Leiter des Delbrücker Kinder- und Jugenddorfes geht in den Ruhestand Ronald Majka sagt ganz leise Servus

Delbrück (WB). Das wird ein ganz leiser Abschied: Ronald Majka, Chef des Delbrücker Kinder- und Jugenddorfes, hat am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag, dann geht er in Rente. 15 Jahre lang hat Majka die Einrichtung an der Lohmannstraße geleitet. Corona verhindert eine größere Abschiedsfeier. „Ich hoffe, dass wir das dann beim Sommerfest nachholen können“, sagt der 65-Jährige.

Von Meike Oblau
Am Donnerstag wird Ronald Majka (65) zum letzten Mal in seiner Funktion als Einrichtunsleiter durch diese Tür gehen: Der Chef des Kinder- und Jugenddorfes an der Lohmannstraße verabschiedet sich in den Ruhestand.
Am Donnerstag wird Ronald Majka (65) zum letzten Mal in seiner Funktion als Einrichtunsleiter durch diese Tür gehen: Der Chef des Kinder- und Jugenddorfes an der Lohmannstraße verabschiedet sich in den Ruhestand. Foto: Jörn Hannemann

Die Übergabe an seinen Nachfolger erfolgt in diesen Tagen, offiziell hat Klaus Lanwehr am 1. April das „Ruder“ übernommen. Er war zuvor beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) im Bereich Pflegefamilien in Lippstadt tätig.

62 Bewohner in sieben Wohngruppen

Wer mit Ronald Majka spricht, der merkt, mit welcher Leidenschaft der Rietberger bis zuletzt für „sein“ Kinder- und Jugenddorf im Einsatz ist. Die Jugendhilfeeinrichtung bietet 62 Plätze in sieben Wohngruppen, darunter eine Gruppe für junge Mütter. 65 Menschen arbeiten hier. Die Lage des großen und grünen Areals unweit der Delbrücker Innenstadt habe ihm immer sehr gut gefallen, sagt Majka: „Zentral gelegen statt ausgegrenzt und ausgelagert“, so beschreibt er es, zudem mit einer „ausgesprochen guten Kooperation mit der Stadt, den Schulen und auch den Nachbarn.“ Auf eine Öffnung nach außen habe er stets viel Wert gelegt.

„Es sind verletzte Seelen, die hier ankommen“

„Schwer erziehbar“, das ist übrigens so eine Floskel, die er in Zusammenhang mit den Kindern und Jugendlichen, die in seiner Einrichtung eine Zeitlang leben, nicht gerne hört: „Es sind Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten, deren Lebenslage sich aus den unterschiedlichsten Gründen kolossal verändert hat, zum Beispiel durch Trennung der Eltern, durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit in der Familie.“ Er möchte nicht, dass die, die im Kinder- und Jugenddorf aufwachsen, abgestempelt werden. „Hier zu leben, das wünscht sich ja niemand. Jeder möchte bei seinen Eltern aufwachsen, nicht immer ist das möglich. Natürlich sind es verletzte Seelen, die hier bei uns ankommen“, beschreibt Ronald Majka.

Das Schönste in seinem Beruf sei dann auch gewesen, frühere Bewohner nach Jahren wiederzutreffen, die Positives berichten konnten: „Menschen, die einen guten Weg eingeschlagen haben, denen wir helfen konnten und die mit ihrem jetzigen Leben zufrieden sind.“ Besonders das jährliche Sommerfest sei stets ein freudiges Wiedersehen mit Ehemaligen gewesen.

„Nichts unter den Teppich kehren“

Doch auch, wenn es mal nicht so gut lief, habe das Kinder- und Jugenddorf stets versucht, nichts unter den Teppich zu kehren, sondern transparent zu kommunizieren, betont Ronald Majka und denkt zum Beispiel an das Jahr 2016 zurück, als ein jugendlicher Bewohner behauptet hatte, von Flüchtlingen im Delbrücker Hallenbad missbraucht worden zu sein – Angaben, die sich später vor Gericht als nicht haltbar erwiesen .

Im Ruhestand Zeit für Wohnmobil-Touren

Dass aufgrund der Corona-Bestimmungen ein persönlicher Abschied von den aktuellen Bewohnern kaum möglich sei, bedauert Ronald Majka enorm. Der Abschied sei aber hoffentlich nur aufgeschoben, nicht aufgehoben: „So lange ich lebe, wird das jährliche Sommerfest ein fixer Termin als Gast für mich sein“, verspricht er. Pläne für den Ruhestand hat der 65-Jährige bereits genug: sein Garten und verschiedene handwerkliche Arbeiten, aber auch Touren mit seiner Frau im Wohnmobil – aber auch das muss Corona-bedingt warten. „Eigentllich wollten wir nächste Woche nach Fehmarn.“ Aber dafür bleibt ja hoffentlich auch in Zukunft noch genug Zeit.

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