Dr. Burkhard Beyer erinnert in einem Buch an einstmals 19 Ziegeleien im Stadtgebiet
Als Delbrück auf Lehm und Ton setzte

Delbrück (WB). Es ist gar nicht so selten, dass Bauarbeiter in Delbrück auf Überreste alter Ziegeleien stoßen – so zum Beispiel geschehen im neuen Baugebiet am Lerchenweg. Der Historiker Dr. Burkhard Beyer hat die Geschichte der Ziegeleien im Delbrücker Land zwischen 1800 und 1960 jetzt aufgearbeitet und in einem Buch zusammengefasst. Insgesamt stieß er bei seinen Forschungen auf 19 Ziegelei-Standorte.

Dienstag, 03.11.2020, 06:00 Uhr
„Ziegeleien im Delbrücker Land“ heißt das Buch, das Dr. Burkhard Beyer (vorne) im Beisein von Bürgermeister Werner Peitz, Hans Jürgen Rade, Hans Wieners und Bernhard Kößmeier präsentierte. Das Foto wurde im Oktober vor der Verschärfung der Corona-Maßnahmen aufgenommen. Foto: Meike Oblau

„Für diese ungewöhnliche Ballung von Ziegeleien haben wir bis heute keinen wirklich plausiblen Grund gefunden“, schilderte Burkhard Beyer bei der Buchpräsentation. Klar sei, dass die Ziegeleien im Ort alle sehr klein gewesen seien und vermutlich keine riesigen Mengen produziert hätten: „Wir wissen allerdings auch nicht, wie erfolgreich die Betriebe waren, sondern lediglich, wie lange sie existiert haben.“

Betriebe gehörten meist Delbrücker Landwirten

Die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln habe für das Delbrücker Land einst erhebliche Bedeutung gehabt. Die Betriebe gehörten meist Delbrücker Landwirten, aber auch lippischen Zieglern gelang es, sich hier eine Existenz aufzubauen. In den früheren Gemeinden Dorfbauerschaft und Nordhagen gab es mindestens zwölf Ziegeleien. Hinzu kamen fünf weitere im heutigen Ortsteil Ostenland (einschließlich Espeln) und zwei in Westenholz. „In Westenholz erinnert heute noch der Straßenname Ziegeleistraße an diese Historie“, sagte Bürgermeister Werner Peitz. Heute gibt es keine einzige Ziegelei mehr im Ort, 1960 schloss der letzte Betrieb.

Arbeiter waren örtliche Tagelöhner

„Die Arbeiter in den Ziegeleien waren örtliche Tagelöhner“, beschreibt Burkhard Beyer. „Betriebe mit vergleichsweise kleinen Öfen konnten sich ungewöhnlich lange halten.“ Wer in Beyers neuem Buch stöbert, wird immer wieder auf alt eingesessene Namen stoßen: Stratmann, Gröpper, Kückmann, Speit, Rodehuth, Boek­mann oder Böse/Westermeyer zum Beispiel.

Vortrag beim Delbrücker Geschichtsforum

Seinen Anfang nahm das Buchprojekt beim Delbrücker Geschichtsforum, wo Burkhard Beyer vor vier Jahren über Ziegeleien referierte und auf großes Interesse bei rund 100 Zuhörern stieß. „Da war klar: Das muss verschriftlicht werden. Es tauchten dann immer neue Akten und Karten auf, zweimal hat das sogar meine bisherigen Forschungen über den Haufen geworfen. Aber das waren sehr produktive Rückschläge. Das ist schon großartig, wenn plötzlich detaillierte Bauanträge aus dem Jahr 1862 auftauchen, das sind sprechende Zeugnisse dieser Zeit.“ Um die Historie der Ziegeleien auch in die Sozial-, Wirtschafts- und Familiengeschichte der damaligen Zeit einzubinden, recherchierte Hans Jürgen Rade parallel in alten Kirchenbüchern und anderen Dokumenten. In zwei Fällen stieß Burkhard Beyer bei den Nachkommen früherer Ziegeleibetreiber auf spannende Nachlässe, die anschließend dem Wirtschaftsarchiv in Dortmund übergeben wurden.

Beim Wachstum der Ziegeleibranche habe auch das Thema Brandschutz eine Rolle gespielt, glaubt Beyer, zudem habe es in Delbrück keine Steinbrüche gegeben, so dass die Nachfrage nach Dachpfannen und Backsteinen groß gewesen sein dürfte, als gemauerte Gebäude die früheren Fachwerkhäuser nach und nach ablösten. Eines der ersten gemauerten Häuser sei das Delbrücker Krankenhaus gewesen.

Buch kostet 19 Euro

Das Buch „Ziegeleien im Delbrücker Land“ von Burkhard Beyer ist im Bielefelder Verlag für Regionalgeschichte (VRG) erschienen, Herausgeber ist das Delbrücker Geschichtsforum. Gefördert wurde das Buch durch einen Heimatscheck des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung sowie Spenden der örtlichen Volksbanken. In der ersten Auflage wurden 400 Exemplare in der örtlichen Druckerei Lindhauer produziert. Das Buch ist zum Preis von 19 Euro in allen Buchhandlungen erhältlich beziehungsweise bestellbar (ISBN 978-3-7395-1207-5).

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