Erläuterungen zum Viertklässler-Neustart am Beispiel der Grundschule Ostenland
Nichts dem Zufall überlassen

Delbrück (WB). Die Grundschulen und Schulverwaltungen in NRW bereiten sich seit etlichen Tagen intensiv auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vor – die rund 160.000 Jungen und Mädchen der 4. Klassen machen an diesem Donnerstag den Anfang. „Wir wissen, dass sich die Kinder nach der sieben Wochen langen Pause sehr darauf freuen, endlich wieder zur Schule gehen zu können“, berichtet Alexandra Micheln.

Donnerstag, 07.05.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 05:02 Uhr
Klassenräume sind zu Lerngruppenräumen geworden – mit ganz viel Platz zwischen den einzelnen Sitzplätzen, so wie hier in der Grundschule in Ostenland. Die Lehrerinnen Petra Jeken (vorn rechts) und Julia Jerome (links), Schulleiterin Alexandra Micheln (hinten rechts) sowie Fachbereichsleiter Manuel Tegethoff (gegenüber) demonstrieren dies, während Bürgermeister Werner Peitz (hinten links am Pult) für das Foto in die Rolle eines Lehrers geschlüpft ist . An den Seitenbereichen gibt es weitere Sitzplätze. Foto: Jürgen Spies

Die Schulleiterin der Grundschule in Ostenland sagt aber auch im gleichen Atemzug: „Es gelten aufgrund der Corona-Bestimmungen strenge Regeln in Sachen Hygiene und Abstand. Das wird für die Kinder in der Schule neu und ungewöhnlich sein.“

Klassenverbände aktuell aufgehoben

Die zweizügige Grundschule im Delbrücker Ortsteil Ostenland steht hier quasi exemplarisch für all die anderen Schulen der Primarstufe in Nordrhein-Westfalen. In einem Gespräch mit dieser Zeitung erläutert Alexandra Micheln, dass die Klassenverbände aktuell aufgehoben sind und stattdessen von diesem Donnerstag an zunächst in Lerngruppen unterrichtet wird. Hauptgrund: Um die Abstandsregeln einhalten zu können, sitzen auf unbestimmte Zeit nur noch neun oder zehn Kinder in einem Klassenraum. Abhängig ist das von der Größe der verfügbaren Räumlichkeiten. Aus den beiden Klassen der Jahrgangsstufe 4 werden in Ostenland fünf Lerngruppen gebildet.

Personell lässt sich das zumindest in dieser Woche noch regeln; auch die Versorgung der Notgruppen klappt. Sobald der weitere Fahrplan für die Schulen vorliegt, voraussichtlich vom kommenden Montag an – müssen Schulträger und Schulen noch einmal neu justieren.

Die sieben Grundschulen im Delbrücker Land regeln die räumlichen Fragen im Detail individuell, aber immer nach den Vorgaben des Schulministeriums. „Die Grundschulen im Stadtgebiet stehen ständig in engem Kontakt und tauschen sich aus. Das hat sich bewährt“, unterstreicht die Ostenländer Rektorin.

Große Aufgabenliste zu beachten

Ein paar Beispiele aus der großen Aufgabenliste, die die Schulen aktuell umsetzen müssen: Möglichst separate Eingänge/Ausgänge für die verschiedenen Lerngruppen; Neuorganisation der Toi­letten; Maßnahmen zur Einhaltung der Abstände, etwa durch farblich unterschiedliche Aufkleber auf dem Fußboden; der Unterricht wird am Donnerstag und Freitag dieser Woche jeweils 4 Stunden umfassen und die Kernfächer Mathematik und Deutsch beinhalten; es gibt keine Pause auf dem Schulhof, sondern alternativ Bewegungsangebote im Klassenraum, die dem kindlichen Bewegungsdrang entgegenkommen.

Uns geht es auch um größtmögliche Transparenz.

Alexandra Micheln

Die Viertklässler bekommen in ihren Lerngruppenräumen zugewiesene Sitzplätze, die namentlich gekennzeichnet sind. Das wird sogar protokolliert. Hin- und Hergerenne in den Räumen soll es nicht geben. Über diese und viele weitere Vorschriften sind die Eltern per E-Mail informiert worden. Auch die Viertklässler sind auf verschiedene Art und Weise vorbereitet worden. „Uns geht es auch darum, eine größtmögliche Transparenz zu schaffen“, betont Alexandra Micheln. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Alle Viertklässler werden am ersten Schultag seit Mitte März einen Mund- und Nasenschutz (Maske) an ihrem Sitzplatz vorfinden, zur Verfügung gestellt von der Stadt Delbrück. Im Unterricht tragen die Kinder die Masken nicht; ansonsten müssen die Jungen und Mädchen den Mund- und Nasenschutz schon anlegen.

Um Gruppenansammlungen auf dem Schulgelände und in den Fluren zu vermeiden, werden die Kinder in der jeweiligen Lerngruppe zeitlich versetzt zu einem jeweils eigenen Eingang zum Unterricht bestellt. Ebenso wird auch der Unterrichtsschluss zeitversetzt sein und die Kinder werden gebeten, den Schulhof zügig zu verlassen und nicht zum Spielen und Verweilen zu nutzen. Buskinder kommen direkt nach Ankunft zu ihrem zugewiesenen Eingang und betreten mit dem nötigen Abstand sofort den Klassenraum. Außerdem gilt: Die Schülerinnen und Schüler betreten einzeln den Klassenraum und waschen sich zunächst die Hände, bevor sie ihren Sitzplatz einnehmen. Hausmeister und das Lehrerkollegium achten darauf, dass immer genügend Seife in den Seifenspendern steckt.

Lehrer tragen ein transparentes Visier

Die Lehrer, die im Unterricht ein transparentes Visier tragen, sorgen stets für ausreichend Lüftung. Die Jacken werden über den eigenen Stuhl gehängt. Die Garderoben­haken auf den Fluren werden derzeit nicht benutzt.

Jede Lerngruppe hat eine eigene Toilette, die farblich durch die Gruppenfarbe gekennzeichnet ist.

Räume und Mobiliar werden täglich desinfiziert

Manuel Tegethoff, Leiter des Fachbereiches Bildung/Sport/Kultur, ergänzt: „Die Räume und das Mobiliar werden täglich nicht nur gereinigt, sondern auch desinfiziert. Alle Oberflächen werden mit geeigneten Flächendesinfektionsmitteln abgewischt.“

In den vergangenen Wochen gab es zwischen Schulen sowie Elternhäusern und den Kindern andererseits immer wieder Austausch. Eltern konnten sich bei den Pädagogen Rat holen, Fragen stellen, beispielsweise zu den Lernapps und zu anderen Aspekten des digitalen Lernens. „Es gab und gibt aber natürlich auch ganz klassisch Arbeitsmaterialien und Informationen auf Papier. Von Eltern haben wir immer zuletzt wieder gehört: Schön, dass es diesen Mittelweg gibt. Und auch die Kinder sind froh, wenn sie mit herkömmlichen Lernmaterialien arbeiten können“, sagt Alexandra Micheln.

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