Kosten: 14,7 Millionen Euro – Gymnasium ist energetisch von vorgestern
Sanierung dauert rund vier Jahre

Delbrück (WB). Es wird eine der kostspieligsten Baumaßnahmen, die sich die Stadt Delbrück jemals vor die Brust genommen hat: Rund 14,7 Millionen Euro kostet nach aktuellen Kalkulationen die umfassende Sanierung der Gebäudeteile des Gymnasiums. Voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres soll Baubeginn sein.

Freitag, 09.10.2020, 21:00 Uhr
Blick aufs Gymnasium: Fast 45 Jahre alt sind die ältesten Gebäudeteile des mehrfach erweiterten Schulkomplexes, der einst Domizil der Hauptschule Delbrück war. Das Raumprogramm wird im Zuge der Sanierung weiter ergänzt und neu strukturiert. Foto: Besim Mazhiqi

Wie mehrfach berichtet, war in der ersten konkreteren Planungsphase vor etwa drei Jahren zunächst die energetische Sanierung ins Auge gefasst worden. Aus dieser Sicht gilt der weitläufige Komplex als völlig überholt, wie von vorgestern. Die Liste der Mängel ist ellenlang. Auch in Sachen Brandschutz hinkt der Ist-Zustand den heutigen Vorgaben hinterher. Von einem Investitionsaufwand von rund acht Millionen Euro war im April 2018 die Rede.

Älteste Teile aus den 70er Jahren

Weil es aber kaum Sinn macht, ein so großes Gebäude, dessen älteste Teile aus den 70er Jahren stammen, allein energetisch und brandschutztechnisch auf den neuesten Stand zu bringen, weitere ebenfalls dringend notwendige Verbesserungen aber noch länger aufzuschieben, klettert der finanzielle Aufwand nun noch einmal ganz erheblich.

Unter anderem geht es auch um die Neuordnung der Räume durch die Wiedereinführung von G9 (Abitur nach 13 Schuljahren), um eine Aufstockung des Gebäudes (neue Unterrichtsräume), was allein schon etwa 3,85 Millionen Euro verschlingen wird, um ein Beispiel zu nennen.

Für die aufgezeigten Einzelmaßnahmen muss der Rat jeweils eigene Beschlüsse fassen. Ein Stichwort dabei ist das neue „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK)“. Nach Angaben von Fachbereichsleiter Markus Hückelheim kann die Stadt Delbrück bei einer Gesamtsumme in Höhe von 14,7 Millionen Euro mit Förderbeträgen in einer Größenordnung von insgesamt etwa 5,8 Millionen Euro rechnen.

Wechselweise acht Klassen in Containern

Rund vier Jahre dauern wird die Komplettertüchtigung des Gymnasiums bei laufendem Schulbetrieb. Es müssen vorübergehend wechselweise acht Klassen in Containern untergebracht werden. Kosten: 320.000 Euro, die allerdings zu 100 Prozent förderfähig sind. Ferner soll das Gymnasium fit gemacht werden für eine multifunktionale Nutzung samt Medienzentrum im Hagedornforum. Dafür sind 670.000 Euro veranschlagt. Auch hier geht die Stadt von einer 100-Prozent-Bezuschussung aus.

Angesichts der gewaltigen Gesamtsumme von 14,7 Millionen Euro warf Willibald Haase (SGD) in der Ratssitzung am Donnerstagabend die Frage auf, ob Planer und Verwaltung alternativ mal über einen Neubau nachgedacht haben. Hückelheim sagte, solange bei einer Sanierung die Kosten-/ Nutzenrechnung aufgehe, komme ein Neubau nicht in Frage. „Wir müssten anderenfalls in der Zwischenzeit ein ausreichend großes und für schulische Zwecke geeignetes Ausweichgebäude beziehen können. Und wir bräuchten für einen Neubau ein großes Grundstück in guter Lage.“ Dies sei nicht zu realisieren. Außerdem: Wie würde bei einem Neubau dann das jetzige Altgebäude genutzt?

Feuchte Decken und nasse Flecken

Der riesige Sanierungsbedarf am und im Gymnasium wird selbst Laien bei einem kurzen Rundgang durch die Schule überdeutlich. Beispiel: Feuchte Decken und nasse Flecken durch eindringendes Wasser. Teilweise werden schon Eimer aufgestellt, um die Tropfenflut aufzufangen!

Beispiel Fenster: Blind gewordene Scheiben und defekte Beschläge, für die es eh keinen Ersatz mehr zu kaufen gibt, weil sie nicht mehr hergestellt werden, sind da noch ein kleineres Übel. Energie (Wärme) fliegt im wahrsten Sinne des Wortes zum Fenster raus. Andererseits lassen sich etliche Fenster gar nicht mehr öffnen. Grund: Sie mussten zugeschraubt werden, weil sie ansonsten aus den Angeln fallen!

Praktisch keinerlei Dämmung

„Gerade jetzt, wo wir in Corona-Zeiten aufgefordert sind, Unterrichtsräume besonders häufig zu lüften, ist das wirklich problematisch“, sagte Schulleiter Stephan Gringard am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung. Dann gibt es Funktionsräume, die praktisch über keinerlei Dämmung verfügen und wintertags auf 10 Grad Celsius abkühlen. Im Sommer wiederum gibt es andere Räume, die sich extrem aufheizen. Und all dies ist quasi nur die Spitze des Misere-Eisberges. Die Folgen des Sanierungsstaus werden von Jahr zu Jahr deutlicher. Der Hausmeister hat alle Hände voll zu tun, um Schlimmeres zu verhindern.

Beispiel Lehrerzimmer und Verwaltungsräume: Sie sind viel zu klein und einfach nicht mehr zeitgemäß. Wer während einer Schulpause als Besucher mal nur einen kurzen Blick ins überfüllte Lehrerzimmer wirft, wird von der Notwendigkeit des akuten Handlungsbedarfs unmittelbar überzeugt. Beispiel Fassaden: Hinter den Waschbeton­elementen nagt der Zahn der Zeit. Die Betonteile hängen nur an Haken. Eine Gefährdung wäre auf Dauer offenbar nicht ganz auszuschließen. Im Zuge der Sanierung soll das Gymnasium eine optisch einheitliche, neue Fassade bekommen.

Was sonst noch alles im Detail vorgesehen ist, wird in der nächsten Sitzung des Bauausschusses erläutert.

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