Landrat Manfred Müller spricht von einer „räumlich idealen Lösung” in Delbrück
Rettungswache entsteht an der B64

Delbrück (WB). Als vor rund 40 Jahren an der Südstraße in Delbrück die Zentralwache entstand, besaß die räumliche Zusammenlegung der Hilfs- und Rettungsdienste (Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr) Modellcharakter in NRW für Städte in der Größenordnung Delbrücks. Längst aber platzt der Standort aus allen Nähten. Es herrscht akuter Handlungsbedarf. Jetzt gibt es gute Nachrichten.

Donnerstag, 01.10.2020, 05:44 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 07:14 Uhr
Stellten die Planungen vor und gaben weitere Erläuterungen zum Bau der Rettungswache (von links): Architektin Christina Metzner (Büro Hüllmann Architekten & Ingenieure), die Investoren Ludger Henke und Ludgerus Heinrich Henke aus Delbrück, die Delbrücker CDU-Kreistagsmitglieder Meinolf Päsch und Claudia Wagener-Ragert, Landrat Manfred Müller sowie der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Bernhard Wissing. Foto: Jürgen Spies

In der zweitgrößten Stadt im Kreis Paderborn sind die Planungen zum Neubau einer Rettungswache gut vorangekommen. Die neue Wache soll nur wenige Meter von der Bundesstraße 64 entfernt auf einem Grundstück westlich des Schützenplatzes gebaut werden. Die Familie Henke ist Investorin und wird den Komplex nach Fertigstellung langfristig an den Kreis Paderborn vermieten. Das Grundstück bleibt im Besitz der Familie Henke.

Das erklärten auf Anfrage dieser Zeitung jetzt Delbrücker Vertreter der CDU-Kreistagsfraktion.

„In die Jahre gekommen”

Die CDU im Kreistag mit dem Fraktionsvorsitzenden Bernhard Wissing an der Spitze hatte vor etwa einem Jahr den Antrag gestellt, für die „in die Jahre” gekommenen Rettungsdienst-Standorte in Salzkotten, Bad Lippspringe, Lichtenau und Delbrück ein Konzept zu erarbeiten, um die Wachen zu vergrößern, zu modernisieren beziehungsweise neu zu errichten.

Der Kreis Paderborn ist Träger von zehn Rettungswachen im Kreisgebiet. Für die sogenannte rettungsdienstliche Durchführung (Notfallrettung und/oder Krankentransport) hat der Kreis Paderborn für einzelne Standorte Verträge mit Hilfsorganisationen abgeschlossen. Die insgesamt millionenschweren Projekte für die Rettungsdienst-Neubauten beziehungsweise für die Erweiterungen und Modernisierungen an mehreren Standorten könnte der Kreis Paderborn in einem kürzeren Zeitraum gar nicht stemmen. In Delbrück drängt jedoch die Zeit.

Zu wenig Platz am bisherigen Standort

Dazu Bernhard Wissing: „Die Stadt Delbrück wartet bekanntlich darauf, dass die zurzeit genutzten Gebäude an der Zentralwache Südstraße geräumt werden, um dort der Feuerwehr den dringend benötigten Platz für die Erweiterung und die aufgrund von Sicherheitsbestimmungen auch zwingend erforderliche Modernisierung der Fahrzeughallen zur Verfügung zu stellen.”

Eine kurzfristige Lösung für einen Neubau der Rettungswache musste her. Zunächst wurde mit den Kostenträgern (also den Krankenkassen) die Größe der neuen Rettungswache abgestimmt. Einig waren sich Kreis und die Krankenkassen, was in diesem Neubau untergebracht werden muss: zwei RTW (Rettungswagen für die Notfallrettung), ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sowie eine Desinfektionshalle, die auch als Reserveplatz genutzt werden kann. Hinzu kommen die Räume für eine Lehrrettungswache. Die Nutzfläche beträgt insgesamt 665 Quadratmeter.

Familie Henke investiert und vermietet den Komplex an den Kreis

Beim Ortstermin auf dem gut 2000 Quadratmeter großen Grundstück unweit der Ampelkreuzung B64/Boker Straße erläuterten Meinolf Päsch und Bernhard Wissing: „Es wurde ein Interessensbekundungsverfahren zur Bereitstellung einer noch zu errichtenden Rettungswache zur Anmietung durchgeführt. Daran haben sich drei mögliche Investoren beteiligt. Die Familie Henke war der wirtschaftlichste Anbieter und bekam den Zuschlag. Der gemeinsam erarbeitete Vertrag ist jetzt unterschriftsreif.”

Mit einer Fertigstellung der Rettungswache könne in knapp eineinhalb bis zwei Jahren gerechnet werden. Nötig sei eine Optimierung der bisher sehr schmalen Zufahrt zum Gelände – von der Boker Straße abzweigend – kurz vor der Ampel. Die Schaltung der Lichtzeichenanlage müsse ebenfalls der demnächst neuen Situation angepasst werden.

Zeitsparendes Verfahren

Mit den Krankenkassen konnte trotz intensiver Bemühungen kein Einvernehmen bezüglich der Anmietung der künftig neuen Rettungswache erzielt werden. Ablehnen konnten die Krankenkassen die herbeigeführte Lösung über das öffentliche und zeitsparende Interessensbekundungsverfahren indes auch nicht. Landrat Manfred Müller sagte dazu: „Das hat zur Folge, dass im Zuge der nächsten oder übernächsten Gebührenanpassung mit den Kostenträgern verhandelt werden muss, wenn es darum geht, die Mietkosten in die Gebührenberechnung einfließen zu lassen.”

Müller erklärte weiter, der künftige Standort der neuen Delbrücker Rettungswache sei ideal, insbesondere aufgrund der Lage an der B64. Die Optimierung der räumlichen Rahmenbedingungen für den Rettungsdienst sei in weiten Teilen des Kreisgebietes ohnehin notwendig, zumal es „im Notfall auf jede Minute ankommt.

Wechselt auch die Polizeiwache?

Da das Henke-Gelände (insgesamt 13.000 Quadratmeter) weitaus größer ist als das Areal, das für die Rettungswache benötigt wird, eröffnet sich eine Option: Richtung Schützenplatz könnte auch für die Polizeiwache ein neuer Standort geschaffen werden. Meinolf Päsch: “Hier wäre allerdings das Land NRW Herr des Verfahrens.” Landrat Müller ergänzte, die Notwendigkeit einer Polizeiwache in Delbrück sei unbestritten. Man arbeite intensiv daran, dass auch die Polizei ihren bisherigen Standort verlassen kann.

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