Eltern aus Lippling kritisieren Busfahrkosten für Oberstufenschüler
„Die Preisstruktur versteht niemand“

Delbrück (WB). Am Dienstag, 4. Februar, beginnt das Anmeldeverfahren für die neue Oberstufe der Gesamtschule Delbrück . Insbesondere Eltern aus Lipp­ling ärgern sich derzeit über die hohen Kosten, die anfallen, wenn Oberstufenschüler mit dem Bus zur Delbrücker Gesamtschule oder zum Gymnasium fahren wollen. „Viele Eltern wissen gar nicht, welche Kosten auf sie zukommen“, sagt zum Beispiel Christiane Koch.

Montag, 03.02.2020, 20:00 Uhr
Für Busfahrten zur Schule gelten für Oberstufenschüler andere Regelungen als für Schüler an Grundschulen oder in der Unter- und Mittelstufe. Oberstufenschüler, deren Schulweg kürzer als fünf Kilometer ist, müssen das Ticket selbst zahlen, wenn sie Bus fahren wollen. Foto: Meike Oblau

Denn mit dem Wechsel von der Sekundarstufe eins in die Oberstufe (egal ob Gymnasium oder Gesamtschule) ändert sich der so genannte „zumutbare Schulweg“ für die Jugendlichen. Das betrifft unter anderem etliche Schüler, die in Lippling wohnen. Laut Schülerfahrkostenverordnung bekommen sie, solange sie die Unter- oder Mittelstufe besuchen, von der Stadt Delbrück eine Busfahrkarte bezahlt, wenn sie mehr als 3,5 Kilometer von der Schule entfernt wohnen.

Schülerfahrkostenverordnung

Nach der Schülerfahrkostenverordnung werden unter bestimmten Voraussetzungen Fahrkosten zu den Schulen ganz oder teilweise übernommen. Dabei muss der fußläufige Schulweg in der Grundschule länger sein als zwei Kilometer, in der weiterführenden Schule 3,5 Kilometer. Ab der Oberstufe muss der Schulweg länger sein als fünf Kilometer. Einige Kommunen haben aber auch andere Beschlüsse gefasst und übernehmen auch Kosten, die über die in der Verordnung hinausgehen.

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Grenze steigt auf fünf Kilometer an

In der Oberstufe aber steigt diese in der Verordnung genannte Entfernung auf fünf Kilometer an. Wer also in der Mittelstufe noch eine Fahrkarte bezahlt bekam, muss nach dem Wechsel in die Oberstufe womöglich selbst zahlen – nach Angabe von Christiane Koch 65,50 Euro im Monat, also 786 Euro pro Jahr.

Christiane Koch und ihre Mitstreiterinnen Alexandra Straub, Sandra Tepper und Petra Kemper finden die Verordnung ungerecht. „Wenn Delbrücker Jugendliche zum Beispiel in Paderborn Fachabitur oder das internationale Abitur ablegen, liegen die Fahrtkosten, die die Eltern tragen müssen, nur bei 120 Euro im Halbjahr“, sagt Alexandra Straub. An der Universität Paderborn ist das Semesterticket im Semesterbeitrag enthalten. Der Beitrag liegt aktuell bei 317,98 Euro. Das Ticket können Paderborner Studenten in ganz Nordrhein-Westfalen nutzen, darüber hinaus sind im Semesterbeitrag auch noch andere Kosten enthalten. Die Kosten für den ÖPNV liegen dabei rechnerisch bei 222,15 Euro pro Semester.

„Das Verhältnis passt doch nicht!“

„Das Verhältnis passt doch nicht“, beschwert sich Sandra Tepper. „Oberstufenschüler sollen fast 800 Euro für ein Schulbusticket zahlen, um innerhalb Delbrücks zur Schule zu kommen, und an der Uni ist das Ticket so viel billiger und gilt sogar fürs gesamte Bundesland? Kein Bürger durchschaut diese unterschiedlichen Preisstrukturen!“

Die Eltern haben sich an die Stadt Delbrück, verschiedene Ratspolitiker, den örtlichen Landtagsabgeordneten und das Schulministerium gewendet. „Ohne Ergebnis“, sagen sie. „Der Fachbereichsleiter Schule im Delbrücker Rathaus, Manuel Tegethoff, verweist lediglich auf die entsprechende Schülerfahrkostenverordnung.“

