Situation nach schwerem Unfall in Delbrück in der Diskussion
Viel Ärger mit Schulbussen

Delbrück (WB). Ein Jugendlicher schubst ein junges Mädchen an der Schulbushaltestelle. Die Zwölfjährige stolpert, gerät mit ihrem Fuß unter den nahenden Bus und wird schwer verletzt. Das Unglück, das sich am Freitag am Delbrücker Schulzentrum ereignete , wird in der Stadt viel diskutiert. Die Stadt Delbrück, die Schulleitung der Gesamtschule und die Schulpflegschaft sind bei dem Thema „am Ball“.

Dienstag, 10.12.2019, 07:00 Uhr
An der Ladestraße unweit des Schulzentrums war am vergangenen Freitag ein schwerer Unfall passiert. Foto: Meike Oblau

Die Mutter der Zwölfjährigen, die nach dem Unfall notoperiert werden musste, hatte die fehlende Busaufsicht durch Lehrer an den Haltestellen an der Ladestraße kritisiert . Theresia Diekmann-Brusche, Leiterin der Gesamtschule, sagt: „Wir haben als Lehrer dort bei allem guten Willen gar keine Befugnisse, da es sich nicht um Schulgelände handelt. Gesetzeslage ist, dass der Schulweg der Verantwortung der Eltern obliegt.“ Sowohl das verletzte Mädchen als auch der 15-Jährige, der die Schülerin geschubst haben soll, besuchen die Gesamtschule.

Schüler aus drei Schulen nutzen die Haltestelle

Die Situation an den Haltestellen sei schwierig und der Vorfall tragisch, sagt Diekmann-Brusche: „Wir werden das im Kreis der Schulleitungen noch mal besprechen.“ Neben den Gesamtschülern nutzen die Haltestellen auch die Schüler des Gymnasiums und der Johannes-Grundschule.

Am Montagmittag machte sich auch Manuel Tegethoff, Leiter des Fachbereichs Bildung/Sport/Kultur bei der Stadt Delbrück, vor Ort ein Bild von der Situation bei Schulschluss. „Es ist sehr unglücklich, was dort am Freitag passiert ist. Eigentlich gibt es an den Haltestellen kein Gefahrenpotenzial. Die erhöhten Bordsteine sind klar von der Fahrbahn abgegrenzt. Die Straße ist verkehrsberuhigt und darf zu dieser Uhrzeit auch nur von Schulbussen befahren werden. Das ist übersichtlich“, sagte Tegethoff.

Ein WV-Leser wies allerdings am Montag per E-Mail darauf hin, dass viele Autofahrer trotz Verbots durch die Ladestraße fahren: „Die Straße wird munter befahren, egal ob da Schüler laufen oder Schulbusse warten. Von einer Präsenz irgendwelcher Ordnungsbehörden ist nichts zu sehen“, beschrieb der Leser seine Wahrnehmung.

Autos in der Ladestraße eigentlich nicht erlaubt

Die Situation wird aktuell offenbar auch noch dadurch verschärft, dass die angrenzende Graf-Sporck-Straße seit Monaten wegen Bauarbeiten gesperrt ist: „Da huschen viele Autofahrer dann durch die Ladestraße“, hat auch Fachbereichsleiter Manuel Teget­hoff beobachtet. Nach dem Unfall vom Freitag werde die Stadtverwaltung überprüfen, ob sich die Situation insgesamt verbessern lasse.

Dazu werde er auch mit dem Fachbereich Bauen und Planen und mit den Schulleitungen sprechen, sagte Tegethoff. Im Ausland würden an Schulbushaltestellen manchmal Sperrgitter zur Straße hin eingesetzt: „Das bringt oft aber neue Probleme mit sich.“

„Viele haben den Unfall mit angesehen und sind schockiert“

Gesamtschulleiterin Theresia Diekmann-Brusche sagte, sie habe am Freitagnachmittag die Stadt Delbrück als Schulträger, die Bezirksregierung und alle Lehrer, die das zwölfjährige verletzte Mädchen, aber auch den 15-jährigen Jungen, der geschubst haben soll, unterrichten, über den Vorfall informiert. Am Montag habe sie alle Lehrkräfte gebeten, das Unglück in den Klassen zu thematisieren, wenn es Redebedarf gebe: „Den Unfall haben viele gerade auch jüngere Schüler gesehen und sind dementsprechend schockiert.“

