Maßnahmen zur Entlastung der Schloßstraße zu sprechen. Vorschläge sind zum Beispiel eine mögliche bessere Kopplung der Ampelschaltungen an der Hauptkreuzung und an der Fußgängerampel am Rathaus und eine erneute Prüfung eines Lkw-Durchfahrtsverbots. Das könnte eventuell zumindest so lange möglich sein, wie auf der A33 kein Stau herrscht – denn bei einer Sperrung der Autobahn wäre die Schloßstraße offizielle Umleitungsstrecke. Mit digitalen Verkehrsdisplays könnte das aber möglicherweise flexibel geregelt werden – dann würde der Lkw-Verkehr durch Hövelhof eben nur freigegeben, wenn die Autobahn »dicht« ist.

Zoff um Schadstoffmessungen

Der von den Grünen eingereichte Antrag, noch einmal die Schadstoffbelastung an der Schloßstraße zu messen, wurde auf Antrag der SPD vertagt, um zunächst einmal zu ermitteln, was eine solche Messung kosten würde. »Vielleicht könnten neue Messwerte ja sogar zusätzliche Argumente für das gewünschte Lkw-Verbot im Ortskern liefern«, sprang SPD-Ratsherr Simon Farr den Grünen bei, nachdem die CDU den Grünen-Antrag heftig kritisiert hatte. »Bei der ersten Messung haben die Grünen offenbar nicht die Messwerte bekommen, die sie sich erhofft hatte«, sagte David Merschjohann, »wir können nicht so lange messen, bis das Ergebnis passt.« Jörg Schlüter (Grüne) entgegnete, diese »unverschämte Unterstellung« sei »an Bösartigkeit kaum zu überbieten«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.