Stadt sieht sich an die Verordnung gebunden

„Wir sind nicht die Stellschrauben, die die Preiskultur verändern können. Die Preise werden nicht von uns gemacht, sondern durch die VPH, die Verbundgesellschaft Paderborn-Höxter, festgelegt“, hat Tegethoff den Müttern geschrieben. Man habe den Hinweis aus Lippling aber noch einmal zum Anlass genommen und erneut bei den entsprechenden Stellen auf die Preisgestaltung hingewiesen. Auf Anfrage des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES führte Manuel Tegethoff weiter aus: „Die Situation der Eltern, die sich jetzt beschweren, ist nachvollziehbar. Jedoch sind wir im Rahmen des Gleichbehandlungsgrundsatzes an eine rechtmäßige Anwendung der Schülerfahrkostenverordnung gebunden.“

Abweichende Regelung in Rietberg

Das WV hat in den Delbrücker Nachbarorten nachgefragt, wie dort die Fahrkosten für Schüler berechnet werden, die eine Oberstufe in ihrem Wohnort besuchen. Auch die Stadt Salzkotten hält sich an die Verordnung: „Unter fünf Kilometer Entfernung zur Schule greift die Schülerfahrkostenregelung in NRW nicht. Daher stellen wir auch für diese Schüler keine Tickets aus, und somit ist jedem innerhalb der Fünf-Kilometer-Zone selbst überlassen, wie, wo und ob er ein Ticket kauft“, sagt Salzkottens Bürgermeister Ulrich Berger. Ähnlich lautete auch die Antwort der Stadt Verl.

Eine Ausnahme hingegen bildet Rietberg: „Bei uns gilt eine andere Regelung für alle Oberstufenschüler. Sie werden genauso behandelt wie die Jahrgänge 5 bis 10. Das heißt, wir bezahlen auch für sie das Busticket. Einzige Bedingung: Der Weg zwischen Wohnstätte und Schule darf 3,5 Kilometer nicht unterschreiten“, sagt die Pressesprecherin der Stadt Rietberg, Nina Ackfeld. Auf Nachfrage dazu ergänzt der Delbrücker Schulamtsleiter Manuel Tegethoff: „Natürlich kann eine Kommune freiwillig für jeden Schüler eine Fahrkarte kaufen. Das muss aber auch finanzierbar sein.“

Eltern halten Schulweg auch für ältere Kinder für gefährlich

Die Mütter aus Lippling sagen, dass es ihnen nicht nur um die Kosten gehe. Sie halten den Schulweg zudem für zu gefährlich, auch für Oberstufenschüler. „Ich frage mich, wie ein 16-jähriger Schüler im Winter bei Dunkelheit, Glätte oder Regen sicher zur Schule kommen soll. Der Radweg wird nicht geräumt, und der Weg über den Jüdendamm ist indiskutabel, weil er viel zu gefährlich ist“, sagt Christiane Koch. „Elterntaxis werden belächelt. Es bleibt uns oft aber gar nichts anderes übrig, als unsere Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren. Leider sind Fahrgemeinschaften durch die unterschiedlichen Unterrichtszeiten in der Oberstufe und aufgrund von Unterrichtsausfall nur schwer umsetzbar.“

In Zeiten des Klimawandels sei es zwingend erforderlich, dass Schüler, egal welchen Alters, ein Schulwegticket bekämen, fordern die Eltern aus Lippling: „Die Bürger sollen den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Bei den Preisen ist die Forderung lächerlich. Wir Eltern sind gerne bereit, das Thema mit der Verwaltung und der Politik zu diskutieren. Man sollte sich aber nicht einfach hinter dem Landesgesetz verstecken.“

Landtag lehnt kostenloses Schülerticket ab

Die Eltern aus Lippling haben auch im NRW-Schulministerium nachgefragt. Von dort heißt es: „Eine Herabsetzung oder Aufhebung der Entfernungsgrenzen beziehungsweise ein kostenloses Schülerticket würde die Kommunen als Schulträger und das Land mit erheblichen Mehrkosten belasten. In Anbetracht der schwierigen Finanzlage von Land und Kommunen ist eine Umsetzung dieses Vorschlages derzeit politisch nicht möglich. Im Landtag wurde jüngst ein Antrag auf ein kostenloses Schülerticket abgelehnt.“ Es sei die Aufgabe der Eltern, den Schulweg ihrer Kinder zu organisieren.

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