Zudem wies Diekmann-Brusche auf das Verkehrserziehungskonzept hin, das die Gesamtschule bereits seit ihrer Eröffnung verfolge: „Dieses Konzept beinhaltet gerade für die neuen Fünftklässler auch jedes Jahr ein Bustraining. Die Kinder lernen, wie sie sich beim Ein- und Aussteigen verhalten sollen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie im Bus keinen Sitzplatz bekommen, aber zum Beispiel auch, was ein toter Winkel ist.“

Schulpflegschaft hat bereits Umfrage durchgeführt

Das Thema Schulbusverkehr sei ohnehin brandaktuell, sagte Diekmann-Brusche. Speziell seit dem Ende der Sommerferien gibt es immer wieder, auch in anderen Kommunen, Beschwerden über unpünktliche und zu volle Busse sowie unfreundliches Buspersonal. Die Schulpflegschaft der Gesamtschule habe sich des Themas angenommen und Fragebögen dazu verteilt: „Die Resonanz war enorm. Es wurden 650 Fragebögen zurückgegeben. Das zeigt, dass die Eltern das Problem umtreibt.“ Die Umfrageauswertung solle nun mit der Delbrücker Stadtverwaltung in Ruhe besprochen werden.

Kommentar

Die Beschwerden sind vielfältig, unterm Strich steht fest: Der Schulbusverkehr funktioniert nicht reibungslos. Die Unzufriedenheit ist immens. Es gibt nahezu täglich Geschiebe und Gedrängel an den Haltestellen, die Busse sind zu voll, unpünktlich, manchmal kommen sie gar nicht. Das alles muss dringend besprochen werden, städteübergreifend. Die Umfrage der Schulpflegschaft der Gesamtschule kann da wertvolle Impulse liefern. Sämtliche Konzepte aber verhindern ein Unglück wie das am Freitag nicht. Wenn ein 15-Jähriger nicht weiß, dass man andere nicht schubst, wenn sich ein Bus nähert – dann können Bürgermeister, Amts- und Schulleiter oder Lehrer da nichts gegen tun. Dann ist in der Erziehung offenbar grundsätzlich etwas schief gelaufen. Meike Oblau

Kommentare

Augenzeugin  wrote: 12.12.2019 08:39
Kein Gefahrenpotenzial?
Die Aussage, es gebe an dieser Stelle kein Gefahrenpotenzial, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Vielleicht sollte sich Hr. Tegethoff mal zur richtigen Zeit (dienstags oder freitags) an die richtige Bushaltestelle begeben! Ich war jedenfalls sehr schockiert, als ich die Schüler beim Einsteigen beobachtet habe, man muss sich nicht wundern, wenn Eltern es daher vorziehen, ihre Kinder selbst abzuholen.
Dass die Ladestraße momentan von Autofahrern genutzt wird, ist diesbezüglich wohl das geringste Problem, auch wenn man es natürlich nicht gutheißen kann.
Maik Waßmann  wrote: 10.12.2019 09:51
Thematisierung ausweiten
Bei allem Unglück des vergangenen Freitags ist es gut, dass die Situation in der Gesamtschule angesprochen wird. Allerdings finde ich etwas schade, dass sich das nach meiner Kenntnis bislang eben nur auf die Gesamtschule konzentriert. Meine Tochter, die das Gymnasium besucht und in unmittelbarer Nähe zu dem verletzten Mädchen stand, erzählte uns gestern Abend, dass im Gymnasium seitens der Lehrer nicht mit den Schülern darüber gesprochen wurde. Damit hatte ich eigentlich fest gerechnet. Die Schüler der anderen beiden Schulen sind doch genauso betroffen, und nicht minder schockiert über das Geschehene! Ich kann nur hoffen, dass sowohl das Gymnasium als auch die Grundschule das Thema aufgreift und mit den Schülern intensiv darüber spricht. Mangelnder Respekt und ein zunehmend ruppiger, insbesondere "körperlicher" Umgang unter den Heranwachsenden ist ja leider zunehmend zu beobachten, da sehe ich aber definitiv "uns" Eltern in der Pflicht. Dass ein Junge ein jüngeres Mädchen körperlich angeht, dass gab es zu meiner Schulzeit nicht, so etwas haben uns unsere Eltern noch beigebracht. Haben die Eltern von heute denn so wenig Interesse am Erhalt vernünftiger Werte?
Total 2 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7121995?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851065%2F
Infektionsrate sinkt unter Grenzwert
Ein Helfer in einem der Corona-Testzentren im Kreis Gütersloh legt ein Röhrchen mit einer Probe in eine Box. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker