Autoren liefern dem gebürtigen Delbrücker Peter Menne kurze Texte für Illustrationen Virenfreie Unterhaltung

Delbrück/Potsdam (WB). Mit witzigen Illustrationen und pointierten kurzen Texten will Peter Menne Kultur inmitten der Corona-Krise Sichtbarkeit verschaffen. Dazu hat der bekannte Karikaturist und Milieuzeichner das Projekt „KulturPerLieferservice“ gestartet. Zweimal in der Woche veröffentlicht der 57-Jährige auf Facebook ( https://facebook.com/peter.menne.395 ) und Instagram ( https://www.instagram.com/peter.menne/?hl=de ) Bilder mit kurzem Text und füttert damit seinen Verteiler mit etwa 1600 Personen und Drehscheiben wie Kulturämtern und Zeitungen.

Von Dietmar Kemper
Auf ihren Balkonen können die Westfalen das „Social Distancing“ einhalten.
Auf ihren Balkonen können die Westfalen das „Social Distancing“ einhalten. Foto: Peter Menne

Der Service bringe nach Hause, „was derzeit ähnlich schwer zu bekommen ist wie Klopapier: virenfreie Unterhaltung“. Damit wolle er natürlich auch Werbung für die Autoren und sich machen, sagte der gebürtige Ostwestfale dem WESTFALEN-BLATT. Menne stammt aus Delbrück, lebt aber seit nunmehr 20 Jahren in Potsdam . Aufmerksamkeit bräuchten die Autoren jetzt dringend, betonte Menne: „Wegen des Virus haben sie nichts mehr zu tun, sie haben keine Lesungen, keine Auftritte. Denen geht es schlecht.“ Seine Idee haben namhafte Meister des geschliffenen Wortes dankbar aufgegriffen. Neben Fritz Eckenga, den Bullemännern, Michael Klaus oder Edgar Külow macht auch der Paderborner Kleinkünstler Erwin Grosche mit. Dessen Buch „Padermann, der Superheld“ hatte Menne illustriert.

Täglich neue Texte

„Es ist immer eine Kombination aus Bild und Text, der Text ist gleichwertig, es sind nicht nur Unterzeilen“, erläuterte Menne, der durch seinen Westfalenkalender bekannt wurde, sein Konzept. Jeden Tag bekomme er von den Autoren Zweizeiler zur aktuellen Situation im Land oder zu besonderen Festen wie jetzt Ostern. Dazu wählt Menne dann ein bereits vorliegendes Bild aus oder fertigt eine neue Illustration an. „Ich habe unendlich viele im Bestand“, machte er deutlich, dass sein kostenloser Kulturlieferservice noch ordentlich Material auf Lager hat, um Menschen in ernster Zeit ein Lächeln zu schenken.

Natürlich spielt auch die Corona-Krise thematisch eine Rolle – so wie in der Illustration mit der Frau auf dem eingezäunten Balkon und dem Text von Augustin Upmann und Heinz Weißenberg von den Bullemännern: „Wir Westfalen haben uns schon immer voneinander ferngehalten. ‚Social Distancing‘ ist uns in die Wiege gelegt.“ Menne findet, dass da was dran ist: „Der Westfale ist schon etwas dröge. Beim Karneval fallen sie einem um den Hals, und am nächsten Morgen, wenn sie wieder nüchtern sind und man sie beim Bäcker trifft, kennen sie einen nicht mehr.“

Porträts von ganz normalen Menschen

Westfale Peter Menne mag die Westfalen trotzdem, und die Westfalen selbst haben ihn nicht vergessen. Regelmäßig kehrt er zurück und porträtiert ganz normale Menschen. In seinem Delbrück sei das 2019 allein sechs Mal der Fall gewesen, erzählte er. Dabei zeichnet er nicht nur Gesichter, sondern erzählt vom Leben und den Hobbys der Personen. Sein Rüstzeug erwarb Menne an der Fachhochschule Bielefeld und der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. In Potsdam lebt der Karikaturist mit seiner Frau und zwei Kindern, und von seinem Nachwuchs lernte er, wie das mit Facebook und Instagram funktioniert.

Die Corona-Krise hat ihn nach eigenen Worten noch nicht so hart getroffen wie andere. „Man muss ackern“, betonte Menne aber. Darauf zu warten, dass Aufträge reinkommen, sei keine Strategie. Menne selbst illustriert zur Zeit den Newsletter der Potsdamer Hoffbauer-Stiftung, die Schulen, Altenheime und Kitas betreibt und die Flexibilität der Mitarbeiter in Zeiten von Corona mit Texten und Bildern würdigt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7356910?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851065%2F