Hövelhofer Justizvollzugsanstalt legt Jahresstatistik 2017 vor
Zahl der flüchtigen Häftlinge steigt

Hövelhof (WB). Die Statistik der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hövelhof hat sich 2017 unauffällig gestaltet – bis auf eine Ausnahme. Und über die ist Anstaltsleiterin Elke Junge­blodt nicht glücklich: »Wir hatten leider eine deutlich höhere Anzahl an Häftlingen, die verspätet oder gar nicht vom Freigang zurückgekehrt oder geflüchtet sind«, berichtete Junge­blodt am Montag auf der Jahrespressekonferenz der JVA.

Dienstag, 10.04.2018, 08:00 Uhr
Stellten im Namen des Anstaltsbeirates die Bilanz der JVA Hövelhof für das Jahr 2017 vor (von links): Klaus Geismann, Hiltrud Meiwes-Klee, André Nienaber, Elke Jungeblodt, Daniel Sieveke, Günter Lintemeier, Jonas Nagel und Wolfgang Mann. Foto: Meike Oblau

Im Jugendgefängnis im Ortsteil Staumühle verbüßen die Gefangenen ihre Strafen im offenen Vollzug – und manche nutzen die ihnen zugestandenen Freiheiten über das erlaubte Maß hinaus aus. Dabei unterscheidet die Statistik zwischen jenen, die von einem erlaubten Freigang nicht oder zu spät zurückkehren und jenen, die sich komplett ohne Erlaubnis vom JVA-Gelände entfernen. Letzteres wird als Flucht gewertet.

26 Häftlinge ergriffen 2017 die Flucht

Nun ist es nicht so, dass in Hövelhof jährlich hunderte Gefangene nicht vom Freigang zurückkehren oder flüchten – aber ihre Zahl wächst. Während es 2016 bei 2550 Freigängen nur 23 Mal vorkam, dass ein Jugendlicher nicht zurückkehrte (die so genannte Missbrauchsquote lag bei 0,9 Prozent), hat sich diese Zahl im vergangenen Jahr auf 47 bei 2814 Ausgängen (Quote: 1,7 Prozent) immerhin mehr als verdoppelt. Geflüchtet sind im vergangenen Jahr 26 Häftlinge (Vorjahr: 16). »Wir werten es zunächst mal als statistischen Ausreißer, werden das aber auf jeden Fall im Blick behalten«, sagte Elke Jungeblodt am Montag gegenüber der Presse und den Vertretern des Anstaltsbeirates.

Der spektakulärste Fall ging kurz vor Weihnachten durch die Medien: Damals hatte ein Hövelhofer Häftling, der schon seit September gesucht worden war, eine Tankstelle in Oelde überfallen. Der Tankstellenbesitzer hatte den maskierten Räuber in die Flucht geschlagen, indem er Bierdosen nach dem 21-Jährigen warf. Der junge Mann konnte kurz darauf festgenommen werden. »Wer unsere Regeln so ausnutzt, bekommt deutliche Konsequenzen zu spüren«, sagt Elke Jungeboldt, »wer beim Freigang straffällig wird oder deutlich zu spät zurückkommt, wird in den geschlossenen Vollzug verlegt. Diese Konsequenzen müssen auch unsere anderen Häftlinge merken, damit sie sehen, dass ein solches Fehlverhalten nichts bringt.«

2017 gab es in der Hövelhofer JVA 298 Neuaufnahmen (Vorjahr: 268) und 18 Verlegungen von Häftlingen, die zuvor im geschlossenen Vollzug untergebracht waren. Die durchschnittliche Verweildauer liegt bei unter zwölf Monaten.

Anteil von Ausländern und Aussiedlern bei 21 Prozent

Insgesamt bietet die JVA Platz für 239 Häftlinge und 29 Pflegegefangene, 2017 waren im Schnitt 166 Plätze (2016: 139) belegt. Die Zahl der neu aufgenommenen Ausländer lag bei 56 (19 Prozent, im Vorjahr 58/21 Prozent), die der neu aufgenommenen Aussiedler bei sieben (2 Prozent, gleich viele wie 2016). Nahezu gleich geblieben ist die Zahl der positiven Befunde nach Drogenscreenings (416 bei 1419 Screenings, vor allem Cannabis).

Zahlreiche Gefangene nahmen an schulischen und beruflichen Bildungsmaßnahmen teil, teilweise im Gefängnis, teilweise im Schulunterricht in Paderborn oder in Betrieben außerhalb der JVA. Aufgrund der durchschnittlichen Verweildauer von unter zwölf Monaten mache es meist keinen Sinn, Ausbildungen anzufangen. Daher würden vor allem Qualifizierungsmaßnahmen und Einzelmodule angeboten: »Nachgefragt sind zum Beispiel der Führerschein für den Gabelstapler oder der Schweißerschein, aber auch Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Küche, Gärtnerei, Schlosserei oder Tischlerei«, sagte der stellvertretende Anstaltsleiter Klaus Geismann.

Renovierung im Sommer geplant

Im Sommer soll eine komplette Abteilung der JVA renoviert werden: »Dafür ziehen wir diese Abteilung jetzt nach und nach leer«, berichtete Elke Jungeblodt. Weitere Projekte seien für 2018 geplant, aber noch nicht spruchreif.

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