Lange und Konuk gründen neue Fraktion in Delbrück – Kreisvorstand fordert Rückzug
Grüne spalten sich vor erster Ratssitzung

Delbrück (WB). Die neue Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Delbrück hat sich bereits vor der konstituierenden Ratssitzung (Donnerstag, 5. November, Stadthalle) zerlegt. Wie der Kreisvorstand mitteilte, sind die beiden bisherigen Ratsmitglieder An­dreas Konuk und Marion Lange aus der ursprünglich vierköpfigen Fraktion ausgetreten. Beide haben eine neue Fraktion mit dem Namen „Delbrücker Unabhängige“ gegründet. Der Kreisvorstand hat Konuk und Lange hingegen aufgefordert, ihre über die Liste der Grünen erlangten Ratsmandate noch vor der Ratssitzung am Donnerstag niederzulegen. Das lehnen beide ab.

Montag, 02.11.2020, 19:00 Uhr
Veränderungen bei den Delbrücker Grünen: Die Mitglieder haben einen neuen Vorstand gewählt. Dem Vorstand gehören (von links) Oliver Kohlsch, Johanna Westermeyer-Böse, Claudia Kohlsch, Mechtild Stamm, Carina Borghans und Anita Böwer an.

Am vergangenen Dienstag hatten die Grünen einen neuen Ortsvorstand gewählt. Neue Ortsvorsitzende sind Johanna Westermeyer-Böse und Carina Borghans. Am Montag hätten Andreas Konuk und Marion Lange dann ihren Austritt aus der neuen Ratsfraktion erklärt, teilt der Kreisverband der Grünen in einer Presseinformation mit. „Die Spaltung zwischen den alten und neuen in der Fraktion bedauern wir, aber die Politikstile ließen sich nicht vereinbaren“, erklären die beiden Ortsvorsitzenden.

Birkelbach: „Es grenzt an Wählertäuschung“

Viel Energie sei nach der Kommunalwahl in diverse Verständigungsversuche geflossen. Aber Konuk und Lange hätten, so der Kreisvorstand, sich nicht auf die anderen Grünen in Fraktion und Ortsverband zubewegt. Scharfe Kritik kommt vom Kreisvorsitzenden Carsten Birkelbach an diesem, so die Grünen, „parteischädigenden Verhalten“. „Es grenzt an Wählertäuschung, zuerst für die Grünen zu kandidieren, sich dann aber aus dem innerparteilichen Dialog zurückzuziehen und das eigene Ding zu machen.“ Der Kreisvorstand fordere Konuk und Lange auf, ihre Listenmandate noch vor der Konstituierung des Rates niederzulegen.

Konuk: „Werden unsere Mandate nicht niederlegen“

„Wir werden auf keinen Fall unsere Mandate niederlegen“, sagte Andreas Konuk im Gespräch mit dem WB. Er sei bereits beim Wahlleiter Heinz Börnemeier (Fachbereich Zentrale Dienste in der Delbrücker Stadtverwaltung) gewesen, um die neue Fraktion „Delbrücker Unabhängige“ anzumelden. Es sei damit zu rechnen, dass sich auch unter den sachkundigen Bürgern, die die neue Fraktion benenne, alt bekannte Namen aus der früheren Grünen-Fraktion befinden werden, sagte Konuk. „Das Vertrauen zu den neuen Fraktionsmitgliedern und dem neuen Ortsvorstand war einfach nicht da. Ich wünsche unseren ehemaligen Mitstreitern alles Gute und möchte daraus jetzt auch keine Schlammschlacht machen“, so Andreas Konuk. Er und Marion Lange wollen sich „auf ihrem politischen Weg nicht beirren lassen“. Beide wollen „die gute politische Arbeit der vergangenen Jahre fortsetzen“ unter dem Slogan „frei, sozial und ökologisch“.

Zuvor hatten sich für den neuen Delbrücker Rat bereits SPD und Linke zu einer Fraktion zusammengeschlossen. Eine Zusammenarbeit zwischen FDP und SGD war hingegen wie berichtet kurzfristig gescheitert . Ob die SGD nun noch einmal mit den Grünen oder der neuen „Delbrücker Unabhängigen“ sprechen wird, wird sich zeigen. Willibald Haase von der SGD hat aktuell als Einzelkämpfer keinen Fraktionsstatus.

Kommentar von Meike Oblau

Es bleibt turbulent in der Delbrücker Politik. In der vergangenen Ratsperiode hatte sich die PID von der FDP abgespalten, Hans-Theo Sasse hatte die CDU-Fraktion verlassen. Auch im neu gewählten Rat geht das munter so weiter: SPD und Linke schließen sich zusammen, die Fraktion der Grünen spaltet sich, die Rolle der SGD ist nach wie vor nicht genau definiert. Gespräche zwischen SGD und FDP für eine gemeinsame Fraktion waren gescheitert, möglicherweise bietet sich für Willibald Haase nun aber unverhofft noch die Chance, mit den Grünen oder der neuen „Delbrücker Unabhängigen“ ins Gespräch zu kommen. Als Beobachter droht man da fast den Überblick zu verlieren.

Die im Bundestrend an sich recht erfolgreichen Grünen haben sich in Delbrück jedenfalls selbst geschadet – in der politischen Arbeit, vor allem aber in der Öffentlichkeit. Da bleiben Fragen offen. Ist es legitim, ein Ratsmandat zu behalten, dass man „auf dem Ticket“ der Grünen erworben hat, wenn man die grüne Fraktion verlässt? Auf der anderen Seite aber auch: Tut es Not, so mit langjährigen, verdienten Ratsmitgliedern umzugehen? Hätte es nicht einen Weg in die Öffentlichkeit gegeben, bei dem weniger Porzellan zerschlagen worden wäre? Der Vorwurf der Wählertäuschung wiegt schwer, suggeriert er doch, dass Marion Lange und Andreas Konuk die Abspaltung bereits vor der Kommunalwahl genau so geplant hatten. Ob es dafür auch Belege gibt? Wie gesagt: Es bleiben Fragen offen...

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7660243?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851065%2F
Kurz vor dem Kontrollverlust
Mit Megafonen wiesen Ordnungsamtsmitarbeiter die Schnäppchenjäger darauf hin, dass die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind.
Nachrichten-Ticker