Immer mehr Kinder wollen Abitur machen
Hövelhof diskutiert wieder das Schulsystem

Hövelhof (WB). Die Anmeldezahlen zu den weiterführenden Schulen haben in Hövelhof zu einer erneuten Diskussion über das Schulsystem geführt. Hauptamtsleiter Thorsten Langemeier überraschte am Dienstag im Ausschuss für Bildung und Jugend mit der Aussage, er habe mit der Bezirksregierung die Möglichkeit diskutiert, in Hövelhof ein Gymnasium zu gründen. Bislang hatte die Verwaltung keinen Anlass gesehen, am bestehenden System etwas zu ändern.

Donnerstag, 12.04.2018, 11:00 Uhr
Immer mehr Viertklässler werden von ihren Eltern auf einer weiterführenden Schule außerhalb Hövelhofs angemeldet. Foto: dpa/Patrick Seeger

Wie berichtet hatten sich fürs Schuljahr 2018/19 72 Kinder (drei Eingangsklassen) an der Franz-Stock-Realschule und 35 an der Krollbachschule (zwei Klassen) angemeldet. Darin enthalten sind aber auch Anmeldungen von Kindern aus anderen Städten. Von insgesamt 171 Hövelhofer Viertklässlern wählten 18 (10,4 Prozent) die Krollbachschule, 43 (24,9 Prozent) die Realschule. Allerdings entschieden sich 74 Hövelhofer (42,8 Prozent) für ein auswärtiges Gymnasium und 32 (18,5 Prozent) für auswärtige Gesamtschulen.

Einzige Hauptschule mit zwei Eingangsklassen

Thorsten Langemeier sagte, in ganz OWL gebe es nur fünf Hauptschulen, die noch neue Eingangsklassen bildeten. Von diesen fünf Hauptschulen sei die Krollbachschule die einzige in OWL, die sogar zwei Eingangsklassen bilden könne. CDU-Fraktionschef Udo Neisens wertete die Anmeldezahlen als »Run« auf die Haupt- und Realschule.

Die Oppositionsparteien sahen das anders und wiesen darauf hin, dass die Zahl der Kinder, die nach der Grundschule außerhalb Hövelhofs unterrichtet würden, seit Jahren ansteige. Zum neuen Schuljahr gehen 64,7 Prozent aller Hövelhofer Fünftklässler in anderen Kommunen zur Schule (2017 waren es 59,4 Prozent, 2016 56,7 Prozent). »Ich sehe in diesen Anmeldezahlen einen klaren Trend zu Schulformen, die zum Abitur führen. Da wird doch mit den Füßen abgestimmt«, sagte Jörn Achtelik von den Grünen.

Farr: »Das Thema neutraler angehen«

Simon Farr (SPD) wünschte sich, die Verwaltung würde nicht so viel Energie darauf verwenden, zu sagen, warum eine Gesamtschule nicht funktionieren könne: »Es ist sehr schade, dass man an dieses Thema nicht neutral rangeht, sondern versucht, die Richtung vorzugeben. Der Wunsch nach dem Abitur ist auch in Hövelhof ganz stark gestiegen und mit diesem Trend sollten wir uns auseinandersetzen.« Das fand auch Benjamin Joachim (FDP): »Warum agieren wir nicht jetzt, statt später nur noch reagieren zu können?«

Bürgermeister Michael Berens bestätigte einen wachsenden Trend zum Gymnasium. »Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir diese Nachfrage auch befriedigen können, aber Hövelhof ist nicht groß genug.« Thorsten Langemeier sagte, er habe mit der Bezirksregierung über eine mögliche Gründung eines Gymnasiums gesprochen, dafür seien über fünf Jahre gesehen aber jedes Schuljahr 84 Neuanmeldungen aus Hövelhof notwendig. Die jetzt folgenden Jahrgänge seien aber nur um die 150 Kinder stark. »Das reicht wahrscheinlich für ein Gymnasium nicht aus.«

Verwunderung in der Opposition

Die Opposition reagierte verwundert auf die Information, dass die Gemeindeverwaltung offenbar plötzlich über ein Gymnasium nachdenkt. »Das ist doch für Hövelhof gar nicht geeignet, in den Diskussionen ging es doch immer um eine Gesamtschule und das Auslaufen von Real- und Hauptschule. Für ein Gymnasium neben den bestehenden Schulen ist tatsächlich weder Bedarf noch Raum da«, sagte Benjamin Joachim.

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