Nach Busunfall in Delbrück vermisst die Mutter des Opfers Konsequenzen
„Es wird immer noch geschubst“

Delbrück (WB). Am Nikolaustag soll eine zwölfjährige Schülerin der Delbrücker Gesamtschule an der Ladestraße vor einen Bus geschubst worden sein. Wie geht es dem Mädchen heute? Und wie haben Schule und Stadtverwaltung auf den Unfall reagiert ? Das WB hat nachgefragt.

Mittwoch, 26.02.2020, 19:20 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 19:24 Uhr
An der Ladestraße steigen Schüler des Gymnasiums, der Gesamtschule und der Johannes-Grundschule in die Busse ein. Hier passierte am 6. Dezember auch der Unfall, bei dem ein Mädchen mit dem Fuß unter einen Busreifen geriet. Foto: Meike Oblau

Das sagt die Mutter

Die Mutter der Siebtklässlerin, Svenja Emmerich, hat sich entschieden, ihre Tochter zum Ende des Schuljahres von der Gesamtschule herunterzunehmen. „Wie insgesamt mit diesem Vorfall umgegangen wird, finde ich furchtbar“, sagt sie. Nachdem ihre Tochter von einem 15-jährigen Jungen geschubst worden sei, sei sie mit dem Fuß unter einen der Busreifen geraten. Ärzte im Krankenhaus entschieden sich zu einer Not-OP, da sie befürchteten, eine Schlagader könnte verletzt sein. Vier Wochen lang habe ihr Kind nicht zur Schule gehen können: „Sie hat immer noch Schmerzen, der Fuß wird noch dick, eine große Narbe bleibt ohnehin zurück.“

Schlimm sei, so Svenja Emmerich, dass sich aus ihrer Sicht seit dem Unfall an der Situation nichts geändert habe: „Es wird an der Ladestraße immer noch geschubst und gedrängelt, die Stadt sieht aber kein Gefahrenpotenzial.“ Von der Schule fühle sie sich im Stich gelassen, ihre Tochter werde, zum Beispiel mit den Worten „Schmeiß dich doch wieder vor den Bus“, gemobbt. Zeugen, die den Unfall am 6. Dezember beobachtet hätten, seien von Freunden des mutmaßlichen „Schubsers“ bedroht worden und stellten den Vorfall nun bei der Polizei plötzlich anders dar, sagt Emmerich. Derzeit liege der Fall bei der Staatsanwaltschaft. Bereits am Tag nach dem Unfall hatte Svenja Emmerich bemängelt , dass keine Lehrer als Aufsicht an den Bushaltestellen an der Ladestraße präsent sind.

Das sagt die Schulleiterin

Gesamtschulleiterin Theresia Diekmann-Brusche möchte die Vorwürfe nicht unkommentiert stehen lassen. „Wir können und dürfen an der Ladestraße keine Aufsicht stellen, das ist kein Schulgelände und ein Einsatz meiner Lehrkräfte dort wäre dienstrechtlich überhaupt nicht abgedeckt.“ Zudem gebe es auch zum Unfallhergang völlig unterschiedliche Versionen: „Das muss jetzt strafrechtlich geklärt werden, daher werde ich mich dazu auch nicht äußern.“

Es stimme aber definitiv nicht, dass sie oder ihre Kollegen sich in den Wochen nach dem Unfall nicht mit dem Geschehen auseinandergesetzt und die Familie damit alleine gelassen hätten: „Wir hatten mehrere Gespräche mit der Mutter, ich selbst habe dem Mädchen Genesungswünsche geschickt. Sie hat Hausaufgaben übermittelt bekommen, um nicht zu viel zu verpassen“, sagt Diekmann-Brusche. Nach der Rückkehr der Siebtklässlerin habe die Klasse sogar kurzfristig einen anderen Raum bezogen, damit das Mädchen nicht an Krücken Treppensteigen musste.

„Wir haben alles getan, um den Wünschen und Bedürfnissen des Kindes und der Mutter so weit entgegen zu kommen, wie es Schule nur kann“, sagt Theresia Diekmann-Brusche. Darüber hinaus solle in Kürze das Projekt „Busbegleiter“ gestartet werden, ältere Schüler übernehmen dann eine Art Aufsicht im Bus: „Dazu müssen wir aber auch erst ältere Schüler haben, unsere Schule befindet sich ja noch im Aufbau und wir haben erst seit diesem Schuljahr eine zehnte Klasse“, so die Schulleiterin.

Das sagt der Bürgermeister

„Auch wir haben mit der Mutter und anderen Eltern nach dem Unglück Gespräche geführt“, sagt Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz. „Fest steht, dass es keine baulichen Ursachen für den Unfall gibt. Die Schulsozialarbeiter und das Lehrerkollegium gehen mit dem Thema sehr sensibel um. Vom 1. August an wird mit Go On auch ein neuer Linienbetreiber im Stadtgebiet im Einsatz sein und derzeit laufen Gespräche, unter anderem auch mit dem Ziel, die Ein- und Aussteigesituation an der Ladestraße zu entzerren. Bei den Gesprächen sind auch die Schulpflegschaften mit am Tisch“, so Peitz.

Das sagt der Staatsanwalt

Oberstaatsanwalt Christoph Zielke sagte auf Anfrage des WB, derzeit lägen die Akten zu dem Vorfall noch bei der Polizei: „Die Ermittlungen laufen noch.“ Da es sich bei dem Tatverdächtigen zudem um einen 15-Jährigen handele, sei, sofern es denn zu einer Anklage komme, ohnehin der Jugendrichter zuständig: „Dann wäre die Verhandlung auch nicht öffentlich und wir würden keine Presseauskünfte erteilen.“

 

 

 

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