Johann König räkelt und dehnt sich auf Delbrücker Bühne Kre-haar-tiver Comedian mit Sinn fürs Klima

Delbrück (WB). Kein Comedy-Programm ohne Klima-Katastrophe. Daran hält sich auch Johann König bei seinem Besuch in Delbrück. Den Comedian mit der brüchigen Stimme und dem langsamen bis langweiligen Sprachtempo muss man mögen – oder eben nicht. In Delbrück hat er aber offenkundig eine treue Fangemeinde, denn die Stadthalle war nicht nur prall gefüllt, sondern die Zuschauer waren angesichts des Pointen-Feuerwerks, das der Künstler mitunter im Zeitlupentempo abfeuerte, bestens unterhalten.

Von Ingo Schmitz
Erklärt seine Welt mitunter mit Körpereinsatz: Johann König.
Erklärt seine Welt mitunter mit Körpereinsatz: Johann König. Foto: Ingo Schmitz

Mal räkelt sich der 47-Jährige auf dem Tisch, dann führt er Dehnübungen am Barhocker durch. Im Publikum ertönen bereits die ersten Lacher, bevor Johann König überhaupt den Mund öffnet. Ja, der gebürtige Soester ist wahrlich kein Temperamentsbolzen. Weitestgehend unaufgeregt macht er das Publikum mit seiner besonderen Sicht der Dinge vertraut. Selten redet er sich in Rage. Dann zwar heftig und laut, aber auch nur ganz kurz.

König kann Spätrechtseinschlafen

Zu seiner Sicht der Dinge gehört eben auch das „Kompliment“ am Anfang für das „hochmoderne“ Ambiente der Delbrücker Stadthalle, die er nun seit 2005 kenne und in der er bereits achtmal aufgetreten sei. Es habe sich nichts verändert, stellt König mit süffisantem Blick auf die blauen Stühle fest. Es müsse ja schließlich auch den Zuschauern gefallen – und nicht dem Künstler.

Dass er die Zuschauer gleich zu Beginn an seinen Schlafritualen teilhaben lässt und mit schlichten Reimen daher kommt, trägt nur mäßig zur Begeisterung bei. Und sein dazugehöriges Wortspiel will auch nicht so recht zünden: Was ist das Gegenteil von Frühlingserwachen? Spätrechtseinschlafen... Da muss das Publikum etwas länger drüber nachdenken.

In diese Kategorie fällt auch sein Beitrag über vermeintlich kre-haar-tive Namen für Friseurgeschäfte. Wie wäre es zum Beispiel mit „Hair-Gott-nochmal“?

Schokolade mutiert zum Handy

Auch kein Alleinstellungsmerkmal ist sein Beitrag zu den Eigenarten mancher Handybesitzer, die so tun, als würden sie mit der schmalen Kante einer Tafel Schokolade sprechen. Danach haut er seinen Ärger über die Zeitgenossen heraus, die an der Tankstelle verzweifelt versuchen, runde Geldbeträge zu tanken – bis der Sprit aus dem Auto spritzt. Das Lachen im Saal lässt darauf schließen, dass sich einige Autofahrer wieder erkannt haben.

Dann ist endlich das unvermeidliche Thema Klima dran. Klar, hier hänge alles von ab. Eins greife ins andere. Mehr Kerosin bedeute mehr Erderwärmung und damit weniger Eis. Wenn es dann weniger Land gebe, habe man zumindfest mehr Fläche zum Segeln – dafür aber schlecht integrierte Holländer. Die einzige Lösung sei Radfahren, stellte König fest. Doch das sei so fürchterlich gefährlich – gerade in der Stadt. Erst neulich habe er einen Fahrradkurier mit seinem SUV von der Straße abgedrängt. Schade nur, dass er zuhause vergeblich auf sein Essen habe warten müssen. Wie gesagt: Alles hängt zusammen.

Vom Lose-Lose zur Win-Win-Situation

Immer wieder nimmt Johann König seine vermeintliche Checkliste zur Hand, um die Witze und Kalauer abzuhaken, die er an diesem Abend macht. Skurril mutet seine Hula-Hoop-Einlage an. Oder auch seine Ansichten über Familienurlaub: „Das ist Zeit mit Kindern, die nicht betreut werden an einem Ort, an dem man sich nicht auskennt.“ Das sei eine Lose-Lose-Situation – also Verlust im doppelten Sinne. Und wie erging es Johann Königs zahlendes Publikum? Anstatt vor dem Fernseher zu sitzen, erlebten die Zuschauer einen recht unterhaltsamen Samstagabend. Quasi eine Win-Win-Situation – auch für den Künstler.

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