Catering-Team des Studierendenwerks stellt sich in Staumühle auf den Ramadan ein Frühstück gibt’s morgens um 4

Staumühle (WB). Moslems in der ganzen Welt befinden sich gerade mitten im Fastenmonat Ramadan. Das führt auch zu kurzfristigen Umstrukturierungen in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften, zum Beispiel in Staumühle. Von den 488 Bewohnern dort sind 120 praktizierende Moslems.

Von Meike Oblau
Die Teamleiterin der Küche, Brigitte Weckwerth (Mitte), kümmert sich zusammen mit Lale Ören (rechts) und Meltem Bilgin um die Verpflegung der Flüchtlinge in Staumühle. Von 488 Flüchtlingen praktizieren derzeit etwa 120 den Ramadan.
Die Teamleiterin der Küche, Brigitte Weckwerth (Mitte), kümmert sich zusammen mit Lale Ören (rechts) und Meltem Bilgin um die Verpflegung der Flüchtlinge in Staumühle. Von 488 Flüchtlingen praktizieren derzeit etwa 120 den Ramadan. Foto: Besim Mazhiqi

Im Ramadan dürfen sie tagsüber nichts essen und befolgen zudem zum Teil etliche weitere besondere Regeln. Der Caterer, der die Menschen in Staumühle täglich mit Essen versorgt, ist das Paderborner Studierendenwerk. Dort hat man sich entsprechend auf den Fastenmonat eingestellt.

Stellten das Konzept für den Fastenmonat Ramadan vor (von links): Carsten Walther, Erhard Wolf (Studierendenwerk Paderborn), Volker Horenkamp (Malteser) und Nurettin Kurt (Bezirksregierung). Foto: Besim Mazhiqi

»Normalerweise haben unsere Mitarbeiter hier gegen 19 Uhr Feierabend«, sagt der Geschäftsführer des Studierendenwerkes, Carsten Walther. »Während des Ramadans bleiben sie bis mindestens 23 Uhr, damit unsere muslimischen Gäste nach Sonnenuntergang etwas zu essen bekommen.« Damit deckt das Studierendenwerk vor Ort deutlich mehr Stunden ab als außerhalb des Ramadans.

Da die üblichen Frühstückszeiten außerdem nach Sonnenaufgang liegen und am Ramadan teilnehmende Moslems dann schon nichts mehr essen dürfen, werden jeden Abend mehr als 100 Lunch-Pakete gepackt, damit die Bewohner bereits morgens gegen 4 Uhr, vor dem Sonnenaufgang, frühstücken können. Langfristige Planungen waren dabei schwierig: »Viele Bewohner bleiben nur etwa vier bis sechs Wochen bei uns in der Unterkunft, wir konnten also im April oder Mai noch nicht abschätzen, wie viele muslimische Bewohner wir dann zur Zeit des Ramadans haben würden«, berichtet Erhard Wolf, Abteilungsleiter Gastronomie beim Studierendenwerk.

Kurz vor dem Ramadan seien Mitarbeiter der Malteser, die die Menschen in der Unterkunft betreuen, dann aktiv auf die Bewohner zugegangen, um zu ermitteln, wie viele von ihnen während des Ramadans zu fasten beabsichtigen. Darüber hinaus mache sich der Fastenmonat im Alltag an der Staumühler Straße wenig bemerkbar, sagt Volker Horenkamp von den Maltesern: »Da wir hier relativ kleine Wohneinheiten haben, spielt sich vieles im Privaten ab.«

Ramadan

Ramadan ist der Name des neunten Monats nach islamischer Zeitrechnung. In diesem Monat wurde der Koran an den Propheten Mohammad offenbart und durch ihn an die Menschheit übermittelt. Die Fastenzeit im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams und für alle Muslime verpflichtend (außer für Kranke, Schwangere oder für Muslime auf Reisen). Jegliches Essen und Trinken ist zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang untersagt. Auch Küssen und Sex sind tagsüber verboten, ebenso Rauchen oder Kaugummikauen. Wer die Fastenzeit bewusst bricht, muss 61 Tage nachfasten. Das Ramadan-Fest, auch Zuckerfest genannt (in diesem Jahr vom 5. bis 7. Juli), kennzeichnet das Ende des Fastenmonats. Es wird über drei Tage hinweg gefeiert.

Marius Meyer, der im Herbst selbst in Staumühle gearbeitet hat und inzwischen als Koordinator der Malteser für mehrere Einrichtungen zuständig ist, hat vor Beginn des Fastenmonats einen vierseitigen Leitfaden für die Mitarbeiter in den Unterkünften zusammengestellt. Er hat Islamwissenschaften studiert und in verschiedenen islamischen Ländern gelebt.

»Im Ramadan geht es nicht nur ums Fasten. Ich wollte unsere Mitarbeiter auch dafür sensibilisieren, dass es natürlich während dieses Monats auch Menschen gibt, die besonders dünnhäutig reagieren – was nachvollziehbar ist, wenn man den ganzen Tag über nichts isst. Derzeit haben wir ja noch Glück mit den Temperaturen, aber bei 30 Grad kann das ein Problem werden«, sagt er.

Bei strenger Auslegung der Regeln sei es Moslems auch nicht erlaubt, Menschen des anderen Geschlechts tagsüber die Hand zu geben. »Das müssen unsere Mitarbeiter wissen, sie sollten dann darauf achten, wie sich ihr Gegenüber verhält und einordnen können, warum er das tut«, sagt Meyer.

Fast alle Moslems bezögen das Fasten zudem nicht nur auf Nahrungsmittel: »Streng genommen dürfen sie tagsüber auch keine Medikamente einnehmen oder sich Spritzen geben lassen, was wiederum eine wichtige Info für die Mitarbeiter der Sanitätsdienste ist. Unseren Mitarbeitern habe ich als Argumentationshilfe auch die entsprechenden Suren aus dem Koran kopiert. Eigentlich steht dort nämlich, dass Kranke vom Fasten ausgenommen sind«, sagt Meyer.

Ausnahmezustand herrscht aber nicht in der Unterkunft in Staumühle. Bis auf den leicht abgeänderten Ablauf beim Catering geht alles seinen normalen Gang. »Unser Prinzip, seit wir das Catering im September übernommen haben, war und ist immer: Wir machen alles in Ruhe und mit der nötigen Flexibilität. Und diese Ruhe bringt den Bewohnern Kontinuität«, sagt Erhard Wolf vom Studierendenwerk. Zudem sind die Muslime nicht die einzigen, auf die der Caterer Rücksicht nehmen muss. Passende Nahrung gibt es auf Wunsch ebenso für Allergiker, Veganer oder Vegetarier – genauso, wie es auch in der Mensa der Uni der Fall ist.