Elisabeth Depenbusch ist schon seit 70 Jahren ehrenamtliche Bibliothekarin in der KÖB Delbrück
Ohne Bücher kann sie einfach nicht

Delbrück -

Elisabeth Depenbusch ist infiziert. Zum Glück nur mit dem Lese­bazillus. Den hat sie allerdings schon intus, seit sie lesen kann. Die Magie, die von Büchern ausgeht, hat die heute 82-Jährige nie wieder losgelassen. Seit 70 (!) Jahren arbeitet sie ehrenamtlich mit im Team der Katholischen Bücherei Delbrück.

Freitag, 08.01.2021, 07:55 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 07:58 Uhr
Freundlich, verlässlich, kompetent – so kennen viele tausend Nutzer der KÖB Delbrück seit Jahrzehnten Elisabeth Depenbusch. Foto: Jörn Hannemann

Ob Elisabeth Depenbusch damit die dienstälteste ehrenamtliche Bibliothekarin Deutschlands ist? Das kann nur vermutet werden. Sehr wahrscheinlich ist es aber so.

Schon als Kind half sie ihrer Mutter in der damaligen Borromäusbücherei, die im ehemaligen Jugendheim an der Boker Straße untergebracht war. „Ich habe damals Bücher herausgesucht oder zurückgegebene Bücher wieder in die Regale geräumt“, erzählt die Delbrückerin in einem Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT. Mit „damals“ ist das Jahr 1947 gemeint. „Da war ich gerade zur Erstkommunion gegangen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich stolz war, dass ich erstmals selbst ein Buch zur Ausleihe rausgeben durfte“, blickt sie zurück. Es dauerte nicht lange, und schon gehörte Elisabeth Depenbusch gewissermaßen selbst zum Inventar der Bibliothek.

Seit 1950 ist sie fest mit der Büchereiarbeit verbunden. Die Anzahl der Stunden, die sie in den vergangenen sieben Jahrzehnten ehrenamtlich in den Räumen der Bücherei verbracht hat, lässt sich nicht mal grob schätzen.

Das sind die drei ältesten Bücher der KÖB, darunter die „Bibliothek deutscher Klassiker“ aus dem Jahr 1868.

Das sind die drei ältesten Bücher der KÖB, darunter die „Bibliothek deutscher Klassiker“ aus dem Jahr 1868. Foto: Jörn Hannemann

In der Borromäusbücherei im Jugendheim gab es früher noch, wie praktisch überall zu dieser Zeit, die sogenannte Thekenausleihe: Leser wählten aus Listen ihre Wunschliteratur; die Mitarbeiterinnen suchten ihnen dann die ausgewählten Titel raus und gaben die Bücher zur Ausleihe über den Tresen.

„In den 50er-Jahren waren unter anderem Heimatromane der große Renner!“, erinnert sich die Bibliothekarin. Nicht zuletzt inspiriert durch die „Sissi“-Filme war dieses Genre auch in gedruckter Form überaus beliebt. „Dass man gern Heimatromane und sonstige Trivialliteratur auslieh, war damals sowieso eine Art Welle. Manche Delbrücker kamen sogar mehrmals in der Woche zu uns“, schmunzelt die 82-Jährige rückblickend.

Und was waren sonst noch angesagte Romane und Sachbücher vor 60, 65, 70 Jahren? Es waren Titel, die heute zumindest den älteren Bücherfreunden noch sofort ein Begriff sind, beispielsweise „Götter, Gräber und Gelehrte“ (von C.W. Ceram); „Das war mein Leben“ (Memoiren des berühmten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch) oder auch „Ich denke oft an Piroschka“ (Roman von Hugo Hartung). Viele Umzüge und Umstellungen hat Elisabeth Depenbusch seit 1950 miterlebt. Der letzte Ortswechsel der Bücherei liegt indes auch schon wieder 45 Jahre zurück: 1976 fand sie ihren festen Platz in den Räumen des damals neu gebauten Johanneshauses am Kirchplatz. Der Name änderte sich in den vergangenen Jahrzehnten von Borromäusbücherei über Pfarrbücherei zur heutigen KÖB, dem Kürzel für Katholische Öffentliche Bücherei.

Bücher wurden in den 50er Jahren in Bucheinschlagpapier eingeschlagen, das aussah wie braunes Packpapier. Beinahe revolutionär war dann in den 60er-Jahren die durchsichtige Folie, die ebenso erst noch passend zum Buchformat zurechtgeschnitten und dann noch geklebt werden musste. Das war in einer Bücherei mit so vielen Wälzern, Bänden und anderen Druckerzeugnissen eine ziemlich zeitaufwendige Arbeit. Erst weitaus später kam selbstklebende Folie auf den Markt.

Hanna Hagenhoff, KÖB-Leiterin von 2004 bis 2013 (gemeinsam mit Marlene Hinzmann) und weiter von 2013 bis 2020, ist davon überzeugt, dass „Elisabeth Depenbusch mit all diesen Materialien den Büchereibestand bestimmt zweimal bearbeitet, Karteikarten geschrieben, in die Bücher gesteckt und mit Karteikartensystem verbucht hat.“

Die Räumlichkeiten änderten sich, die Ausleihebedingungen ebenfalls. „Die Umstellung auf PC und die digitale Verbuchung waren auch für mich der größte Sprung“, gesteht die ehemalige KÖB-Leiterin (1989 bis 2004 mit Marlene Hinzmann).

Elisabeth Depenbusch lernte über 70 Jahre hinweg die Leser als Kinder kennen; sie kamen als Eltern mit ihren Kindern wieder und nun schon mit ihren Enkelkindern. So ist die Delbrückerin, ebenso wie viele ihrer langjährigen Kolleginnen, zu einer verlässlichen und generationsübergreifenden Instanz geworden.

Dass die 82-Jährige schon bald ihr Ehrenamt ruhen lässt, ist kaum anzunehmen. Dafür macht sie es viel zu gerne. Besonders am Herzen liegen ihr die Pflege der KÖB-Chronik und in allererster Linie natürlich die Leserinnen und Leser. Nicht selten gibt sie Nutzern der Bücherei gute Tipps für eine spannende Lektüre. Hin und wieder haben sich daraus auch ganz persönliche und sehr vertrauliche Gespräche ergeben

Und was liest die Jubilarin selbst besonders gerne? „Alles!“, antwortet sie blitzschnell. „Naja, fast alles. Fantasy und Science-fiction sind gar nix für mich“, sagt die Bücherfreundin augenzwinkernd. Romane, Krimis, interessante Biografien und mehr verschlingt sie dagegen regelmäßig. „Ich sitze ja hier an der Quelle...“

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